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Industriejobs für Tübingen

Walter investiert 20 Millionen, Horn auf Wachstumskurs

Euro-Krise? Schwächelnde Konjunktur? Ach was: Die Metallbearbeitungsbranche strotzt vor Kraft, spricht auf der gestern eröffneten AMB-Messe in Stuttgart von „Normalisierung auf hohem Niveau“. Die vom TAGBLATT befragten Tübinger Firmen erwarten für 2012 ein nochmaliges Umsatzwachstum.

19.09.2012
  • Volker Rekittke

Tübingen/Stuttgart. „Liebe CNC-Maschine, mach mal langsam, ich bin etwas aus der Spur geraten.“ Wenn es nach den Tüftlern der Walter AG geht, könnten solche Ansagen schon bald von einem Fräswerkzeug kommen, das seiner Maschinen-„Mutter“ per Datenleitung Korrekturaufträge gibt – und zwar ganz ohne menschliches Zutun. Die Vision, an der die Tübinger zusammen mit der im Schwarzwald ansässigen 15-Mann-Firma Comara arbeiten, lautet: „Intelligente Produktion“ – nur eine der Neuheiten, die der Tübinger Hartmetallwerkzeughersteller auf der AMB präsentierte.

Und sonst? 2011 war super, 2012 wird „nur“ noch gut. Das ist jedenfalls die Botschaft der beiden größten Tübinger Industriebetriebe, der Walter AG und der Paul Horn GmbH. Ein so rasantes Wachstum wie 2011 mit Umsatzsteigerungen von 27 Prozent (Horn) und 20 Prozent (Walter) wäre wohl auf Dauer kaum durchzuhalten – und ist angesichts des zyklischen Konjunkturverlaufs auch nicht realistisch.

Neue Werkzeuge und Rundum-Sorglos-Pakete

Mit zuletzt gut 600 Millionen Euro Jahresumsatz und weltweit 4000 Mitarbeitern (davon 1250 in Tübingen/Münsingen) plant Walter 2012 „ein höheres einstelliges Wachstum“. Ähnlich die Prognose beim Mitbewerber Horn, der vergangenes Jahr mit weltweit 1000 Mitarbeitern 200 Millionen Euro umsetzte, davon 135 Millionen in Tübingen mit 740 Beschäftigten am Derendinger Stammsitz.

Erfreulich für Tübingen: Auch in diesem Jahr entstanden und entstehen etliche neue Jobs. Allein bei der Walter AG wurden 2012 bislang 113 neue Mitarbeiter im Münsinger und im Tübinger Werk eingestellt – und es sind noch Stellen offen. Walter-Chef Mirko Merlo gab bekannt, dass bis zum Jahresende gut 20 Millionen Euro in neue Maschinen zur Wendeplatten-Fertigung in Münsingen investiert werden sollen.

Bei Horn wurden etwa 30 Facharbeiter und Ingenieure neu eingestellt, weitere werden gesucht. Auch bei der Tübinger Walter Maschinenbau GmbH – bis 2004 Teil der Walter AG und seitdem zur Körber-Schleifring-Gruppe gehörig – stieg die Mitarbeiterzahl am Tübinger Firmensitz um zehn auf nun 180. Der Wachstumskurs bringt die Maschinenbauer in der Tübinger Neckaraue nun platzmäßig an ihre Grenzen.

Und wie geht es weiter mit den Hartmetallwerkzeugen made in Tübingen? Eine „Revolution der Zerspanungstechnik“ kündigte gestern auf der AMB Mirko Merlo an. Der Präsident der Walter AG stellte mehrere Neuheiten vor, von denen sich die Firma am meisten von einem Fräswerkzeug namens „Blaxx“ verspricht. Der neue Fräser soll einen „ruhigen, vibrationsarmen Lauf“ sowie deutlich kürzere Bearbeitungszeiten garantieren.

Ein anderes Thema: Die Knappheit und die Preisexplosion bei Rohstoffen. „Hartmetall ist sehr teuer geworden“, sagte Walter-Chefentwickler Jürgen Daub: „Wir sind da immer stärker von China abhängig.“ Umso wichtiger sei die Entwicklung einer neuen Generation von deutlich kleineren „Tigertec“-Wendeschneidplatten.

Doch weil auch das innovativste Werkzeug immer rascher kopiert wird, die Entwicklungszyklen immer kürzer werden, setzt man bei Walter wie auch bei Horn verstärkt auf Komplett-Pakete für Kunden, inklusive der Suche nach Einsparmöglichkeiten bei der Produktion – oder eben den Einsatz intelligenter Software, die den Fräskopf sagen lässt: „Liebe CNC-Maschine…“.

Walter investiert 20 Millionen, Horn auf Wachstumskurs
Viel los bereits am ersten Messetag: Kundengespräch am Stand der Tübinger Walter AG auf der Internationalen Ausstellung für Metallbearbeitung (AMB).Bilder:Rekittke

Walter investiert 20 Millionen, Horn auf Wachstumskurs
Der Knochen zeigt, wo’s langgeht: Die bei der Paul Horn GmbH hergestellten Werkzeuge gehen bereits zu über 15 Prozent in den Bereich Medizintechnik.

Die Messehallen auf den Fildern waren schon bei der „Internationalen Ausstellung für Metallbearbeitung“ 2010 komplett ausgebucht. Da war es für die AMB-Macher diesmal eine Herausforderung, sogar noch ein paar mehr Aussteller unterzubringen. 1356 sind es in diesem Jahr, Rekord. Gut ein Viertel der Firmen kommt aus dem Ausland, 29 Länder sind vertreten. Erwartet werden bis zum Messe ende am Samstag mehr als 90 000 Fachbesucher, auch das wäre ein neuer Spitzenwert. Die beiden großen Tübinger Hartmetallwerkzeughersteller, die Walter AG und die Paul Horn GmbH, sind in Halle 1 zu finden, die Walter Maschinenbau GmbH in Halle 8.

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19.09.2012, 12:00 Uhr

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