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Waltz with Bashir

Ex-Soldat Ari Folman (re-)animiert mit dem faszinierenden Trickfilm seine verdrängten Fronterlebnisse im Libanonkrieg.

Ex-Soldat Ari Folman (re-)animiert mit dem faszinierenden Trickfilm seine verdrängten Fronterlebnisse im Libanonkrieg.

Waltz with Bashir

© null 01:44 min

WALTZ WITH BASHIR
Trickfilm - Israel

Regie: Ari Folman


- ab 12 Jahren

Tagblatt-Wertung

Leser-Wertung

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23.11.2015
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Das dunkelste Kapitel der israelischen Geschichte ist der Feldzug in den Libanon im Jahr 1982. Unter den Augen der Armee wurden in den Beiruter Siedlungen Sabra und Schatila Hunderte Palästinenser, viele davon Zivilisten, von einer christlichen Miliz niedergemetzelt. Kein Wunder, dass diese Ereignisse auf jüdischer Seite weithin dem Vergessen und der Verdrängung anheim fielen – kollektiv und individuell.

Das Unbewusste lässt sich jedoch nicht so leicht austricksen. Da hetzen 26 Höllenhunde mit gefletschten Zähnen durch eine Stadt und postieren sich drohend vor dem Haus eines Ex-Soldaten. Der den Film einleitende Alptraum, von dem ihm ein Freund erzählt hat, brachte den israelischen Filmemacher Ari Folman ins Grübeln. Seine eigenen Erinnerungen an den Krieg, in den er als ganz junger Mann gezogen war, lagen hinter einer dichten Nebelwand. Um sie zu durchbrechen, startete er eine Recherche, befragte alte Bekannte und Kameraden: Was ist damals wirklich geschehen? Wie waren wir einfachen Soldaten in die Sache verstrickt? Und warum haben wir das alles so gründlich verdrängt?

Von einer strapaziösen Nabelschau ist „Waltz with Bashir“ allerdings so weit entfernt wie Ariel Sharon vom Friedensnobelpreis. Dafür bürgt schon die Form des Trickfilms, in die Folman den Weg und das Resultat seiner Nachforschungen gepackt hat. Natürlich ist das keiner im Stil von „Shrek“ oder „Wall-E“. Eher ergeben sich stilistische Ähnlichkeiten mit „Persepolis“ – nur dass sich zu den Comic-haften Zeichnungen und den ruckartigen Bewegungen noch eine Palette finsterschöner Farben von zuweilen psychedelischer Wirkung gesellt. Künstlerisch ist das Medium Trickfilm ein Glücksfall, lassen sich doch mit ihm reale Ereignisse und aus tiefen Seelensphären an die Oberfläche dringende Erinnerungsfetzen oder Trugbilder in ein Gesamt-Tableau von großer (psycho-)analytischer Schärfe integrieren.

So nähert sich der Film puzzleartig der schrecklichen Wahrheit, und am Ende des fulminanten Trips ins Herz der Finsternis scheut sich Folman nicht, Analogien zum Nazi-Terror zu ziehen. Das geht erheblich zu weit, unterstreicht aber das ehrenwerte Anliegen des Films, ein Zeichen der Scham zu setzen: dass man seinen schlimmsten Feinden – wenn auch nur für einen kurzen Eishauch der Geschichte – ähnlich geworden ist

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23.11.2015, 12:00 Uhr | geändert: 21.07.2009, 12:00 Uhr

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12.11.2008

12:00 Uhr

Bacchus schrieb:

Für mich war bisher "Im Westen nichts Neues" in seiner Originalfassung immer der einzig wahre Antikriegsfilm - seit heute gehört "Waltz with Bashir" ebenbürtig dazu! Ein Film der mich betroffen und sprachlos gemacht hat aber gleichzeitig mit seiner Suche nach dem Geschehenen auch Mut und Hoffnung gibt.
P.S. Sehr angenehm war es mir, dass das Publikum im Kino bis zum Ende des Abspanns still sitzen blieb -



01.11.2008

12:00 Uhr

marei schrieb:

der beste film seit 100 jahren! unbedingt anschauen!!!



15.10.2008

12:00 Uhr

fudoh schrieb:

auf dem diesjährigen fff in stuttgart gesehen und für 'exzellent' befunden.



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