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Sie liebt gerade schwierige Aufgaben

Wannweils Bürgermeisterin Anette Rösch hat Lust auf dritte Amtszeit

Bürgermeisterin werden wollte Anette Rösch schon seit ihrem Studium. Die geduldige Suche nach der besten Lösung in der Kommunalpolitik hat sie in zwei Wahlperioden in Wannweil gelernt.

31.08.2010
  • Mario Beisswenger

Wannweil. Es dauert wieder etwas länger im Wannweiler Gemeinderat. Die Räte klopfen noch mal ab, ob nicht doch Geld im Etat aufzutreiben ist, um den Feldweg beim Kleintierzüchterheim zu erneuern. Bürgermeisterin Anette Rösch erklärt die Grundlagen des Wegebaus, das Problem mit dem Ausspülen von Schotter bei starken Regenfällen und schlägt vor, dass der Bauhof zunächst nur die gröbsten Mängel beseitigt. Der Vorschlag findet nach längerer Debatte Zustimmung auch bei der Fraktion, die zunächst 30 000 Euro für den Neubau locker machen wollte.

In kaum einem Gemeinderat einer kleinen Kommune wird so leidenschaftlich in öffentlichen Sitzungen diskutiert wie in Wannweil. Das Betriebssystem der Schul-Computer, das Vergabeverfahren zur Berechnung der Abwassergebühren, die Ergebnisse der Bürgeranhörung einer Straßensanierung: Alles kommt auf den Tisch. Ist bei so einem meinungsstarken Rat das Geschäft einer Verwaltungschefin nicht besonders mühsam? Ist Rösch nach 16 Jahren nicht amtsmüde? Vielleicht auf der Suche nach anderen Aufgaben?

Konkurrenz wäre eine Überraschung

Überhaupt nicht, sagt die 42-jährige im TAGBLATT-Gespräch. Sie schätze an den Gemeinderäten, „die große Sachkompetenz und die große Lust, in die Tiefe zu arbeiten“. Sie sei ja nicht die Geduldigste, sagt sie über sich. Sie habe aber gelernt, dass es ein Vorteil ist, wenn die Räte die Vorlagen der Verwaltung noch mal genau durchgehen. So gut, wie die Zusammenarbeit mit dem Gemeinderat läuft, so zufrieden ist sie mit dem Betriebsklima im Rathaus.

Es würde sie schon sehr überraschen, wenn bis zum Ende der Bewerbungsfrist, noch jemand aus der Verwaltung gegen sie antreten würde. 2002 war das anders. Der damalige Ortsbaumeister, ohnehin im rechtlichen Dauerclinch mit der Chefin, und ein Verwaltungsazubi machten den Bürgermeisterwahlkampf zu einer Schlammschlacht über Rathaus-Interna. Letztlich wurde Rösch dann mit 82 Prozent der Stimmen gewählt.

Die Liste der Dinge, die Rösch dann während ihrer zweiten Amtszeit abarbeitete, ist lang. Sie reicht von der Friedhofserweiterung über die Sanierung beider Echaz-Brücken, vom grundsanierten Alten Schulhaus bis zum für zwei Millionen runderneuerten Gemeindehaus. „Das allerwichtigste Projekt“, sagt Rösch, war aber die Einrichtung des Gemeindepflegehauses plus betreutem Wohnen. Gebaut hat da die Gemeinde nicht selber, aber Platz geschaffen durch die Verlegung des Bauhofs. „Das gehört dazu, dass die Älteren in ihrer Gemeinde bleiben können, mittendrin.“

Gleichen Rang nimmt bei ihr das Kinderhaus in der Schulstraße ein. Wannweils guter Ruf bei der Kinderbetreuung liegt auch an dem Angebot, dort Kinder von einem Jahr an für zehn Stunden am Tag unterzubringen. Der Ausbau der Kinderbetreuung bedeutet aber auch, dass die Personalausgaben steigen, nachdem sie jahrelang durch Stellenkürzungen stabil waren.

Rücklagen werden jetzt aufgezehrt

Für die Zukunft macht die gebürtige Mössingerin keine großen Versprechungen. „Das wäre nicht unbedingt seriös.“ Es fehlten einfach die Mittel. Das liege nicht nur an der Wirtschaftskrise, erklärt die diplomierte Verwaltungswirtin: „Die Hälfte der Ausfälle sind geplant.“ Soll heißen, die vielfach versprochenen niedrigeren Steuern bedeuten für Gemeinden ohne große Gewerbesteuerzahler massive Verluste. In der Folge wird Wannweil die nächsten Jahre seine bisher noch rund zwei Millionen Euro Rücklagen fast ganz aufzehren und neue Schulden machen.

Das Straßensanierungsprogramm soll noch erledigt werden. Da ist das Rathaus noch etwas in Verzug, weil die Schäden vom Hochwasser im August 2002 und die Vorkehrungen vor neuen Fluten viel Geld verschlangen. Zu denken sei auch an ein neues Feuerwehrhaus an neuer Stelle und an die Fortsetzung der Innenentwicklung des Ortes.

In Wannweil als Gemeinde mit kleinster Markung im Kreis Reutlingen sei Platz kostbar, eine Entwicklung nach außen kaum möglich. Vielleicht, so die Hoffnung der Bürgermeisterin, entschließen sich die Besitzer der alten Spinnerei am Ortseingang von Betzingen her, das Gelände mit Wohnungen zu bebauen. Das Areal entspricht immerhin ungefähr einem Fünftel der bisher bebauten Fläche.

Damit wäre Platz, um die für den Kreis vorhergesagte Schrumpfung der Einwohnerzahl wenigstens im Ort aufzuhalten. Im Wettbewerb um Einwohner sieht Rösch Wannweil ohnehin gut aufgestellt. Es gebe die Nähe zu den Städten Reutlingen und Tübingen, und trotzdem böten „die Vereine eine ehrenamtliche Struktur, die man vom Dorf her kennt“. Durch die gemeinsame Werkrealschule mit Kusterdingen und Kirchentellinsfurt ist auch der Schulstandort gesichert.

Weniger Geld macht es interessanter

Doch, „ich kann mir noch gut acht weitere Jahre vorstellen“, sagt Rösch. Mit ihren 42 Jahren laufe ihr die Zeit nicht davon, wenn sie sich noch eine andere Aufgabe wünschte. Dass davon aber keine Rede ist, liege auch daran, „dass wir im Ort sehr freundlich aufgenommen wurden“.

Dass die Zeiten schwieriger werden für eine Verwaltungschefin, die mit einem schrumpfenden Etat leben muss, schreckt sie nicht. „Es wird interessanter, wenn man nicht einfach Geld ausgeben kann.“ Schon bei ihrer öffentlichen Ankündigung im Gemeinderat, wieder kandidieren zu wollen, sagte sie: „Wenn die Aufgabe nicht schwierig wäre, würde man keine Bürgermeister brauchen.“

Bürgermeisterwahl in Wannweil

Am 24. Oktober ist Bürgermeisterwahl in Wannweil. Bislang hat sich nur die 42-jährige Amtsinhaberin Anette Rösch um das Amt beworben. Sie tritt nach 1994 und 2002 zum dritten Mal an.

Die Bewerbungsfrist für mögliche Konkurrentinnen oder Konkurrenten, die durch Wettbewerb die Wahl spannend machen könnten, endet am 27. September.

Wannweils Bürgermeisterin Anette Rösch hat Lust auf dritte Amtszeit
Anette Rösch ist so zufrieden mit dem Klima im Rathaus und im Gemeinderat, dass sie gerne weitere acht Jahre dort wirken möchte.Bild: Franke

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31.08.2010, 12:00 Uhr

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