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Warten hat ein Ende: Sperrung der Landhaus-Siedlung aufgehoben
Oberbürgermeister Michael Bulander, Regierungsvizepräsidentin Grit Puchan und Prof. Ralph Watzel vom LGRB. Im Hintergrund Stadtrat Armin Dieter.
Öschinger Rutschgebiet bleibt unter Beobachtung

Warten hat ein Ende: Sperrung der Landhaus-Siedlung aufgehoben

Nach über 13 Monaten dürfen die Bewohner der Landhaus-Siedlung zurück in ihre Häuser und mit Renovierungsarbeiten beginnen. Das Gebiet gilt seit vergangener Woche als sicher.

22.07.2014
  • Moritz Siebert

Öschingen. „Ich freue mich sehr, dass ich heute in glücklichere Gesichter schauen kann“, sagte Grit Puchan, Stellvertreterin des Regierungspräsidenten, gestern. Noch gut erinnere sie sich an die Tage nach der Katastrophe: „Wir wussten alle nicht, wohin die Reise geht.“ Das Endgültige sei zwar noch nicht erreicht, ein wichtiger Etappensieg schon: „Wie wir das gemeinsam gemeistert haben, das werde ich nicht vergessen.“ Seit Ende vergangener Woche ist die polizeiliche Sperrung der Öschinger Landhaus-Siedlung am Fuß des Dachslochbergs offiziell aufgehoben (wir berichteten). Am Donnerstag hatte das Landesamt für Geologie, Rohstoffe und Bergbau (LGRB) grünes Licht gegeben: Ab sofort bestehe keine Gefahr mehr im Rutschgebiet. Nach über 13 Monaten können die Bewohner zurück in ihre Häuser und mit Renovierungsarbeiten beginnen.

„Es war keine einfache Maßnahme“, sagte Mössingens Oberbürgermeister Michael Bulander gestern bei einer kleinen Feier zur Freigabe der Landhaussiedlung. Tatsächlich war eine solche Hangsanierung bislang einmalig im Land: „Dass sowas eine gewisse Zeit braucht, ist einsehbar.“ Bulander dankte den Bewohnern für ihre Geduld: „So viel Sie auch ertragen mussten: Es war eine erfolgreiche Maßnahme.“ Die Zeit des Wartens gehe jetzt zu Ende.

„Allein die Tatsache, dass die Siedlung wieder sicher ist, hat uns sehr gefreut“, berichtet Karl Neuffer: „Wir können jetzt anfangen.“ Anfangen bedeutet für ihn und seine Lebensgefährtin Helga Winisch eine aufwendige Renovierung. Der Hangrutsch hatte ihr Haus in der Siedlung um etwa 30 Zentimeter verschoben. Die Bodenplatte ist schwer beschädigt, eine ganze Hauswand muss ausgetauscht werden, ihren Garten müssen die beiden neu anlegen. Mit einem dreiviertel Jahr rechnet Neuffer für die Renovierung. Ob er noch dieses Jahr mit der Renovierung beginnen wird, ist unklar. Die Bauunternehmen seien bis Herbst ausgebucht, und über die Wintermonate zu bauen, ist nicht optimal: „Vielleicht ist es besser, wir fangen erst im Frühjahr an.“ Andere Bewohner werden tatsächlich schon in den kommenden Tagen in ihre Häuser zurückkehren. „Ich freue mich, dass ich endlich wieder bei meinen Sachen sein kann“, sagt Sigrid Scheyhing.

Bulander lobte alle an der Hangsanierung beteiligten Büros, Behörden und Baufirmen für ihre „hervorragenden Leistungen“. Die Abstimmung habe immer funktioniert. Nicht erst nachdem der Landesinnenminister Reinhold Gall im November 2013 Hilfsgeld aus Bundes- und Landesmitteln für die Hangsanierung zugesichert hatte, haben die Arbeiten im Hangrutsch begonnen, sondern bereits am ersten Tag. Nach dem schweren Unwetter Ende Mai und Anfang Juni im vergangenen Jahr habe es im Land über ein Dutzend Erdrutsche gegeben, berichtete Professor Ralph Watzel vom LGRB gestern. Priorität habe damals aber der Öschinger Bergrutsch gehabt: Die Massenbewegungen in Öschingen seien der „worst case“ gewesen. Auf einer Fläche von neun Hektar hatten sich etwa eine halbe Million Kubikmeter Boden- und Felsmassen in Bewegung gesetzt und rutschten auf die Landhaus-Siedlung zu. Wenige Tage danach gab das LGRB eine Einschätzung der Gefahr ab und formulierte „technische Ziele“ zur Sicherung.

„Da gibt es keine Blaupause, jede Situation ist eigen“, so Watzel. Klar sei aber gewesen, dass der Hang entwässert werden musste. „Das Wasser ist die Schmiersalbe“, erklärt Watzel. Bei den großen Erdmengen, die in Öschingen abgegangen waren, habe zunächst noch die Gefahr bestanden, dass die Masse weiterrutscht.

Die Stadt hatte das Echterdinger Büro Vees und Partner mit der ingenieurgeologischen Aufnahme der Rutschung und das Pfullinger Büro Herrmann und Mang mit Planung und Realisierung des Entwässerungskonzepts beauftragt.

Seit Beginn des Jahres waren die Unternehmen Flammer aus Mössingen und Bögl aus Neumarkt im Rutschgebiet mit dem Bau dreier Sickergalerien aus insgesamt 800 Pfählen beschäftigt. Dadurch ist es gelungen, den Wasserspiegel bis an die Sohle der Rutschmasse zu senken. Auch neues Regenwasser fließe rasch ab, bestätigte Klaus Kleinert vom Büro Vees und Partner. Der Hang könne sich jetzt nicht mehr mit Wasser sättigen.

Warten hat ein Ende: Sperrung der Landhaus-Siedlung aufgehoben
Die Bewohner der Landhaus-Siedlung (links unten) dürfen zurück in ihre Häuser und können mit Renovierungsarbeiten beginnen.

Warten hat ein Ende: Sperrung der Landhaus-Siedlung aufgehoben
Das Gebiet der Landhaus-Siedlung gilt jetzt, 13 Monate nach dem Bergrutsch, wieder als sicher.

Der Hang hinter der Landhaus-Siedlung ist gesichert und die Infrastruktur im Wohngebiet steht wieder. In den kommenden Wochen stehen unter anderem noch die Rückbauarbeiten der Baustellenzufahrten und Sanierungsarbeiten an der Zufahrtstraße an. Der untere Bereich der Rutschmasse hinter der Siedlung wird begrünt, der obere bleibt der Natur überlassen. Die Gesamtkosten der Hangsanierung liegen nach aktueller Berechnung bei rund 3,3 Millionen Euro. Zwar ist die Siedlung seit Ende vergangener Woche wieder freigegeben, Prof. Ralph Watzel vom Landesamt für Geologie, Rohstoffe und Bergbau betont aber: „Es ist nicht vorüber“. Die Überwachung des Gebiets, das sogenannte Monitoring, ist weiterhin notwendig, voraussichtlich bis Ende 2015. Deswegen bleiben die installierten Messeinrichtungen zunächst noch am Ort. Außerdem soll eine Wetterstation aufgebaut werden, die täglich den Niederschlag misst.

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22.07.2014, 12:00 Uhr

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