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Beton, den keiner anrührt

Warum Rottenburg mit der besten Liga-Defensive auf Torhüter-Rotation setzt

Erster gegen Zweiter, Duell der Neckarstädte, Basketball-Hochburg gegen Volleyball-Hochburg: Mehr als das Derby zwischen der TSG Tübingen und dem FC Rottenburg am Sonntag (14.30 Uhr) kann ein Landesliga-Spitzenspiel kaum bieten. Der FCR setzt gegen Tübinger Offensivkraft vor allem auf sein Prunkstück: die Beton-Abwehr.

07.11.2014
  • Ibrahim Naber

Rottenburg. Die Zahlen klingen derart irreal, dass man sie sich fast zwei Mal durchlesen muss. In den letzten 27 (siebenundzwanzig) Ligaspielen hat der FC Rottenburg saisonübergreifend 12 (zwölf) Gegentore kassiert. Pro Spiel im Durchschnitt ganz genau 0,44 Gegentreffer. Fünf Tore ließ der FCR in der gesamten letzten Bezirksliga-Rückrunde zu. Und nur sieben Mal hatte die Defensive des Aufsteigers in bisher zwölf Landesligapartien das Nachsehen. Das ist Ligabestwert. Mit Abstand.

Wie ist diese Rottenburger Defensivstärke zu erklären? „Wir stehen insgesamt sehr kompakt und lassen dem Gegner dadurch wenig Platz und Zeit zu agieren“, sagt Trainer André Gonsior, der der Aussage vehement widerspricht, er stelle sein Team defensiver als andere Trainer ein. „Im Gegenteil. An sich verteidigen wir relativ hoch, pressen bereits weit in der gegnerischen Hälfte. Dadurch halten wir den Gegner von unserem Tor weg.“

Fest steht tatsächlich: Den Vorwurf des klassischen Betonanrührens, das der FC Chelsea unter José Mourinho in den letzten Jahren nahezu perfektionierte, muss sich Rottenburg nicht gefallen lassen. Trotz seiner defensiven Kompaktheit entfaltet der FCR sein Offensivspiel (27 Saisontore) bislang sehr erfolgreich. Vor allem über die schnellen Außenbahnspieler um Kevin Hartmann und Neuzugang Moritz Glasbrenner hat Rottenburg seine Stärken.

Gegen die Offensivkraft der TSG um die beiden bestens aufgelegten Lars Lack und Jonas Frey, hat die Null hinten jedoch Priorität beim FCR. Nur: wer dafür in letzter Konsequenz verantwortlich sein wird, steht noch nicht fest. Denn Rottenburg hat auf der Torhüterposition den offenen Konkurrenzkampf ausgerufen. Die beiden jungen Torhüter Tobias Wagner und Michael Geiger duellieren sich seit Wochen um den Platz zwischen den Pfosten. „Unsere Torhüter sind auf Augenhöhe. Für beide ist Spielpraxis in ihrem Alter wichtig“, sagt Gonsior, der den Konkurrenzkampf auch für Torhüter als leistungsfördernd bewertet: „Sie pushen sich in jedem Training, keiner will nachgeben. Beide spüren den Druck von hinten. Wer im Training gut arbeitet, wird bei uns dann im Spiel belohnt.“

Das Rotationsprinzip auf der Torhüterposition ist auch im Amateurfußball extrem selten. Viele Trainer sind der Ansicht, dass die Festlegung auf einen Stammkeeper die Mannschaft festigt. Es heißt auch, gerade Torhüter bräuchten das uneingeschränkte Vertrauen des Trainers. Ticken Rottenburgs Keeper etwa anders? FCR-Keeper Wagner (22) war die ersten acht Spiele durchgehend die Nummer eins, kassierte in diesen Spielen lediglich sieben Gegentreffer – und fand sich am neunten Spieltag trotzdem plötzlich auf der Ersatzbank wieder. Konkurrent Geiger (23), der Teile der Vorbereitung verpasst hatte, war für zwei Spiele der neue Torwart. „Das war schon komisch und auch nicht einfach für mich. Klar brauche auch ich Vertrauen. Aber mit der Situation musst Du umgehen können. Es ist bei uns eben ein Konkurrenzkampf wie bei den Spielern auch“, sagt Wagner, der vor wenigen Wochen wieder vorbeizog und auch am letzten Wochenende gegen Mössingen (0:0) im Tor stand. Auch Wagner bestätigt, dass man sich gegenseitig „hochpushen“ würde. Geiger und er kämen trotz der Rivalität „recht gut miteinander aus“. Wer gegen die TSG letztendlich im Tor steht, wollte Gonsior nicht verraten: „Die Keeper haben drei Trainingseinheiten die Woche. Dann spreche ich mit unserem Torwarttrainer und bewerte das Ganze.“

Ein erneuter Wechsel im Tor scheint für das TSG-Spiel dennoch unwahrscheinlich. Für Wagner steht sowieso fest: „Unser Team ist derzeit so intakt, dass wir eigentlich alle spielen lassen können.“

Warum Rottenburg mit der besten Liga-Defensive auf Torhüter-Rotation setzt
Im FCR-Kasten wird rotiert: Mal steht Michael Geiger im Tor (im Bild), mal Tobias Wagner. Das Leistungsprinzip schadet offensichtlich nicht, die Rottenburger stehen hinten ganz sicher. Archivbild: Ulmer

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07.11.2014, 12:00 Uhr

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