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Ein Zentrum für Dienstleistungen

Warum Thomas Hölsch ein neues Rathaus möchte

DUSSLINGEN (slo). In den nächsten Jahren wird Dußlingen sein Gesicht gewaltig verändern: Das Gelände, auf dem die ehemaligen Irus-Werke standen, und die freien Flächen drumherum werden neu bebaut — mit einem Altenbetreuten Wohnen, vielleicht einem neuen Rathaus, mit Wohn- und Geschäftshäusern und einem Dorfplatz. Drei Pläne stellte das Ingenieurbüro Orplan aus Stuttgart im November den Bürgern vor. Das TAGBLATT befragte Bürgermeister Thomas Hölsch, 37, seit etwas über vier Jahren im Amt, zu den Plänen und zu seinen Wünschen.

19.02.2000
  • Welche Variante wird es denn jetzt? Welche Variante wird es denn jetzt?

Welche Variante wird es denn jetzt?

Die bisherigen Überlegungen waren so, dass wir aus drei Varianten eine machen, also eine Mischform, in der aus jeder das Beste herausgezogen wird. Aber aufgrund der Bürgeranhörung und auch der Auswertung der Fragebögen wie auch in der weiteren Planung sind wir davon abgekommen. Wir werden jetzt die Variante 1 als Planungsgrundlage nehmen, aber die dann so überarbeiten, dass keine Mischung mehr mit den Varianten 2 und 3 erkennbar ist.

In dieser Variante ist ein neues Rathaus vorgesehen . . .

Ich würde es lieber „Dienstleistungszentrum“ nennen, denn es soll nicht nur ein Rathaus sein, sondern wir stellen uns vor, dass neben dem Rathaus vielleicht die Sozialstation integriert werden könnte, dass eventuell eine Bank dabei sein könnte oder ein kleiner Laden, Toto-Lotto, Postagentur oder was auch immer. Deswegen möchte ich hier nicht nur von einem Rathaus, sondern von einer öffentlichen Nutzung sprechen.

Und wohin soll dieses Dienstleistungszentrum?

Das wird sich auf der Achse wiederfinden zwischen Bahnhof, Mehrzweckhalle und Betreutem Wohnen, so dass man hier dann so ein kleines öffentliches Zentrum bekommt.

Braucht Dußlingen denn unbedingt ein neues Rathaus? Was ist am alten denn so schlecht?

Zum einen sind die Raumkapazitäten bei uns erschöpft, wir leben schon seit Jahren unter beengten Verhältnissen. Das wird vom Gemeinderat auch anerkannt. Wir haben Probleme mit der Technik, wir haben Probleme mit den Sanitäreinrichtungen. Und auch vom Ablauf her: Wir haben schon Akten ausgelagert. Die Gemeinde befindet sich ja auf Wachstumskurs — seit ich Bürgermeister bin, haben wir fast 400 Einwohner mehr in Dußlingen. Wir werden in den nächsten fünf bis zehn Jahren 5500 bis 6000 Einwohner haben. Das bedingt auch mehr Verwaltungsräume. Es zeigt sich immer mehr, dass das jetzige Rathaus — es war ja einmal ein Schulhaus — nicht als Rathaus geeignet ist. Wir haben zum Beispiel keine direkten Zugänge zu den Vorzimmern, wir haben keinen richtigen Sitzungssaal, wir haben nicht einmal ein richtiges Besprechungszimmer. Auch kein Trauzimmer — die Trauungen finden hier im Sitzungssaal statt, was immer ein hoher Aufwand ist, weil der ja hergerichtet werden muss.

Wie soll denn das neue Rathaus aussehen?

Das hat dann einen ganz anderen Charakter als bisher. Wir wollen das Rathaus von innen nach außen planen, sprich es soll kein Prunkbau, sondern ein Funktionsbau werden, der auf die Bedürfnisse der Bürgerinnen und Bürger abgestimmt ist, aber auch auf die der Mitarbeiter.

Sie wünschen sich auch ein Bürgerbüro . . .

Ja, da stell' ich mir so eine Art Empfangshalle vor, in der der Bürger, der unsere Dienstleistungen in Anspruch nimmt — sei es Anmelden, Abmelden, Pass ausstellen, eine Urkunde vom Standesamt — dass der wie bei einer Bank reinkommt in eine sehr freundliche, aufgelockerte Atmosphäre und dann aber relativ schnell wieder das Rathaus verlassen kann, nicht immer warten muss. Drei oder vier Mitarbeiter könnten da die gesamten Arbeiten, die tagtäglich anstehen, erledigen.

Und das Ganze soll dann in der Nähe der Schule und des Altenbetreuten Wohnens sein?

Ja, genau, in diesem Bereich. Das wird sich dann in der weiteren Planungsberatung zeigen, mit dem Büro Orplan und dem Gemeinderat und auch bei der weiteren Bürgerbeteiligung.

Was passiert mit dem restlichen freien Gelände?

Das wird einer Wohnbebauung zugeführt, im Bereich der Bahn könnte sich gewerbliche Nutzung entwickeln. Da stellen wir uns Handwerksbetriebe vor, also auch eine Mischform.

Es stehen auch alte Gebäude auf dem Gelände — zum Beispiel die Firma Rilling. Was passiert damit?

Was mit dem Gebäude Alfred Rilling, also mit dem Backsteingebäude passiert, wissen wir noch nicht. Das möchten wir uns auch offen halten. Vielleicht finden wir einen Investor — Stichwort Erlebnisgastronomie oder so was. Der Wunsch vom Gemeinderat war ja Kleinkunst, Varieté — vielleicht kann man das in diesem Zusammenhang nutzen. Das wird sich zeigen, wenn das Gebäude freigeräumt ist. Dann werden wir auch sehen, ob sich das wirtschaftlich darstellen lässt, dieses Gebäude zu erhalten, oder ob es abgebrochen werden muss.

Und die alte Mühle?

Da ist von uns aus bisher noch nichts vorgesehen. Das Grundstück wird im Rahmen der Planung überplant, aber dieses Grundstück befindet sich ja im Eigentum einer Erbengemeinschaft, und bisher sieht die Gemeinde keine Notwendigkeit, dieses Gelände aufzukaufen. Die Erbengemeinschaft kann natürlich auch selber als Investor auftreten und dieses Gebäude, das ja abbruchreif ist und nicht unter Denkmalschutz steht, einer anderen Nutzung zuführen.

Bis wann wird denn alles bebaut sein?

Wir hoffen, dass wir dieses Jahr die Erschließung hinbekommen und den Bebauungsplan. Dann möchten wir, sofern das noch möglich ist, gegen Ende des Jahres den Spatenstich für das Altenbetreute Wohnen machen. Das ist die erste Investition, die kommen wird. Das hat oberste Priorität.

Wo soll das Altenbetreute Wohnen denn hin?

Das kommt auf das Gelände, wo jetzt die Rilling-Villa steht. Das ist ein sehr schönes Gelände, zentral gelegen und auch relativ ruhig. Wir möchten da gerne den Weg gehen, dass wir zunächst einen Bauträger suchen, dann einen Betriebsträger und dann zusammen mit beiden einen Architekten. Vielleicht machen wir auch einen kleinen Wettbewerb. Das Ganze soll nachher aber nicht als Anlage erkennbar sein, also kein „Ghetto“ sein. Ich stelle mir da eher eine Mischform — Lebensraum für Jung und Alt, Mehrgenerationenwohnen — vor. Die Gebäude sollen ganz natürlich in die anderen Neubauten integriert werden.

Die alte Villa wird dann erhalten?

Eventuell ja. Wenn es wirtschaftlich ist, wird sie auch einer entsprechenden Nutzung zugeführt, dann wird sie erhalten. Wenn das nicht geht, muss man sich überlegen, ob man das alte Gebäude abbricht.

Inwieweit werden an solchen Entscheidungen die Bürger beteiligt?

Es wird laufend über den Stand der Planungen informiert, sei es jetzt noch im Vorfeld mit dem Bebauungskonzept, also dem Bebauungsplan, sei es in eigenen Veranstaltungen, etwa zum Betreuen Wohnen oder wenn die Diskussion aufkommt, Rathausneubau ja oder nein? Es wird also laufend informiert, auch über den Gemeindeboten oder die Gemeinderatssitzungen.

Warum Thomas Hölsch ein neues Rathaus möchte
Thomas Hölsch, Aufnahme am 11. Februar 2000.

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19.02.2000, 12:00 Uhr

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