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Aufzug gilt als Lachnummer

Warum der Fahrstuhl am Alten Rathaus nicht geht

Der Aufzug am Alten Rathaus ist so etwas wie ein Endlosthema: Erst gab es lange Debatten mit dem Denkmalamt, nun ist der Fahrstuhl da – aber nicht so, wie viele Nutzer ihn gerne hätten. Immerhin soll es nun eine Bedienungsanleitung, einen Hausruf und einen neuen Schlüssel geben.

03.10.2010
  • Gabi Schweizer

Mössingen. Johannes Großmann hat die Treppe genommen. „Ich bin ja erst 94!“ sagt er augenzwinkernd und stützt sich dabei auf seinen Gehstock. Den Aufzug benutzt er dann doch noch, aber nur fürs TAGBLATT-Bild. Auch die anderen in der Runde sind zu Fuß in den ersten Stock des Alten Rathauses gelangt, zum freitäglichen Seniorentreff. Jede Woche gibt es in der Begegnungsstätte Kaffee und Kultur für Ältere, ein Angebot, das die Mössinger gerne annehmen. Aber für manche ist es ein beschwerlicher Weg. „Ich komme die Treppe kaum rauf“, klagt eine ältere Frau.

Zwar hat die Stadt nach langem Hin und Her mit dem Denkmalamt einen Fahrstuhl bauen lassen, doch der gilt vielen als Schwabenstreich: „Man lacht halt drüber, dass er so lange da ist und nicht geht“, sagt eine Seniorin. Eine andere Frau ergänzt: „Ich würd’ ihn ja benutzen, aber die Technik ist mir zu kompliziert.“ Und das scheint eher die Krux zu sein. Gestern funktionierte das Gerät zwar, aber hinlaufen und auf einen Knopf drücken, um den Aufzug zu bestellen – das geht nicht.

Wenn ein Rollstuhlfahrer ins Haus will, braucht er zunächst einmal eine Begleitperson. Jemanden also, der drinnen den Schlüsselkasten durchforstet, den Aufzug aufschließt und mit nach oben fährt. Anlehnen ist keine gute Idee, denn nur zwei Wände sind fest mit der Bodenplatte verbunden. Allerdings bewegt der Fahrstuhl sich nur, wenn jemand den entsprechenden Stockwerksknopf gedrückt hält. Zum Haus führt dann ein Steg, ohne Überdachnung. Bei Regen, Schnee und Eis sei der Fahrstuhl darum nicht benutzbar, ärgerte sich jüngst Leserbriefschreiber Hubert Morciszek. Dass eine solche Übderdachung fehlt, findet auch Heinz Hierl, Organisator der freitäglichen Treffs, ein großes Manko. Und noch etwas hält er für suboptimal: Die Tür zum Fahrstuhl öffnet nach außen, auf Knopfdruck. Wer diesen Mechanismus betätigt, muss darauf achten, dass ihm die Tür nicht auf die Nase schlägt.

Im Prinzip ist Hierl ja froh, dass es überhaupt einen Fahrstuhl gibt – er gehört zu denen, die jahrelang dafür gekämpft haben. Andererseits könne er nicht jeden Freitag stundenlang unten warten, ob jemand nach oben fahren will. Neulich gab ein Gespräch mit der Stadtverwaltung. Das Ergebnis: Ein neuer Schlüssel soll nun gut zugänglich im Eingangsbereich des Alten Rathauses untergebracht werden. Direkt am Aufzug wird ein Schild mit einer Betriebsanleitung aufgehängt, außerdem gibt es dann einen Hausruf für Rollstuhlfahrer, die allein kommen.

Nichts ändern wird sich hingegen am Steg: „Wir müssen es eben in Kauf nehmen, dass wir den Aufzug vielleicht an solchen Tagen, an denen ein halber Meter Schnee liegt, nicht benutzen können“, sagte Stadtplaner Gebhard Koll auf TAGBLATT-Nachfrage – die Alternative sei „gar kein Aufzug“. Denn der Stadt sei nichts anderes übrig geblieben, als ein solches Modell konstruieren zu lassen – des Denkmalschutzes wegen habe man den Aufzugsturm vom Haus versetzt anbringen müssen: „Es sollte kein richtiges Bauteil werden.“ Und da der Aufzug ausschließlich für Menschen mit Gehbehinderung konzipiert ist, gelten vereinfachte Vorschriften. Zudem seien die Stege wichtig für den Brandschutz, erklärt Koll. Im Fachjargon ist von „anleiterbaren Flächen“ die Rede, was nichts anderes heißt, als dass die Feuerwehr diese wie Balkone benutzen, also über sie ins Gebäude gelangen kann.

Dass sich der Aufzug nicht auf Knopfdruck öffnen lässt, findet Hierl hingegen gut nachvollziehbar: Sonst, so mutmaßt er, würden bald Kinder damit spazieren fahren.

Warum der Fahrstuhl am Alten Rathaus nicht geht
So voll ist der Aufzug am Alten Rathaus selten – nicht nur, weil er ausschließlich für Menschen mit Behinderung bestimmt ist. Vielen ist einfach das Prozedere zu kompliziert.Bild: Franke

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03.10.2010, 12:00 Uhr

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