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Warum die Ökostrom-Umlage steigt
Zur Förderung von Strom aus Windkraft und Sonne müssen Verbraucher im nächsten Jahr erneut tiefer in die Tasche greifen. Im Bild Windräder in Niedersachsen. Foto: dpa
Energiepreise

Warum die Ökostrom-Umlage steigt

Die Verbraucher müssen zur Förderung von Energie aus Windkraft und Sonne im kommenden Jahr erneut tiefer in die Tasche greifen. Eine Trendwende ist nicht in Sicht.

15.10.2016
  • DPA

Berlin. Die Ökostrom-Umlage steigt wieder an. Sie wird von derzeit 6,35 Cent auf 6,88 Cent pro Kilowattstunde angehoben, teilten die Übertragungsnetzbetreiber mit. Aber warum klettern die Kosten immer weiter? Einige Antworten auf die wichtigsten Fragen:

Was ist die EEG-Umlage? Um Anreize für den Ausbau der Stromerzeugung aus Wind, Sonne, Wasser und Biomasse zu schaffen, gibt es seit Jahren ein umfangreiches Fördersystem. Das im Jahr 2000 beschlossene Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) garantierte Erzeugern bislang 20 Jahre lang die Abnahme von Ökostrom zu festen Preisen, unabhängig von Angebot und Nachfrage. Die Einspeisevergütung wird aus der EEG-Umlage bezahlt, die auf die Stromrechnung aufgeschlagen wird.

Wie wird die Umlage berechnet? Das ist Aufgabe der vier Übertragungsnetzbetreiber. Sie nehmen den Öko-Erzeugern den Strom ab und verkaufen ihn an der Energiebörse weiter – und zwar zu Marktpreisen, die zumeist deutlich unter den gezahlten Vergütungen liegen. Die Differenz kommt aus dem EEG-Topf. Das heißt: Die Umlage steigt, wenn die Börsenpreise für Strom wie in diesem Jahr kräftig sinken.

Wie hat sich die Umlage entwickelt? In diesem Jahr kommen fast 23 Mrd. EUR in den EEG-Topf. Dafür zahlen Verbraucher pro Kilowattstunde Strom 6,35 Cent. Für einen Haushalt mit einem Verbrauch von 3500 Kilowattstunden im Jahr bedeutet das nach Berechnung des Energieverbands BDEW eine Belastung von gut 220 EUR im Jahr bei einer Gesamtstromrechnung von rund 1000 EUR. Vor zehn Jahren lag die EEG-Umlage noch bei 88 Cent.

Woher kommt der starke Anstieg? Das hat mit dem Erfolg der Ökostromförderung zu tun. So kletterten die Kosten in den Jahren 2010 bis 2013 steil nach oben. Damals purzelten die Preise für Solaranlagen dank Billigherstellern aus China, während sich die deutsche Politik nicht genauso schnell auf Förderkürzungen einigen konnte. Das machte Investitionen in neue Solaranlagen sehr lukrativ. Entsprechend stieg das Ökostromangebot und damit die EEG-Umlage.

Hat die Politik reagiert? Ja, die Einspeisevergütungen für neue Anlagen wurden schon in den vergangenen Jahren gesenkt. Das hat den Ökostrom-Ausbau zum Leidwesen der Branche und damit auch den Kostenanstieg gebremst. 2015 fiel die EEG-Umlage erstmals seit 2000 leicht. Von 2017 an wird die Ökostromförderung ganz neu geregelt und stärker auf mehr Wettbewerb umgestellt. Dann fällt die 20-jährige Preisgarantie für neue Anlagen weg. Stattdessen werden Projekte ausgeschrieben: Wer wenig Subventionen verlangt, soll den Zuschlag bekommen.

Werden alle Stromverbraucher gleich belastet? Energieintensive Betriebe bekommen kräftige Rabatte. Das soll die Wettbewerbsfähigkeit der Industrie bewahren und Arbeitsplätze sichern. Dadurch aber steigt die Ökostrom-Umlage weiter, denn die Gesamtkosten verteilen sich auf weniger Schultern. Die Zeche zahlen die kleinen Stromverbraucher – Privathaushalte und kleinere Firmen.

Ist der Höhepunkt erreicht? Nein, sagt zumindest der Energieexperte der Verbraucherzentrale, Niels Schnoor. Der Ausbau sei nun mit der Umstellung der Förderung zwar gedrosselt und könne dadurch auch besser gesteuert werden. Der Börsenpreis dürfte wegen der Stromüberangebots aber auf absehbare Zeit weiter sinken und daher die Umlage belasten.

Was heißt das nun für den gesamten Strompreis? Was der Anstieg der Umlage für Haushalte am Ende konkret bedeutet, ist kaum zu berechnen. Es kommt darauf an, ob die Energiekonzerne fallende Börsenstrompreise an die Kunden weitergeben. Laut der Statistikbehörde Eurostat ist Strom für Privathaushalte aber nur in Dänemark noch teurer als in Deutschland. Erleichterungen sind kaum in Sicht. „Billiger wird der Strom sicher nicht“, sagt BDEW-Hauptgeschäftsführer Stefan Kapferer. Er macht dafür staatlich verordnete Abgaben verantwortlich. Von denen ist die EEG-Umlage nur ein Teil. Insgesamt machen Steuern, Abgaben und Umlagen mehr als die Hälfte des Strompreises aus. Dazu kommen die Kosten für die Netze, die rund 25 Prozent des Strompreises ausmachen. Zwar hat die Bundesnetzagentur die künftigen Renditen für die Netzbetreiber erst diese Woche gesenkt. Die Kosten dürften wegen des geplanten Ausbaus der Leitungen in den nächsten Jahren aber kräftig steigen. dpa

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15.10.2016, 06:00 Uhr

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