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Von Kreisler bis Kohlhepp

Was das Zimmertheater demnächst alles vorhat

„Mal kein Motto“, so Intendant Axel Krauße, stellt das Zimmertheater der kommenden Spielzeit voran. Wenn‘s denn eins gäbe, würde es von Flucht und Vertreibung handeln. Denn es gibt einen dezidiert politischen roten Faden im Spielplan.

12.06.2015
  • Wilhelm Triebold

Tübingen. Neun Premieren, darunter drei Uraufführungen, eine szenische Lesung und eine Koproduktion mit dem Stuttgarter Fitz!-Theater: Das alles bringen Krauße und Co. in einer „knappen Spielzeit“ unter. Knapp deshalb, weil das Zimmertheater nach dem Sommertheater-Camping neben dm Technischen Rathaus erst nach dem 8. August in die Ferien geht und dementsprechend später wieder anfängt.

Und das ist der Spielplan der kommenden Spielzeit:

Die erste Premiere bringt am 23. Oktober ein Wiedersehen mit Georg Kreislers unverwüstlichem Diseusen-Musical „Heute Abend: Lola Blau“. Agnes Decker verkörpert die ins Exil getrieben Bühnenkünstlerin, die Kreislers schwarzhumorige Evergreens zum Besten gibt. Am Klavier begleitet sie Klaus Hügl, Axel Krauße führt Regie. Er hält Agnes Decker für die „perfekte Besetzung“.

Auch ein Stück aus vergangenen Zeiten, das man aber durchaus einer Neubewertung unterziehen sollte: Das Kleinstadt-Drama „Unter dem Milchwald“ von Dylan Thomas, das Robert Arnold offenbar auch mit Figurenspielfreude inszenieren möchte. Ein „pittoreskes Traumspiel“, befindet Dramaturg Michael Hanisch. Premiere ist am 14. November.

Gleich mehrmals hat das Zimmertheater bereits das Münsteraner Theater Operation eingeladen, das von dem theaterbesessenen Mediziner Tugsal Mogul gegründet wurde und geleitet wird. Mogul hat ein eigenes Stück herausgebracht, das sich mit den NSU-Morden an überwiegend türkischen Opfern beschäftigt. Er ist dazu ein Jahr lang zum Münchner Prozess gefahren, auch das floss in das Dokumentartheater „Auch Deutsche unter den Opfern“ ein. Es wurde als Aufführung des Theaters Münsters bereits zu den Berliner Autorentheatertagen eingeladen, und Krauße „war dermaßen baff“, dass er die laufend aktualisierte Fassung jetzt für Tübingen haben wollte. Hier wird die junge Israelin Sapir Heller, zuletzt an der Münchner Everding-Akademie, dies spannende Zeitstück inszenieren, und zwar auf den 16. Januar 2016 hin. Im Januar wird auch das Zschäpe-Urteil erwartet.

Die erste Uraufführung der Spielzeit ist für den 23. Januar geplant. Hausautor Joachim Zelter schreibt eine leichthändig-bitterböse Komödie über die Kunstszene mit dem Titel „Biel am See“, die Intendant Axel Krauße dann in Szene setzt.

„Zeit im Dunkeln“ handelt wiederum von zwei Bootsflüchtlingen in vermeintlicher Sicherheit, allerdings immer im Bann(fluch) der Schlepper und Menschenhändler. Autor des „dichten Kammerspiels“ (Krauße) ist Henning Mankell, Krimi-Guru mit Theatererfahrung vornehmlich in Mosambik. Regisseur wird am 5, März wiederum Robert Arnold sein. Dessen Vater Harald Arnold, ansonsten in Brandenburg engagiert, spielt auch mit, weswegen die Inszenierung dann auch am Brandenburger Theater läuft.

Und noch‘ne Uraufführung: Johannes Karl bastelt sich für seine Regiearbeit das Stück gleich selbst, indem er im Pauline-Krone-Heim Insassen zu ihrer Jugendzeit befragt. Es geht dem (Arbeits-)Titel nach um „100 Jahre Leben“, das heißt um Generationenübergreifendes. Es spielen Mitglieder des Jungen Zimmertheaters, es fördert das Kunstministerium (mit 8000 Euro). Premiere ist am 2. April.

Kein Shakespeare am kleinen Zimmertheater, aber dafür ein Marlowe: Das elisabethanische Pendant zum großen Will hat sechs ebenbürtige Dramen verfasst, eher er blutjung das Zeitliche segnete, darunter „Edward II“ als einen Vorgänger des fiesen Richard II (den hatte das Zimmertheater schon mit den „Lumpenbrüdern“ bei sich). Regisseur Frank Siebenschuh nimmt sich Edward II. an, Premiere ist am 10. Juni.

Ein nachgelassener Monolog des Wortvexierspielers George Perec steht am Schluss auf dem Programm: Im Juli 2016 kommt sein Stück „Über die Kunst seinen Chef anzusprechen und ihn um eine Gehaltserhöhung zu bitten“ heraus. Regie führt Dramaturg Michael Hanisch. Womöglich spielt Neuling Kathrin Kaspar, die nächstes Jahr Agnes Decker ersetzt.

Zum 100. Todestag von Alois Alzheimer gibt es ab 19. Dezember außerdem – in Zusammenarbeit mit der Uniklinik und der Alzheimergesellschaft – eine szenische Lesung mit dem Titel „Die Akte Auguste D.“. Privatdozent Alzheimer, der als Student In der Hafengasse 6 (iim Hotel Prinz Karl) wohnte, stellte die heute so weit verbreitete Demenzkrankheit erstmals 1906 in Tübingen vor südwestdeutschen Irrenärzten vor. Er bezog sich auf seine Frankfurter Patientin Auguste D., und aus deren lange verschollen geglaubter Krankenakte machten zwei Alzheimerforscher und eine Regisseurin vor geraumer Zeit eine Bühnenfassung, die Kraußes Zimmertheater Vorvorgänger Crescentia Dünßer und Otto Kukla 2001 am Zürcher Neumarkttheater uraufführten.

Jetzt im Herbst koproduziert das Zimmertheater mit dem Fitz!-Theater Christian Glötzners Exupéry-Biographie „Consuelo, mon Amour“, ein spartenübergreifendes Projekt, unter anderem mit Figurentheater-Magier Frank Soehnle.

Außerdem, so wird vermeldet, ist ein weiteres Projekt mit Bernd Kohlhepp geplant.

Was das Zimmertheater demnächst alles vorhat
Was haben diese drei Herren gemeinsanm? Sie sind allesamt Zimmertheater-Autoren. Von links: Dylan Thomas bei seiner liebsten Beschäftigung, Joachim Zelter ebenfalls, und Christopher Marlowe.

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12.06.2015, 12:00 Uhr

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