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TAGBLATT-Umfrage während der Städtebau-Ausstellung

Was denken Bürger über die Entwürfe zur Mössinger Stadtmitte?

Bis vor kurzem waren die fünf städtebaulichen Entwürfe des Architektenwettbewerbs für die weitere Bebauung der Mössinger Mitte in der Pausa ausgestellt. Zahlreiche Bürger nahmen die Gelegenheit wahr, sich diese anzuschauen. Was sagen sie zu den Plänen?

08.08.2015
  • Amancay Kappeller

Mössingen.Das ist der Plan: Zwei Plätze soll es in der Mössinger Stadtmitte in Zukunft geben. Bäume und Fontänen schweben den Architekten, die sich am Wettbewerb beteiligt haben, unter anderem vor. Außerdem eine begrünte Bahnhofstraße. Sieger der Mehrfachbeauftragung wurde das Stuttgarter Architekturbüro ARP, das auch das Gesundheitszentrum und das benachbarte Parkhaus auf dem Merz-Areal baut. Welcher Entwurf tatsächlich umgesetzt wird, darüber entscheidet allerdings der Gemeinderat – nach den Sommerferien. Bis 2019 sollen die Planungen mit KBF- und Kreissparkassen-Neubau samt Marktplatz stufenweise umgesetzt werden.

Die neue Mössinger Mitte ist ein Thema, das die Bürger bewegt. Bei der Ausstellung der Entwürfe im Vortragsraum der Pausa-Tonnenhalle diskutieren Betrachter angeregt über das, was sich Architekten fürs Mössinger Zentrum ausgedacht haben. Es wird gelobt und kritisiert – Letzteres teils ausgiebig und detailliert. Was erstaunt, ist die Tatsache, dass viele Interessierte zwar durchaus eine Meinung haben, diese aber nicht öffentlich äußern wollen. Und wenn, dann „höchstens anonym“, wie eine Mössingerin im Rentenalter gegenüber dem TAGBLATT kundtut. Die 68-Jährige ist noch unentschieden, welchen der fünf Entwürfe sie favorisieren soll: Gut gefällt der Mössingerin, dass die Bahnhofstraße grüner werden soll. Und das ist eigentlich bereits sicher, denn alle Architekten schlagen das vor. Schade findet es die Pensionärin, dass es in Mössingen bisher keine Fußgängerzone gibt – und dass sich das wohl auch nicht ändern wird. Denn angedacht ist lediglich, die Hafnergasse und die Falltorstraße als Einbahnstraßen auszuweisen.

Walter Leuze ist gekommen, um gemeinsam mit seiner Frau die Entwürfe in Augenschein zu nehmen. Die vorgeschlagenen Gestaltungen für den Kreissparkassen-Neubau samt Marktplatz findet der Mössinger ansprechend. „Man muss sehen, wie das Gesamtbild wird“, sagt Leuze – ob alle baulichen Elemente letztendlich harmonieren. Spannend werde noch, wie sich Parkhaus und KBF-Neubau einfügten. Der „Mordsklotz“, das Gesundheitszentrum, schränke den Marktplatz optisch schon ein. Man müsse aber eben auch immer von den Gegebenheiten ausgehen, so Leuze: „Man kann nicht ins Uferlose träumen.“

„Das ist doch keine Mitte, das hat ja ein Charme wie sonstwas!“, regt sich ein Entwurf-Betrachter auf. „Zu zweckmäßig, alles zu eng“, findet der Bästenhardter. Aber was ließe sich verbessern? „Ha, das weiß ich auch nicht“, räumt der ältere Herr ein. Darüber müssten sich schon Fachleute „ihre Akademikerköpfe zerbrechen“.

Ingrid Kübler-Eith findet auch: „Das ist doch keine Mitte.“ Eine solche brauche „einen Ruheplatz, an dem man sich wohlfühlen kann“. Dieser fehle. Mit dem Ärztezentrum mitten in der Stadt kann sich die Mössingerin nicht anfreunden: „Das ist eine Zumutung. Alles nur funktional, jeden Zentimeter ausnutzen.“ Auch das Parkhaus missfällt Kübler-Eith. Eine Tiefgarage fürs Gesundheitszentrum wäre besser gewesen und hätte Platz gespart, findet sie. Die angedachten Arkaden im Sieger-Entwurf sagen der Mössingerin zu.

Ein Ehepaar, das in der Berggasse wohnt, fürchtet Park-Chaos, wenn das Gesundheitszentrum erst einmal in Betrieb ist. Das Parkhaus sei da nur bedingt eine Lösung. „Es ärgert mich, dass die Klinik keine Stellplätze nachweisen muss“, sagt der „über 70 Jahre alte“ Mössinger. Man werde als Anwohner vor vollendete Tatsachen gestellt. Schon mehrfach hat das Paar wegen seiner Bedenken Kontakt mit der Stadtverwaltung aufgenommen.

„Mehr Platz für die Plätze“ wünscht sich eine 43-Jährige: „Das ist alles viel zu klein.“ Die Idee mit den Fontänen gefällt der Belsenerin gut: „Das ist in Dußlingen so toll, für die Kinder und für die Eltern. Da hält man sich gerne auf“ – und das fehle in der Mössinger Mitte ja gerade.

Joachim Seidel findet den Gewinner-Entwurf „schon sehr überzeugend“. Er werte das Ortsbild auf. Was ihm nicht gefällt, das ist „der Riesenkubus von der KBF“. Den sollte man seiner Meinung nach nicht so wuchtig gestalten, „ein bisschen zurückziehen“ – um dem gegenüberliegenden Marktplatz mehr Raum zu geben, sagt Seidel. Etwa für Angebote des Hofladens. „Das würde die Gestaltung freundlicher machen“, sagt der Bodelshäuser. Schön findet Seidel die Idee eines „Mössinger Höfle“, wie von einem Architekten vorgeschlagen, bei der Wohnen, Arbeiten und Kultur verbunden werden kann. Das erinnere ihn an die Hackeschen Höfe in Berlin.

Eine 78-jährige Mössingerin sähe es gerne, wenn eine Mischung der fünf Entwürfe umgesetzt würde. „Im Großen und Ganzen bin ich nicht ganz einig“, erklärt die Rentnerin. Natürlich habe zu dem Thema aber auch jeder eine andere Meinung. Ihr Vater war Architekt. Am Schlimmsten findet sie fürs Stadtbild das Gesundheitszentrum – „den Klotz, das zerreißt mich innerlich“. Alte Giebelhäuser, die noch da sind, schätzt sie. Gefreut hat sich die Mössingerin darüber, dass Bürger im Vorfeld die Möglichkeit bekamen, Ideen zur Innenstadtgestaltung zu äußern. „Dass im Endeffekt jemand darüber bestimmen muss, ist aber auch klar.“ Die Ecke Berggasse / Bahnhofstraße / Grabenstraße empfindet die 78-Jährige als „Schwierigkeit“. Sie beobachtet, dass der Verkehr dort immer mehr zunimmt; wenn erst das Ärztezentrum steht, werde dieser bestimmt auch nicht weniger. Gut gefällt der Mössingerin, dass „was für die Verweildauer“ gemacht werden soll, etwa in Form von Arkaden.

„Es ist wichtig, dass es überhaupt mal einen Ortskern gibt“, sagt Peter Schäfer. Einen Marktplatz mit Gastronomie findet er gut, weil das die Innenstadt belebt. Auch „was Grünes reinzubringen“. Wichtig wäre Schäfer außerdem Verkehrsberuhigung. Egal, welcher Entwurf umgesetzt wird: „Es sieht dann auf jeden Fall ansprechender aus, als es jetzt ist“, so der Mössinger. Falls Wasserspiele installiert werden, dann gibt es laut Schäfer „auch mal was für Familien und nicht nur zum Einkaufen“.

Jasmin und Aron Hagemann sowie Simon Bartel sind angetan von den Entwürfen „mit vielen Bäumen und Fontänen“. Toll finden es die Jugendlichen, dass die Stadtmitte verschönert wird – und dass sie „einen richtigen Kern“ bekommen soll.

„Venedig wird nimmer draus“, lacht ein 55-jähriger Öschinger. Weniger Mitte, als derzeit vorhanden sei, könne allerdings nicht herauskommen: „Deshalb ist es auch egal, welcher Entwurf realisiert wird.“

Was denken Bürger über die Entwürfe zur Mössinger Stadtmitte?

Was denken Bürger über die Entwürfe zur Mössinger Stadtmitte?

So stellt sich der Sieger des Stadtplaner-Wettbewerbs zur Mössinger Stadtmitte das künftige Zentrum vor: Die Bahnhofstraße, gesäumt von kleinen Bäumchen, verläuft vom oberen linken Bildeck nach rechts unten. Zur Rechten öffnet sich ein kleiner Platz vor dem trapezförmigen Gebäude des Gesundheitszentrums, das an seinen zwei zurückgesetzten oberen Stockwerken erkennbar ist. Auf der linken Seite der Bahnhofstraße ist im Modell das neue Gebäude der Kreissparkasse zu sehen, das die Bank dort plant. Charakteristisch sind die Arkaden, die sich nach Süden zur Bahnhofstraße öffnen, nach Osten zum Marktplatz, der mit der Falltorstraße zu verschmelzen scheint. Neu sind zwei der drei weiteren Gebäude auf dem Areal des Gesundheitszentrums. Beim Flachbau am unteren rechten Bildrand handelt es sich um das geplante dreigeschossige Parkhaus. Das Gebäude oberhalb, das sich zum Marktplatz hin öffnet, plant die KBF.

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08.08.2015, 12:00 Uhr

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