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Park- und andere Sünder

Was die Verkehrsschau ergeben hat

Schon gewusst, dass jeder ein „Anlieger“ sein kann? Deswegen würde das Landratsamt in der Kirchstraße kein „Anlieger frei“-Schild aufstellen. Überhaupt ist die Behörde recht zurückhaltend, wenn es um technische Lösungen geht, und empfiehlt ganz unbürokratisch: Rücksicht nehmen.

03.08.2012
  • Gabi Schweizer

Gomaringen. In der Menzelstraße nehmen Radler oft den Gehweg. Auf der Einfahrt in die Hinterweilerstraße komme es deshalb oft zu „brenzligen Situationen“, erfuhr die Gemeindeverwaltung. Kürzlich gab es sogar einen kleinen Unfall. Könnte nicht ein Spiegel Abhilfe schaffen? Nein, beschied das Landratsamt; denn ein solcher zeige weder Abstand noch Geschwindigkeit eines Fahrzeugs an, müsse überdies beheizt werden.

Reinhard Stengl fährt gern Rad und weiß genau, wo es in Gomaringen klemmt. Zum Beispiel in der Tübinger Straße, auf Höhe des Lidl-Supermarkts, wo sich Fußgänger und Zweiradfahrer dort, wo der Radweg auf den Gehweg trifft, in die Quere kommen können. Eine Halbschranke sei vorhanden, aber offen – und somit nutzlos. Die Gemeinde will die Schranke nun abschließen. Eine „Vorfahrtsregelung“ für Nichtmotorisierte will die Verkehrsabteilung des Landratsamts nicht treffen. Die Leute sollten Rücksicht aufeinander nehmen, heißt es statt dessen.

Nicht einmal Rettungsfahrzeuge kämen durch, so voll sei der Kirchenweg manchmal: Einen Anwohner stört nicht nur das – er werde auch ständig zugeparkt. „Im Rahmen unserer sachlichen und personellen Möglichkeiten kann der ruhende Verkehr durch das Landratsamt überwacht werden“, heißt es nun in der Stellungnahme. Soll heißen: Wenn mal Zeit ist, verteilen sie Knöllchen. Wenn Ausfahrten zugeparkt würden, könne man auch ein Foto machen und ans Landratsamt schicken – die Daten würden dann an die Bußgeldstelle weitergeleitet.

Immer wieder Falschparker – oder Leute, die ihre Karre ungeschickt hinstellen: Anwohner aus der Bach-, Kirch- und Olgastraße klagen darüber und Menschen, die beim Spielcasino in der Lindenstraße wohnen (viele Besucher bemerken offenbar nicht, dass die Spielhalle einen eigenen Parkplatz hat – der nun besser ausgeschildert werden soll). Besonders vertrackt ist das Thema bei der Buchhandlung Gustav. Halten ist dort eigentlich verboten, Halten zum Be- und Entladen aber erlaubt. Doch „belädt“ jemand sein Auto schon, wenn er ein Buch auf den Beifahrersitz legt? Das Landratsamt entschied pragmatisch: Von Verkehrsunfällen wisse man nichts, „eine Änderung der derzeitige Situation halten wir nicht für notwendig“.

In der Bach-, Olga- und Kirchenstraße beschwerten sich Anwohner über Raser. Ein mobiler Blitzer in der Bachstraße war nicht sehr ergiebig (ein Geschwindigkeitssünder in anderthalb Stunden), in der verkehrsberuhigten Kirchstraße umso mehr. 141 Fahrer bekamen Bußgeld-Briefchen – bei 761 registrierten Autos in 18,5 Stunden. Schneller als 30 war allerdings niemand unterwegs. Das Amt rät nun: ein zweites Schild aufstellen und im Amtsblatt an die Vernunft der Leute appellieren. Ein „Anlieger frei“-Schild ändere nichts an der Situation: „Das Straßenverkehrsrecht definiert den Anlieger – im Übrigen ebenso wenig wie den Anwohner – nicht.“

Könnte der Starenkasten in der Nehrener Straße in beide Richtungen blitzen? Nein, geht nicht, beschied das Landratsamt. Der Platz reicht nicht, direkt daneben verläuft noch eine kleine Straße, die einen „Schwenkbetrieb“ unmöglich macht. Dafür ist ortsauswärts immer mal wieder ein Messwagen unterwegs. Der ertappte in 57 Stunden 812 Geschwindigkeitssünder (bei insgesamt 21 316 Fahrzeugen).

Es muss eine recht einsame Verkehrsschau gewesen sein in diesem Jahr. Denn sowohl die Gemeinderäte als auch die Journalisten waren überrascht, als neulich davon die Rede war im Gemeinderat (und kürzlich nochmal im Bauausschuss). Da war der Termin schon lang vorbei. Eine Einladung hatten sie nicht bekommen. Ein Versehen auf dem Rathaus. Nächstes Jahr gibt es wieder eine Ankündigung, versprach Bürgermeister Steffen Heß darum – die Verwaltung schickte zur Entschädigung ein besonders ausführliches Protokoll samt Entschuldigung.

Einmal im Jahr ist Verkehrsschau in Gomaringen. Wer ein Anliegen hat, kann es davor der Gemeinde melden – dann schauen Rathaus-Angestellte und der Gemeinderat sich die fragliche Straßenstelle gemeinsam mit Verkehrsexperten vom Landratsamt an.

Allen kann man’s nicht recht machen. Probeweise hat die Gemeinde die Hohenzollernstraße / Steinachstraße sowie die Schillerstraße umgebaut, um Raser zu bremsen. Nun allerdings beschweren sich Bürger, sie müssten Slalom fahren. Bei der Verkehrsschau 2014 soll die Änderung auf den Prüfstand: Dann wird entschieden, ob sie bleibt.

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03.08.2012, 12:00 Uhr

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