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Miteinander macht den Ort attraktiv

Was ein „lebenswertes Ergenzingen“ ausmacht, diskutierten Vertreter örtlicher Vereine und Institutionen

Rund 100 Interessierte kamen am Donnerstag zu einer Podiumsdiskussion, in der über die künftige Entwicklung Ergenzingens angesichts wachsender Gewerbegebiete, des demografischen Wandels und dem Zuzug von Migranten geredet wurde.

25.10.2014
  • Dunja Bernhard

Ergenzingen. 4100 Einwohner hat Ergenzingen, darunter 518 Menschen aus 40 verschiedenen Nationen. Die einst geschlossene Dorfgemeinschaft müsse sich den Herausforderungen eines wachsenden Gewerbegebiets und dem Zuzug von Menschen mit anderen kulturellen Wurzeln stellen, sagte Claudia Hofrichter.

Wie die Zukunft eines „lebens-werten Ergenzingen“ aussehen kann, diskutierten Vertreter der Kirchen, Vereine, des Gewerbes und der Ortsvorsteher. Eingeladen hatten die Kolpingsfamilie Ergenzingen zusammen mit der evangelischen und katholischen Kirchengemeinde.

Was denn eine Gemeinde haben müsse, um „lebenswert“ zu sein wollte Moderatorin Birgit Reinke von zwei Auswärtigen wissen. „Gute Nachbarschaft, Grundversorgung und preiswertes Wohnen“, sagte Horst Haar, Mitglied der Landessynode. Für Walter Humm, Diözesanpräses des Kolpingwerks, zählen „Räume zur Mitgestaltung“ und „Offenheit“. Die gebürtige Ergenzingerin und Vorsitzende des Elisabethen-Vereins Hannelore Renz meinte, dass in Sachen Offenheit bei den Alteingesessenen durchaus noch Verbesserung möglich sei. „Eine Willkommenskultur für Neubürger wäre schön.“

Eine solche Willkommenskultur könnte laut Humm so aussehen, dass der Nachbar mit wachen Augen und Ohren auf die Zugezogenen zugeht und schaut, was sie brauchen. Einfach zu sagen, der eigene Verein werde schon der Richtige sein für den anderen, sei nicht die ideale Vorgehensweise. „Seinen Dialekt zurückzunehmen, damit das Gegenüber einen versteht, ist auch ein Schritt auf den anderen zu“, meinte Humm.

Längst kein Multikulti in allen Bereichen

Offenheit könne jedoch nicht verordnet werden, gab Ortsvorsteher Reinhold Baur zu bedenken. Gute Möglichkeiten Kontakt aufzunehmen, ergäben sich häufig über Kinder. Der Elisabethen-Verein etwa erreicht über sein Jugendprojekt auch die Eltern der Kinder. Außerdem verbindet er darüber Jung mit Alt.

„Multikulti“ funktioniere in Ergenzingen noch längst nicht in allen Bereichen, sagte Reinhold Baur. „Es gibt Menschen, die in ihren Kreisen bleiben.“ So sind die Mitglieder des Natur-und Vogelschutzvereins zu 99 Prozent „Ergenzinger Schwaben“. Bei der vom Verein organisierten Flurputzete seien jedoch auch viele türkischstämmige Bürger dabei gewesen, sagte der Vereinsvorsitzende Hans Peter Baur.

Eine Ghettoisierung könne städtebauliche Ursachen haben, sagte Horst Haar. Migranten würden häufig in alte Häuser im Ortskern ziehen, einheimische Familien in die am Rand liegenden Neubaugebiete. Eine Durchmischung wäre viel besser. „Wer im gleichen Haus wohnt, begegnet sich auch.“ Zu einem Miteinander könnten auch Straßenfeste beitragen.

Doch nicht nur durch Zuzug von außen verändert sich die Gesellschaft, sondern auch durch den demografischen Wandel. Ergenzingen biete einiges für ältere Menschen, sagte der Ortsvorsteher. Es gibt zwei Einrichtungen für Wohnen im Alter, eine Demenzgruppe, Spiele-Nachmittage und verschiedene Dienste, die der Elisabethen-Verein anbietet. Zur Zeit hat der Verein sogar mehr Ehrenamtliche, als Dienste nachgefragt werden. Es bestehe noch immer eine Hemmschwelle, um Unterstützung zu bitten, sagte Hannelore Renz. „Früher hat die Familie ausgeholfen.“

In 20 Jahren werde der Pflegebedarf nicht mehr von Hauptberuflichen abzudecken sein, prognostizierte Horst Haar. Zu den Seniorenwohnheimen, die es mittlerweile in fast jedem Ort gibt, werden offene Wohnformen hinzukommen müssen. „In sogenannten Lebenshäusern wohnen mehrere Generationen zusammen und helfen sich gegenseitig.“

Attraktiver Ort lockt Arbeitskräfte

Auch die Gewerbebetriebe am Ort sind an einem lebenswerten Ergenzingen interessiert. „Von der Attraktivität des Ortes hängt es ab, ob Arbeitskräfte bereit sind herzukommen und zu bleiben“, sagte Jürgen Kleiner, Vorstandsmitglied der Firma Bitzer. Der Hersteller von Kühlmaschinen engagiert sich in sozialen und sportlichen Projekten und kooperiert mit Schulen.

Gewerbegebiete und intensive Landwirtschaft auf der einen und Naturschutz auf der anderen Seite widersprächen sich nicht, sagte Hans Peter Baur. Ein lebendiger Ort brauche Arbeitsplätze und Infrastruktur Eine abwechslungsreiche Landschaft sei trotzdem möglich, wie das seit 20 Jahren bestehende Biotopverbundkonzept zeige. Dezentrale Arbeitsplätze, die eine tägliche Fahrt in Ballungsgebiete überflüssig machten, trügen auch zum Umweltschutz bei, sagte Reinhold Baur. Kurze Wege wünschen sich die Ergenzinger auch bei der Volkshochschule. Deshalb wollen sie eine eigene mit Angeboten aus dem und im Ort.

Beziehungen zwischen verschiedenen Institutionen und vor allem zwischen Menschen machen einen Ort lebenswert, zog Pfarrer Klaus Rennemann seine Bilanz des Abends. Diözesanpräses Humm merkte an, dass dem Abend die Stimmen der Migranten gefehlt hätten. Seine Frage, ob die denn ausreichend über den Termin informiert worden seien, blieb unbeantwortet.

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25.10.2014, 12:00 Uhr

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