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Entwicklungshilfe

Was hilft – und was nicht?

Jährlich fließen viele Milliarden Dollar in Form von Hilfsprojekten und Spendengeldern in Entwicklungsländer, trotzdem scheinen das Elend und die Not auf dieser Welt nicht nachzulassen.

26.06.2012
  • Kerstin Strey, 17

Seit die Entwicklungshilfe nach dem Ende des Kalten Krieges erstmals aufkam, wird über ihre Wirksamkeit diskutiert. Vor allem stellt sich die Frage, wie Hilfsgelder am effizientesten eingesetzt werden können. Die „Grundbedürfnisstrategie“ der 1970er-Jahre findet heute kaum noch Zulauf. Vielmehr wird auf das Konzept der Nachhaltigkeit gesetzt. Doch auch hier fehlt es an Studien und Effektivitätsforschung.

Dient der Bau von Gewächshäusern in Nordkorea wirklich dem Volk oder dem Diktator? Besuchen tatsächlich mehr Kinder in Kenia die Schule, wenn ihre Eltern dafür bezahlt werden? Und was überhaupt motiviert arme Menschen am meisten? Ist es wirklich das Geld oder vielmehr soziale Anerkennung? Die „Randomistas“, eine Gruppe von weltweit anerkannten Ökonomen, widmen sich derartigen Fragen und prüfen mit Hilfe komplizierter Zufallsexperimente, welche Maßnahmen in der Entwicklungshilfe effektiv sind. Wer hätte gedacht, dass nicht kostenlose Mahlzeiten oder Zahlungen an die Eltern den Schulbesuch in Kenia am wirkungsvollsten steigern, sondern Wurmmittel?

Obwohl viele Länder der Dritten Welt dank Hilfsgeldern ihre Schulsysteme gut ausbauen konnten, beherrschen zum Beispiel 62 Prozent der Schulkinder in Indien nach fünf Jahren einfachste Rechenaufgaben nicht. Es fallen schließlich auch die Hälfte aller Stunden aus, da die Lehrer fehlen, wie Untersuchungen der Randomistas ergaben. Keiner kontrolliert ihre Anwesenheit, außerdem müssen viele sich ihren geringen Lohn mit einer weiteren Tätigkeit aufbessern. Dies ist eins von vielen Beispielen für an Effizienz mangelnde Umsetzung von Projekten.

Der kenianische Ökonom James Shikwati forderte sogar die komplette Einstellung der Entwicklungshilfe an Afrika. Sie sei einer der Gründe für Afrikas Probleme. Das Einmischen der westlichen Länder würde die Herausbildung einer privaten Wirtschaft stark behindern, da sich zum Beispiel kein Unternehmergeist entwickle. Abgesehen davon würde ein großer Teil der Entwicklungshilfe von korrupten Eliten missbraucht. Dies ist auch ein großer Kritikpunkt an der Katastrophenhilfe: Die Verteilung von Hilfsgütern erfolgt meist aufgrund machtpolitischer Strukturen. Hierbei darf nicht vergessen werden, dass viele der Probleme, die Entwicklungsländer heute haben, erst durch die ehemaligen westlichen Kolonien entstanden sind, durch die gewachsene Strukturen zerstört und zum Teil durch westliche Modelle ersetzt wurden. Könnten wir es wirklich verantworten, den ärmeren Teil der Welt sich alleine zu überlassen, während wir uns um unsere eigenen „Luxusprobleme“ kümmern?

In jedem Fall sollten wir uns über die Komplexität der Welt und ihrer Probleme, aber auch über die Verantwortung, die wir ihr gegenüber tragen, bewusst sein. Spenden alleine macht diese Welt nicht zur besseren; wer dazu befähigt ist, sollte zum Beispiel auch darauf achten, dass die Lebensmittel, die er kauft, fair gehandelt sind. Denn auch wir sind mit unserem täglichen Konsumverhalten in die Probleme der Entwicklungsländer verwickelt. Armutsbekämpfung ist eine wichtige Frage des 21. Jahrhunderts, und sie ist nicht einfach zu lösen. Hier bedarf es Forschung, Initiative und sehr genauer Planung in der Umsetzung. Der gute Wille alleine hilft leider nicht.

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26.06.2012, 12:00 Uhr

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