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Was nun, Herr Gabriel?
Sigmar Gabriel bleibt dabei: Der Zeitplan wird eingehalten. Foto: dpa
SPD

Was nun, Herr Gabriel?

Nach Angela Merkels Ankündigung, 2017 erneut zu kandidieren, wächst der Druck auf die SPD, ihrerseits die Kandidatenfrage zu klären. Doch Parteichef Sigmar Gabriel will noch warten.

22.11.2016
  • GUNTHER HARTWIG

Berlin. Eine perfekte Inszenierung ist der Bundeskanzlerin da am Sonntag gelungen. Erst eröffnet Angela Merkel der CDU-Führung, dass sie zum vierten Mal als Spitzenkandidatin der Union bei der Bundestagswahl antreten will, dann geht sie mit dieser nicht mehr überraschenden Nachricht vor die Presse, und schließlich ist TV-Talklady Anne Will bereit, zu bester ARD-Sendezeit ein paar spannungsfreie Fragen an ihre bewährte Gesprächspartnerin zu stellen.

Schwer für die SPD, diese medienstrategische Meisterleistung Merkels zu toppen. Wahrscheinlich ist es daher klug, erst gar nicht den Versuch zu machen. Also tun die Genossen so, als könne sie weder die Erklärung der Kanzlerin selbst noch der schwarze Schlagzeilenwirbel („Merkel wird Kohl“) sonderlich beeindrucken. SPD-Boss Sigmar Gabriel hatte ja am Samstag schon die Gewissheit ausgestrahlt, dass die Kanzlerin natürlich bei der Stange bleiben werde.

Deshalb ist es für die Mitglieder von Präsidium und Vorstand der SPD kein Wunder, dass Gabriel sie am Montag vergattert, bei dem verabredeten Verfahren zu bleiben und erst Anfang des nächsten Jahres über die K-Frage zu entscheiden. „Wir sind nicht in Zugzwang“, bekräftigt der Vizekanzler und erhält Zuspruch gerade auch aus den Landesverbänden. Martin Dulig, der sächsische SPD-Vorsteher, rät zu „Gelassenheit“. Bremens Bürgermeister Carsten Siering: „Das wird alles geordnet ablaufen.“

Bei einem Blick zurück kommen daran mindestens Zweifel auf. Das letzte Mal gelang den Sozis eine einigermaßen selbstbestimmte Kandidatenkür 1998, als Parteichef Oskar Lafontaine nach der Niedersachsen-Wahl zugunsten seines Rivalen Gerhard Schröder verzichtete – mit Erfolg. Dagegen verlief Peer Steinbrücks Bewerbung vor vier Jahren alles andere als planmäßig, und SPD-Vize Ralf Stegner warnt jetzt: „Eine solche Sturzgeburt darf es nicht wieder werden.“

Skeptiker in der Parteiführung aber finden ein Festhalten am Zeitplan problematisch und riskant zugleich. An einer baldigen Klärung haben offenbar auch die potenziellen Koalitionspartner der SPD, Linkspartei und Grüne, ein lebhaftes Interesse. Jürgen Trittin, 2013 Spitzenkandidat der Grünen, lästert: „Zu klären ist für die SPD ja bloß noch die Vizekanzlerkandidatur.“

Unbestritten ist, dass Martin Schulz, Präsident des Europa-Parlaments, starkes Interesse an der Spitzenkandidatur hat – sofern Gabriel verzichtet. Jedenfalls scheint sicher, dass andere Namen als Gabriel oder Schulz nicht mehr im Rennen sind. Für Gabriel spricht im Moment mehr als für Schulz, nachdem der SPD-Boss zuletzt Erfolge verbuchte: das Ja des Parteirats zu Ceta, den positiven Ausgang im Kampf um eine Lösung für Kaiser's Tengelmann, schließlich der Coup der Kandidatenkür für den Bundespräsidenten. Gunther Hartwig

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22.11.2016, 06:00 Uhr

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