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Was sagen Menschen aus dem Steinlachtal dazu?
Exotische Haustiere

Was sagen Menschen aus dem Steinlachtal dazu?

Ein Känguru büxte kürzlich in Mössingen aus und wurde in Talheim wiedergefunden. Was sagen die Bewohner/innen des Steinlachtals zur Haltung exotischer Haustiere? Das TAGBLATT ging auf Stimmenfang.

25.08.2012
  • Amancay Kappeller

Mössingen. Känguru, Löwe, Lama oder Vogel Strauß: Beheimatet sind diese Tierarten bekanntlich in weiter Ferne. Aber auch im Steinlachtal tummelt sich oben genanntes fremdländisches Getier: Exotische Haustiere scheinen in Zeiten, in denen man diese sogar übers Internet „ordern“ kann, zu boomen. Tierschützer sehen dies kritisch – zu ihnen gehört auch Hilde Hahn von den Mössinger Tierfreunden. Zum Glück habe der Verein mit exotischen Tieren nichts zu tun. Aber: „Manche Leute kommen auf komische Ideen“, findet die Vorsitzende.

Auch im Talheimer Vogelschutzzentrum bleibt man weitgehend verschont davon, sich um Piepmätze aus fernen Ländern kümmern zu müssen: Äußerst selten komme es vor, dass exotisches Federvieh dort lande, erklärt Julia Eberspach, die im Vogelschutzzentrum ein Freiwilliges Ökologisches Jahr absolviert. Ein Nymphensittich kam kürzlich dort unter.

Exotische Haustiere – „das braucht´s nicht“, so die Meinung von Gudrun Maier-Zeise. Dabei möchte die Katzenbesitzerin nicht alle fremdartigen Tiere über einen Kamm scheren: Die Haltung von Straußen und Lamas etwa findet sie in Ordnung – sofern dies artgerecht geschieht.

Doris Schauer findet es unmöglich, dass sich manche Leute exotische Haustiere anschaffen. Schließlich gebe es genug Haustiere, die auch hier heimisch seien. Zu Hause hat sie eine Katze, „und das ist exotisch genug“, so Schauer schmunzelnd.

Auch Bernhard Traub kann der Haltung fremdländischer Tiere nichts abgewinnen. Wenn überhaupt, gehörten diese in den Zoo, so der Rentner. Im eigenen Heim könne man diese gar nicht artgerecht halten. Arthur Adamtschik sieht das genauso: „Solche Tiere sollten in der Natur leben“.

Felix Wagner vom Tierheim Tübingen weiß zu berichten, dass dort ab und an exotische tierische Kreaturen landen: Bartagamen, Geckos, Wasserschildkröten oder seltene Stubenvögel wie Bergsittiche, Grauastrilde oder Amadinen, eine Prachtfinkengattung. Fund-Schlangen würden immer gleich an Spezialisten weitervermittelt, sagt Wagner. Das Problem bei der Haltung exotischer Tiere sei, dass es meistens an Fachwissen mangele. Geckos, Echsen oder auch Schildkröten können nach Wagners Meinung in einem ausreichend großen Terrarium mit entsprechender Temperaturregelung und bei guter Pflege und angemessenem Futter aber durchaus auch artgerecht gehalten werden. Auf jeden Fall aber müssten die Halter aufpassen, dass ihre Exoten nicht abhauen: „Das wird gerne unterschätzt“, so Wagner.

Tim Real und sein Bruder sind stolze Besitzer dreier Streifenbasilisken, auch Jesusechsen genannt: Günther, Lieschen und Jacky. Vor der Anschaffung der neuen Mitbewohner hat sich der Schüler aus Belsen ganz genau darüber informiert, wie diese zu halten sind. Temperatur, Licht, Lebendfutter wie Würmer oder Heuschrecken – alles muss stimmen, darauf achtet der Fünfzehnjährige ganz genau. Derzeit baut der Gymnasiast gemeinsam mit seinem Vater ein (noch) größeres Terrarium.

Tim Müller findet exotische Haustiere „eigentlich ganz cool“. Dass diese so gut wie immer mit weniger Platz als in freier Wildbahn auskommen müssen, weiß der Grundschüler natürlich; „bei Kaninchen ist das aber auch so, und die sind nicht exotisch“. Gerne hätte Tim eine Bartagame, ein Schuppenkriechtier, das aus Australien stammt. Dagegen haben allerdings die Eltern „so einiges“. Deshalb muss der Grundschüler derweil damit vorlieb nehmen, das eine oder andere exotische Tier bei Freunden zu bewundern: Der eine hat eine Vogelspinne, der andere eine Schlange.

„Bartagamen sind gerade sehr beliebt“, weiß Annette Braun-Kern, Mitarbeiterin eines Mössinger Zoo-Fachgeschäfts. Wer dort ein exotisches Tier kauft – im Angebot sind neben Vogelspinnen, Regenbogenboas und Milchnattern auch Geckos, Landschildkröten, Stabheuschrecken und ein Jemenchamäleon – wird auch darüber beraten, was für die Haltung benötigt wird. Das Exotischste, was die Aquarien „hergeben“, sind Axolotls, grau-braun oder in der Albino-Variante, sagt Braun-Kern: mexikanische Schwanzlurche, die an Urzeittiere erinnern.

Monika Winter ist von exotischen Haustieren „nicht begeistert“. Deren Haltung befürwortet die Rentnerin keinesfalls. Kristina und Gerrit Janasek haben selbst keine Haustiere; die Mössinger sprechen sich strikt gegen die Haltung fremdländischer Tiere aus: „Eine artgerechte Haltung kann da ja gar nicht gewährleistet werden.“ Sie tue sich ja schon schwer, wenn beispielsweise Hasen eingesperrt würden, sagt Kristina Janasek.

Kurt Buck möchte bei sich zu Hause insbesondere keine Reptilien haben. Die Haltung „so richtig exotischer Haustiere“ findet er „unverantwortlich, eine Quälerei“. „Ein Krokodil für den Kräutergarten, soweit kommt’s noch“, urteilt Buck. Auch Helga Hoffmann macht einen großen Bogen um Schlangen und Spinnen – solches Getier ist ihr nicht geheuer. Schon alleine deshalb würde sie sich keinen exotischen Mitbewohner ins Haus holen.

Gudrun Nill ist grundsätzlich gegen die Haltung exotischer Haustiere: Ihrer Meinung nach können diese hierzulande gar nicht entsprechend ihrer Natur gehalten werden. „Viele sehen kuschelig aus, es sind aber nichtsdestotrotz Wildtiere.“

Bild: Fotolia / Pixel Memoirs

Ein Känguru hüpfte neulich durch Talheim – die Australier sind nicht gerade häufig in Privatgärten vertreten. Andere Exoten schon, viele werden sogar übers Internet verkauft. Tierschützer kritisieren das: Sie seien gar nicht artgerecht zu halten. Meldepflichtig sind vor allem als gefährlich geltende Tiere, ebenso geschützte Tierarten.

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25.08.2012, 12:00 Uhr

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