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Was schafft eigentlich … Hans H. Pfeifer

Hans H. Pfeifer war Bürgermeister, Oberbürgermeister, selbstständiger Berater und als City-Pfeifer bekannter Citymanager in der Stuttgarter Innenstadt. Jetzt, seit einem Jahr im Ruhestand, findet er mehr Zeit für seine Leidenschaft, die Kommunalpolitik. Im Stadtrat seiner Heimatstadt Stuttgart ist er stellvertretender Vorsitzender der SPD- Fraktion. Und da gibt es noch ein paar Ehrenämter mehr.

24.10.2014
  • TEXT Und Foto : Hannes Kuhnert

Hans H. Pfeifer sitzt im Weindorf in Stuttgart, keine 100 Meter von der Rathaustür entfernt und nippt an seinem Trollinger. Er wird oft gegrüßt, man kennt ihn. Pfeifer genießt es. Ein Mann vom Ordnungsdienst schüttelt ihm die Hand: „Alles klar?“ – „Nicht alles…“ sagt der Mann in grüner Uniform. Am Morgen hätte der Reinigungsdienst nicht so geklappt. Pfeifer nickt teilnahmsvoll und bekümmert. Für einen Moment hatten beide Männer vergessen, dass Pfeifer das alles ja gar nichts mehr angeht. Er ist im Ruhestand.

Im September vergangenen Jahres 65 geworden, hat er einen Monat später seinen Dienst quittiert. 13 Jahre war er City-Manager in Stuttgarts Innenstadt. 13 erfüllte, unbestritten erfolgreiche Jahre, wie ihm bei seinem Abschied vielfach versichert wurde. Jetzt ist Schluss. Ohne Träne im Knopfloch, denn: „Ich habe mein Ende ja selbst bestimmt“.

Nein, er hatte sich nicht vor dem Ruhestand gefürchtet, und nein, er ist nicht ins Rentnerloch gefallen. Dazu hatte er auch gar keine Zeit: „Mit Ende meiner Erwerbstätigkeit gingen die Haushaltsberatungen los“. Als stellvertretender Vorsitzender der SPD-Fraktion im Stadtrat der Landeshauptstadt Stuttgart und Mitglied im Wirtschaftsausschuss war seine kommunalpolitische Erfahrung gefragt. 30 Stunden pro Woche gehen gut drauf für das Ehrenamt im Stadtrat. Zugegeben, neben seiner Arbeit als City-Manager war das „schon ein bissle viel. Aber es macht noch immer unheimlich Spaß“. Seit über 40 Jahren treibt er sich in der Kommunalpolitik herum. „Ein spannendes Politikfeld, mit sehr viel konkretem Tun und schnellem Feedback vom Bürger“. Pfeifer war fast zehn Jahre Bürgermeister in Bad Boll, dann acht Jahre Oberbürgermeister in Freudenstadt, war Mitglied in Kreistagen und sitzt seit 2009 im Stadtrat von Stuttgart. In der Kommunalpolitik hat Pfeifer also beide Seiten des Schreibtischs kennen gelernt, weiß wie die Verwaltung tickt, weiß wie ein Gemeinderat reagiert. Heute kann er zuweilen den Kopf darüber schütteln, wie einige Stadtratskollegen mit der Verwaltung umspringen: „Manche unterstellen der Verwaltung nur Böses. Dabei will die immer nur so gut sein, um dem Gemeinderat noch eins draufzusetzen.“

Das Team bestand hauptsächlich aus Pfeifer

Als er in Freudenstadt eine zweite, absolut sichere Kandidatur ausschlug, machte der Verwaltungsmann Pfeifer in der freien Wirtschaft eine gänzlich neue Erfahrung. Er bildete sich weiter und war von 1995 bis 2000 selbständiger Berater mit der von ihm gegründeten Firma Pfeifer & Team mit Sitz in Freudenstadt, wobei das Team hauptsächlich aus Pfeifer bestand. Er machte sich landesweit einen Namen als Berater von Firmen, Gemeinden und Touristikbüros, entwarf Konzepte, leitete mittelfristige Entwicklungsprozesse und Klausurtagungen an Wochenenden.

Es war diese Dreierkombination: Einerseits Verwaltungsmann, andererseits im Land bekannt und drittens in der Wirtschaft erfahren, die ihm seine neue Aufgabe bescherte. Erster Geschäftsführer der CIS, City-Initiative Stuttgart. Die war gerade erst gegründet worden, eine Vereinigung aus 200 Händlern, Banken, Diensleistern, Gastronomen und Vereinen mit dem Ziel, in die verschlafene Stuttgarter Innenstadt mehr Leben zu bringen. „Der Job war zu 150 Prozent wie für mich geschaffen“, blickt Pfeifer zurück.

Einkaufen in Stuttgarts Innenstadt, so sein Credo, sollte zu einer vergnüglichen Sache werden, die City-Atmosphäre sollte „zu Lustausgaben verführen“. Dies ist ganz offensichtlich gelungen. Seinen Spitznamen „City-Pfeifer“ trägt er mit dem gleichen Stolz, mit dem er davon berichtet, dass Stuttgarts Innenstadt innerhalb seiner 13 City-Pfeifer Jahre zur deutschen Großstadt mit der dritthöchsten Fußgängerfrequenz geworden ist. „Lebendig, freundlich, offen, trendig, Anziehungspunkt für Stuttgarter, die Region und den Tourismus“, sagt Pfeifer über seine Heimatstadt.

„Bin wieder hier in meinem Revier“

Er sei halt Stuttgarter mit Leib und Seele, bekennt er: „Als ich nach 18 auswärtigen Jahren an meinem ersten Arbeitstag als City-Manager in die Stadt runtergefahren bin, wurden mir schon die Augen feucht: ‚Ich bin wieder hier - hier in meinem Revier‘ ging’s mir durch den Kopf.“Jetzt also „nur“ noch Stadtrat? Von wegen. Hans H. Pfeifer ist immerhin Schatzmeister im „Verein sicheres&sauberes Stuttgart. Und da versteht er keinen Spaß. Was sich so anhört wie der Kleinsiedler- und Schrebergartenverein ist eine Gemeinschaft, die lästige Themen anpackt. Kriminalprävention an der Basis, Basketball mit Ausländerkindern um Mitternacht, pädagogisches Theater, Let’s putz-Aktionen. Es gibt ein weites Feld zu beackern und keinen Beifall dafür.

Spannend und schön nennt Pfeifer seine ehrenamtliche Aufgabe im Vorbereitungsteam für den evangelischen Kirchentag 2015 in Stuttgart. Da kann er sein ganzes Wissen im Festlesmachen einbringen. Zum „Abend der Begegnung“ bei der Auftaktveranstaltung werden rund 100 000 Besucher erwartet. Eine logistische Herausforderung ersten Ranges.

Kürzlich wurde Hans H. Pfeifer in den Ehrenrat des VfB Stuttgart berufen, in den Club der honorigen Männer des Bundesligavereins. Eigentlich hatte es ja ein wenig anders ausgesehen. Pfeifer war in der letzten Runde der Kandidaten für das Präsidentenamt seines Lieblingsvereins. Das hätte er „für eine Übergangszeit“ schon ganz gern ausgefüllt, unter bestimmten Konstellationen, versteht sich. Dann änderten sich die Konstellationen und Pfeifer wurde nicht gewählt. Er trägt’s – wie er sagt – ohne Verbitterung und mit großer Erleichterung. Das Amt hätte ihn ja schon gereizt, aber die Opfer wären groß gewesen. „Ich hätte alles, auch den Stadtrat, aufgeben müssen“. Dort kann er jetzt noch eine Weile mitmischen, ausgestattet mit einem hervorragenden Wiederwahlergebnis. Der demografische Wandel, die Nahversorgung außerhalb der Innenstadt, machen ihm echte Sorgen, werden zur einer der wichtigsten Aufgaben des Gemeinderats orakelt er: „Da geht es um rund 120 000 Menschen, deren Versorgungsgrad zunehmend zu wünschen übrig lässt“.

Der Rentner belebte seine Firma „Pfeifer & Team“ wieder und fährt sie auf Schmalspur mit Beratungen, Seminare etc. Er reist viel, liest viel, kocht leidenschaftlich, hängt schon mal Wäsche auf oder mäht den Rasen im Garten des Eigenheims in Vaihingen. Dort lebt er mit seiner Frau Karin, einer viel beschäftigten Supervisorin und Heilprakterin für Psychotherapie. Und beide freuen sich über die Karrieren der drei erwachsenen Kinder. Seinem Sport ist Pfeifer trotz aller Aktivitäten immer treu geblieben. Noch immer schwimmt er lange Strecken, fährt im Winter Ski, hat gerade zum 37. Mal das Sportabzeichen abgelegt und spielt Tennis in der Seniorenstaffel, wenn ihn die Zipperlein nicht zu sehr plagen. „Mir geht es saugut“, sagt Hans H. Pfeifer und nimmt einen tiefen Schluck aus dem Trollingerglas.

Was schafft eigentlich … Hans H. Pfeifer
Im Stuttgarter Weindorf, nur wenige Schritte vom Rathaus entfernt, am helllichten Mittag einen Trollinger schlotzen: Diese Zeit könnte sich Hans. H. Pfeifer als 66-jähriger Rentner eigentlich öfter nehmen. Aber es gibt noch so viel tun. Vorwiegend ehrenamtlich.

Politische Tätigkeiten:
1974 – 1983 Bürgermeister in Bad Boll
1984 – 1992 Oberbürgermeister in Freudenstadt
1979 – 2001 Mitglied der Kreistage Göppingen und Freudenstadt
seit 2009 Mitglied des Gemeinderats der Landeshauptsstadt Stuttgart und stellvertretender Fraktionsvorsitzender
Wirtschaftliche Tätigkeiten:
1995 – 2000 Selbstständiger Berater mit Pfeifer & Team
2000 – 2013 Citymanager in Stuttgart und bundesweit tätiger Referent für Handels- und Stadtentwicklungsthemen
seit 2014 wieder Pfeifer & Team
Ausbildung:
Diplom-Verwaltungswirt (FH)
Kompaktstudium Systemmarketing Hochschule St.Gallen/CH
Zahlreiche Fortbildungen als Moderator und Coach
ehrenamtliches Engagement:
SPD-Stadtrat in Stuttgart
Mitglied im Ehrenrat des VfB Stuttgart
Schatzmeister des Vereins sicheres & sauberes Stuttgart
Mitglied der Projektgruppe zur Vorbereitung des Ev.Kirchentages in Stuttgart
Kuratoriumsmitglied in eva`s Stiftung der Evang. Gesellschaft

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24.10.2014, 12:00 Uhr

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