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Was schafft eigentlich . . .Walter Trefz?

Walter Trefz war Förster, Gemeinderat und Kreisrat, BUND-Vorsitzender, Mitglied zahlreicher Organisationen rund um Ökologie, Waldbau und Jagdwesen. In seinem Ruhestand macht der 76-Jährige, so glaubt er, „eigentlich das Gleiche weiter, nur mit sehr viel mehr Gelassenheit“.

22.05.2015
  • TEXT und FOTO: Hannes Kuhnert

Ein langes Berufsleben lang ist Walter Trefz in sein Revier in den Wald gegangen wann immer es ihm möglich war. Jetzt, im Ruhestand, ist sein Garten sein Revier. Ringsum von hohem Wald umgeben, ohne Zaun, herrlich verwildert. Reh und Fuchs, Igel, Kauz, Krähen, Kreuzotter und manch anderes Getier „besuchen“ ihn, meist nachts, in seinem neuen Revier. „Und statt Bock und Sau wie früher im großen Revier da draußen jage ich jetzt Wühlmäuse und Schnecken“, lacht Trefz. Sein umgepflügter Rasen im Garten zeigt, dass ihm bislang bei der Wühlmausjagd das rechte Waidmannsglück noch abgeht.

Walter Trefz (76), war 35 Jahre lang Förster im Freudenstädter Stadtwald, den größten Teil davon im Stadtteil Kniebis auf knapp 1000 Höhenmetern; ein Revier, das er geprägt hat und das ihn prägte. Als er am letzten Tag des vergangenen Jahrtausends als Forstoberamtsrat in den Ruhestand trat, raunte man sich zu, seine Personalakte in der Forstdirektion Karlsruhe fülle zwölf Aktenordner. Davon weiß Trefz nichts, wohl aber, dass seine Akte 1200 Seiten zähle. Darin stand sicherlich nicht, dass er wenige Tage nach seiner Pensionierung noch ein Jahr lang für Gotteslohn seinen Forstkollegen half, die schlimmsten Wunden zu heilen, die Orkan „Lothar“ in den Schwarzwald geschlagen hatte. Die Akte hielt viel mehr Trefz‘ schließlich erfolgreichen Feldzug gegen das Einsetzen von giftigen Spritzmitteln im Wald fest, der in einem gewonnenen Prozess gegen seinen Arbeitgeber, das Land Baden-Württemberg, endete. Oder dass er sich erdreistet hatte, bei einer Demonstration gegen das Waldsterben die Förster-Uniform zu tragen, nicht aber bei der Arbeit im Wald.

Die Fachwelt im Land schätzt Trefz als einen Experten für ökologischen Waldbau, einen aus der Praxis kommenden Fachmann, dessen Stimme gehört wird. Auch die Medien mögen ihn. Nicht nur wegen seines rauschebärtigen Waldschrat-Images, mit dem er zuweilen kokettiert, sondern weil er etwas zu sagen hat. Sein gesunder, schlitzohriger, gutmütiger Humor überdeckt – nicht immer erfolgreich – seine Dick- und Querschädeligkeit, mit der er ausdauernd seine Überzeugung darzulegen und durchzusetzen weiß, mit der er Bürgermeister, Landräte, beamtete Würdenträger und Politiker an den Rand der Verzweiflung trieb. Und doch war Walter Trefz nie ein Quertreiber und ist es jetzt, bereichert um die Weisheit und Gelassenheit des Alters, schon gar nicht. Er ist eher ein Visionär, der es in jüngeren Jahren meisterlich verstand, seinen Visionen auch auf ungewöhnlichen Wegen Raum zu geben. So einer, dazu noch beamtet, muss über kurz oder lang bei Vorgesetzten anecken.

Mensch und Natur als gleichwertige Partner

Verhältnismäßig früh hat der junge Forstmann erkannt, dass Mensch und Natur voneinander abhängen, sich als gleichberechtigte Partner verstehen müssen. Das gewissenlose Ausbeuten der Natur müsse ein Ende haben, der Mensch müsse sich darauf besinnen, wie er seiner Umwelt etwas Gutes tun kann, müsse seinen Partner Umwelt fragen: „Was muss ich tun, damit es dir gut geht?“ Er dürfe nicht nur danach schauen, was er vom Wald bekommen kann. Diese Überzeugung predigt Trefz nicht missionarisch, sondern er lebt sie. Und das macht ihn so glaubwürdig. Sie wurde nicht zuletzt ausgelöst Ende der 70-er Jahre, als – ausgehend aus dem Erzgebirge – das ebenso böse wie falsche Wort vom „Waldsterben“ die Runde machte. Der kranke Wald schreckte Forstleute und Politiker auf. In Freudenstadt gründete sich um Walter Trefz eine „Aktionseinheit gegen das Waldsterben“, die in Kongressen mit internationalen Wissenschaftlern nach Lösungen suchte und Strategien entwickelte. Dem kranken Wald wurde in Freudenstadt mit einem gespaltenen Zapfen ein hölzernes und damit auch vergängliches Denkmal gesetzt. In einem „Patenwald“ daneben wurde jedem der über 500 Bundestagsabgeordneten mit einem Namenstäfelchen ein eigener Baum gewidmet. In der bundesdeutschen Wahrnehmung verlagerte sich das „Waldsterben“ in den Schwarzwald und nach Freudenstadt. Provozierende Aktionen wie das Aufstellen einer vergilbten Fichte anstelle eines grünen Maibaums, Kundgebungen, Demonstrationen und mehr machten Schlagzeilen, mobilisierten Fernsehteams, füllten weitere Seiten in Trefz Personalakte in Karlsruhe. Dort wusste man anfangs noch nicht so recht, wie Behörden mit dem Begriff „Waldsterben“ umgehen sollten.

Dabei war in Freudenstadt – ebenfalls unter kräftigem Anschub von Trefz – eine ganz andere Entwicklung im Gange. In der Touristenstadt hatte man sich auf die Erkenntnisse von Stadtschultheiß Alfred Hartranft (1877 bis 1919) und Forstmeister Albert Grammel besonnen, die Anfang des 20. Jahrhunderts den Wert des Waldes als Erholungsort erkannten. Die Touristen aus Großstädten suchten frische, gute Luft. Für sie wurde der Wald nach Vorgaben der städtischen Waldinspektion umgewandelt zum Parkwald, einem naturnahen mächtigen „Märchenwald“ mit starken Tannen und jungen Waldbäumen dicht dabei. Gepflegte Wanderwege mit Sitzbänken, Schutzhütten und Brunnen gehörten dazu. Winterliche Skiwanderungen, von Förstern geführt, später ein Netz von Langlaufloipen, von Förstern gespurt, waren beispielgebend für das ganze Land. Heute schmunzelt Walter Trefz: „Erst sehr viel später erkannten wir, dass diese Form der Waldbewirtschaftung, auch Dauer- oder Plenterwald genannt, die schonendste und die wirtschaftlichste Art war“.

Das ökologische Gewissen im Gemeinderat

Es konnte nicht ausbleiben, dass sich die Aktiven aus der Aktionseinheit auch in der Kommunalpolitik engagierten. 30 Jahre war Trefz mit das ökologische Gewissen des Gemeinderats, vertreten in den Reihen der Bürgeraktion, einer Gruppe, die sich für ein liebenswertes Freudenstadt und den Erhalt des Gewachsenen einsetzt. Für die Grünen sitzt er noch heute im Kreistag und im Regionalrat. Er ist in der Arbeitsgruppe „Wald“ im BUND und schiebt Mahnwachen gegen Atomkraftwerke. Geschult in Seminaren, Kongressen, Exkursionen, wird sein in der Praxis gesammeltes Fachwissen immer wieder von verschiedenen Einrichtungen gesucht.

Als im vergangenen Jahr der Nationalpark im Schwarzwald eingerichtet wurde, fand er in Trefz einen leidenschaftlichen und überzeugten Förderer. Er geht mit Schulklassen in den Wald, versucht die Kinder mit seiner Begeisterung über die Wunderwelt der Natur anzustecken. Der Forstmann hätte den Nationalpark am liebsten schon vor 20 Jahren vor der Haustür gehabt, anstatt lange Studienreisen nach Rumänien und in die Tschechei unternehmen zu müssen, um wirkliche Urwälder zu erleben. „Den Wald“, so sagt Walter Trefz, „kannst Du aus Büchern lernen, auf der Uni studieren oder in Wirklichkeit erleben. Aber dazu muss neben dem naturnah bewirtschafteten Wald auch der ungestörte Urwald sein, wo Natur noch wild sein darf“.

Was schafft eigentlich . . .Walter Trefz?
Walter Trefz.

Was schafft eigentlich . . .Walter Trefz?

Politische Tätigkeiten
30 Jahre Gemeinderat in
Freudenstadt
25 Jahre Mitglied des Kreistags im Landkreis Freudenstadt
und des Regionalrats der Region Nordschwarzwald
Berufliche Tätigkeiten
1964 – 1966 im Forstdienst
des Landes
1966 Anstellung bei der
städtischen Waldinspektion
Freudenstadt
1974 Förster im Revier
Freudenstadt-Kniebis
1999 Ruhestand
Ausbildung
1956 – 1964 Lehrzeit und
Studium an der Forstlichen
Fachhochschule Rottenburg
Zahlreiche Ausbildungs-
veranstaltungen und Exkursionen in Urwälder
1961 – 1963 Wehrdienst bei
den Gebirgsjägern
Ehrenamtliches Engagement
Vorstandsmitglied BUND-Kreisgruppe Freudenstadt und Mitglied der Arbeitsgruppe Wald.
Mitarbeit in der AG zur Vorbereitung des Nationalparks und des Landesjagdgesetzes.

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22.05.2015, 12:00 Uhr

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