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Was soll erhalten werden, was kann weg?
Kunstwerke aus dem Besitz des WDR werden vom Auktionshaus Sotheby s versteigert, auch Max Beckmanns "Möwen im Sturm". Foto: dpa
Jetzt auch der WDR: Wenn Kunstsammlungen unter den Hammer kommen

Was soll erhalten werden, was kann weg?

WDR-Intendant Tom Buhrow verkauft seine wertvollsten Kunstwerke, um das Haushaltsloch zu stopfen - und ein Aufschrei geht durchs Land.

28.04.2016
  • CHRISTOPH DRIESSEN, DPA

Köln. Wo Max Beckmanns "Möwen im Sturm" zuletzt hingen, weiß man im WDR gar nicht mehr zu sagen. Jetzt hängen sie jedenfalls bei Sotheby s. Zunächst in Köln, später in London, wo sie im Juni versteigert werden, zusammen mit zunächst 36 anderen Werken. Weitere folgen im Dezember in Paris. Auf diese Weise soll die hauseigene Kunst des größten ARD-Senders dazu beitragen, sein Haushaltsloch zu stopfen.

Es ist nicht der erste Zugriff auf die Kunst als stille Reserve: Seit die Spielbank Aachen zwei Warhols zu Geld gemacht hat, ist eine bundesweite Debatte über Kunstverkäufe zu Sanierungszwecken entbrannt. Kritiker wie Kulturstaatsministerin Monika Grütters (CDU) sprechen davon, dass Kunstwerke "wie Tafelsilber verscherbelt" und "hemmungslos zu reinen Spekulationsobjekten degradiert" würden.

Für WDR-Intendant Tom Buhrow ist die Sache klar: "Angesichts unserer schwierigen Haushaltslage wollen wir uns ganz auf unseren Kernauftrag konzentrieren: ein qualitativ hochwertiges Programm anzubieten." Man stelle sich doch mal vor, so heißt es im WDR, eine gute Sendung wird eingespart, und dann kommt der Redakteur bei einem Hierarchen ins Büro und sieht da das dicke Ölgemälde von Ernst Ludwig Kirchner überm Schreibtisch. Kommt gar nicht gut.

Grütters sieht das anders. Sie verweist auf den Kulturauftrag der öffentlich-rechtlichen Anstalt. Und "wenn schon Kunst nicht mehr als ein Kreativitätsfaktor im Sender geschätzt wird, sollte man die Kunstwerke wenigstens an Museen des Landes ausleihen". Aber heißt das, dass überhaupt nichts verkauft werden darf? Der Kunsthistoriker Walter Grasskamp beschreibt in seinem gerade erschienenen Buch "Das Kunstmuseum - eine erfolgreiche Fehlkonstruktion" einen Teufelskreis: Im Laufe der Zeit häuft ein Museum durch Ankäufe und vor allem durch Schenkungen zwangsläufig einen immer größeren Bestand an Kunstwerken an. Dadurch nehmen die Kosten für die Lagerung, Präsentation und Restaurierung ständig zu - das kann nicht gut gehen.

Was soll erhalten werden, was kann weg? Was den WDR betrifft: Der sollte sich nach Meinung von Christian Saehrendt ("Ist das Kunst oder kann das weg?") aufs Programmmachen beschränken. "Die Sammlung war ein ästhetischer Bonus ausschließlich für die WDR-Mitarbeiter. Wenn also der Erlös der Auktion in die Qualitätssicherung der Programme fließt, ist das zu begrüßen."

Sotheby s schätzt alle 48 Bilder, die der WDR weggibt, auf zusammen knapp drei Millionen Euro. Wenn man sich die Bilder allerdings derzeit bei Sotheby s anschaut, merkt man schnell, dass dies eine sehr konservative Schätzung ist. Der tatsächliche Erlös dürfte weit darüber liegen. Sehr viel Kirchner ist dabei, dazu Ernst Wilhelm Nay, Max Pechstein . . . Dabei wurde da einst keine Kunstsammlung aufgebaut, das wurde eher unter Bürobedarf abgebucht - als Deko.

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28.04.2016, 06:00 Uhr

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