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Horb · Engagement

Was tut Horb?

Hilfe beim Einkaufen, aktuelle Tipps oder einfach ein offenes Ohr: Die Facebook-Seite „Nachbarschaftshilfe Horb“ bietet Unterstützung.

26.03.2020

Von Fabian Schäfer

Unterstützung bei Einkäufen, aber keineswegs darauf beschränkt, bieten in und um Horb derzeit viele freiwillige Helfer an. Bild: Manuel Fuchs

Sollte jemand Hilfe beim Einkaufen in Dettingen oder Bildechingen benötigen, so darf er mich gerne kontaktieren #wastutihr“. – Das neueste Hilfsangebot stammt von Mittwochmorgen, kurz nach halb elf. Scrollt man weiter nach unten, reihen sich Kochrezepte, Telefonnummern für Redebedürftige, Links zu Infoseiten, Gassi-Geh-Angebote und Vorschläge für weitere Offerten aneinander. Es wird eifrig geliket, geteilt und gedankt.

Die vielen Angebote haben die Horber einer Gruppe Engagierter rund um Stefan Lazar zu verdanken. Im Rahmen eines Projekt-Abschlussabends vor knapp zwei Wochen hatten sich der 30-Jährige und einige Bekannte spontan dem Thema Nachbarschaftshilfe in der aktuellen Lage gewidmet. „Wir haben uns gefragt: Wie kann man Menschen derzeit Orientierung geben?“, erzählt der gebürtige Eutinger im Gespräch mit der SÜDWEST PRESSE. „Wir waren eine Runde aus Leuten, die sich viel mit dem Thema Organisation beschäftigen. Entsprechend waren die Ideen sehr bunt und verschieden.“

Lazar und seine Mitstreiter erstellten auf Facebook die Seite „Nachbarschaftshilfe – Horb am Neckar“, unter dem Motto: Was tut ihr? „Die Leute sollen erzählen, wie sie mit der aktuellen Situation umgehen. Vielleicht hilft das anderen ja auch“, erklärt Lazar. Die Resonanz war von Beginn an groß, aus Bekanntenkreisen und Online-Netzwerken der Initiatoren meldeten sich viele Unterstützer. Kurze Zeit später kam die Idee auf, die Seite als explizites Hilfsangebot junger Menschen für ältere Mitbürger zu nutzen. „Wir wollen Angebote in Horb und Umgebung einsammeln und eine Art Vermittlerposition einnehmen. Hilfebietende mit Hilfesuchenden vernetzen“, berichtet der Mitbegründer.

Nun melden sich auf der Seite täglich neue Mitglieder, die Beiträge verschiedenster Art posten. „Es beschränkt sich nicht nur auf Hilfsangebote. Es werden Rechercheergebnisse gesammelt, etwa über staatliche Hilfen für Unternehmer in finanziellen Notlagen. Zudem werden technische Hilfsmittel geteilt, etwas Einkaufslisten-Apps, die den Helfern die Koordination erleichtern“, erzählt Lazar. Einige ältere Menschen stellen sich als Gesprächspartner zur Verfügung, für Personen, denen derzeit der regelmäßige Kontakt in Vereinen oder anderen Gruppen fehlt. „Dieser Aspekt geht im ersten Moment oft etwas unter. Ich finde es cool, dass Leute offensiv sagen: Wenn ihr in einer schwierigen Lage seid oder einfach jemanden zum Quatschen braucht – meldet euch.“

Zu Beginn hatten Lazar und Kumpanen noch ein wenig Sorge, dass es in dem zügig größer werdenden Netzwerk drunter und drüber gehen könnte. „Ich bin auch in einer bundesweiten Gruppe. Da postet jeder seinen Müll rein, irgendwelche dämlichen Artikel, Theorien von Provinz-Wissenschaftlern“, erzählt der Initiator. „Aber hier in Horb geht es sehr geordnet zu, die Leute sind recht vernünftig. Es geht im Kern um das Thema, da ist keine größere Moderation nötig.“

Am Mittwochnachmittag zählte die Gruppe 216 Mitglieder – Tendenz steigend. „Es ist schwer einzuschätzen, wie viele es noch werden. Solange die Hilfe ankommt, ist das auch egal. Wir haben da keine Erwartungshaltung“, sagt der 30 Jahre alte Lazar, dessen Altersgruppe den größten Anteil der Mitglieder ausmacht. „Aber man erreicht auch die Älteren gut auf Facebook. Über die Jahre ist man mit vielen Eltern von Freunden verbunden. Die Generationen sind nicht getrennt, die Grenzen verschwimmen“, erklärt der Wahl-Stuttgarter.

Viele Angebote in Horb

Die Facebook-Seite von Lazar und Co. ist jedoch zurzeit nicht das einzige Hilfsangebot in der Neckarstadt. Neben vielen Vereinen und Institutionen bietet auch die Stadtverwaltung Horb selbst Unterstützung an: Über die eigens erstellte Coronavirus-Website und die Social-Media-Plattformen der Stadt wird täglich über die aktuelle Lage informiert, zudem wurde ein Hilfstelefon eingerichtet (siehe Infokasten). Der Bedarf an diesem stieg zuletzt, die Verwaltung verzeichnete durchschnittlich zwei bis vier – überwiegend ältere – Anrufer pro Tag.

„Es handelt sich hauptsächlich um Hilfsanfragen für Einkäufe oder Medikamentenabholungen. Aber auch Fahrdienste wurden nachgefragt“, berichtet Inge Weber von der Horber Pressestelle auf Anfrage der SÜDWEST PRESSE. Letztere würden jedoch nicht vom städtischen Hilfsdienst abgedeckt. „Gedacht ist die Hotline für Dinge des täglichen Bedarfs. Die demnächst anfallende Gartenarbeit oder der Frühjahrsputz im Haus sind damit jedoch nicht gemeint“, erklärt Weber.

Die Aktivitäten der digitalen Nachbarschaftshilfe sind der Verwaltung bekannt. „Die Stadt Horb sieht es als Zeichen der großen Solidarität und des Zusammenhalts in der Bevölkerung, dass sich Menschen auf vielfältige Weise bereit erklären zu helfen“, heißt es seitens der Pressestelle. Wer sich bei der Stadt als Helfer meldet, wird in eine Liste eingetragen, auf die bei Engpässen zurückgegriffen wird. „Ich denke, man könnte wesentlich mehr Leute erreichen, wenn man die Angebote zusammenführt, so dass alles wie aus einem Guss wirkt“, sagt Stefan Lazar mit Blick auf die verschiedenen Anlaufstellen. Er könnte sich vorstellen, seine Facebook-Seite in die Aktivitäten der Stadt zu integrieren. Kontakt zur Verwaltung habe es jedoch noch nicht gegeben.

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Erstellt:
26. März 2020, 01:00 Uhr
Aktualisiert:
26. März 2020, 01:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 26. März 2020, 01:00 Uhr

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