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Heiratsantrag auf dem Rosenmarkt

Was vom Tage übrigblieb: Abseits des großen Andrangs

Nicht nur kommerzielle Marktbeschicker gab es auf dem Rosenmarkt – Mössinger Bürger von Klein bis Groß haben sich allerhand einfallen lassen, um die Besucher auf charmante Weise auf den Rosenmarkt zu locken.

23.06.2015
  • Claudia Jochen

Mössingen. Janis Herppich aus Öschingen ist sichtlich nervös. Schließlich möchte er auf dem Rosenmarkt um die Hand seiner langjährigen Freundin Sabrina Reutter anhalten. Sie hat heute Geburtstag und ahnt nichts – genau wie ihre Freundinnen, die Herppich zum Brunnen am Jakob-Stotz-Platz beordert hat. Eine Geburtstagsüberraschung solle es werden, hat er allen gesagt. Als die Jubilarin dann endlich eintrifft, singt man erstmal „Happy birthday!“, viele Passanten singen spontan mit. Mit einem Strauß roter Rosen und im schicken Anzug taucht Herppich auf, kniet nieder und fragt: „Willst du mich heiraten?“

Nicht nur Sabrina, auch die Freundinnen und der mittlerweile große Kreis um sie herum, ist überrascht, viele haben sogar Tränen in den Augen. Sie sagt „Ja!“, die Menge applaudiert und man hört es raunen: „Mutig!“ – „Siehsch, so wird des g’macht! – „Komm, mir ganget, sonst fang i au no ‘s Heula an!“ – „Die passen aber gut zusammen.“

In der Nähe des Platzes haben Kinder zwei Flohmarktstände aufgebaut: Yannis, Liya und David verkaufen ihre Spielsachen in einer Hofeinfahrt. Die Nachbarn Daniela und Sven Schweikert wollen die Kinder unterstützen und kaufen für ihre Patenkinder ein. Ein Buch über Baustellen und eines mit einem Plüschaffen.

Zehn Meter weiter verkaufen Florian, Maria Elena und Joya selbstgezogene Pflanzen, Schokolade, Bilder und Bodypeeling. Alles selbstgemacht. Karin Nill-Kessler aus Tübingen kauft Schokolade und meint: „Die ist sicher lecker.“

In der Friedrich-List-Straße haben sich zwei Künstler in einer Einfahrt aufgestellt: „Baumkunst Kauth“ in Gestalt der beiden Cousins Simon und Manuel Kauth, die alte Gehölze von Streuobstwiesen aus dem Steinlachtal veredeln. Edle Lampen. In unterschiedlichen Holzfarbtönen von Rot bis Schwarz über Braun schillern Skulpturen. Kunstvolle Regale. Gefäße und Vasen: „Kunst ist schön, macht aber viel Arbeit!“ zitiert Simon Kauth den berühmten Karl Valentin und fügt hinzu: „In einigen Skulpturen stecken über 70 Stunden Arbeit.“ Eine Frau kommt vorbei und fragt, ob die Künstler auch Auftragsarbeiten durchführen würden, sie habe einen Obstbaum im Garten, der müsse weg und als Erinnerung an die gute Zeit hätte sie gerne eine Skulptur daraus. „Klar! Natürlich“, antworten die Cousins wie aus einem Munde.

In der Goethestraße haben Angela und Bert Schuler ihre Scheune geöffnet. „Hier kommen Freunde aus all‘ den Jahren vorbei, die wir rund um Mössingen kennengelernt haben. Und neue Freunde sind herzlich eingeladen.“ Damit meint sie die vielen Fremden, die sich auf die Bänke setzen und einen Apfelsaft trinken wollen oder Rosenküchlein essen möchten, die Angela gebacken hat. Fritz und Margret Steinhilber aus Rangendingen sitzen dort und probieren eine kleine Schinkenschnecke. Eine Rentnertruppe aus Reutlingen und Kirchentellinsfurt kommt seit vielen Jahren zu den Schulers in die Goethestraße: „Hier ist es immer so nett, abseits vom Trubel, man muss sich nirgends anstellen oder warten.“ Einfach nur sitzen und genießen.

Angela Schuler freut sich über die vielen Fremden, die in die Scheune schauen, einen kleinen Blumenstrauß kaufen oder sich einfach nur hinsetzen, sich ausruhen, eine Kleinigkeit zu sich nehmen um sich wieder gestärkt in den Trubel zu stürzen. Es sind die kleinen Gesten der Mössinger Bürger, die den Rosemarkt immer wieder zu einem besonderen Erlebnis machen. Hier findet auch der schmale Geldbeutel Vergnügungen, die es sonst einfach nicht zu kaufen gibt.

Was vom Tage übrigblieb: Abseits des großen Andrangs
Heiratsantrag auf dem Mössinger Rosenmarkt: Janis Herppich hielt um die Hand seiner Freundin Sabrina Reutter an. Bild: Jochen

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23.06.2015, 12:00 Uhr

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