Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden. OK Weitere Informationen
Regional - global

Wasser in der Wüste

bw-engineers ist ein interdisziplinärer Zusammenschluss von Ingenieurbüros aus Baden-Württemberg. Ziel dieses Netzwerks ist es, deutsches Ingenieurwesen grenzüberschreitend anzubieten. Dies geschieht derzeit vor allem in der Golfregion, hauptsächlich in Saudi-Arabien.

22.05.2015
  • TEXT: Ralf Flaig | FOTOS: Unternehmen

Ein Markteintritt im Ausland scheitert häufig an Details wie kleinteiligen Strukturen, wie sie typischerweise bei vielen Planungsbüros vorhanden sind. Die herkömmlichen Instrumente zum Anbahnen von Geschäften, wie simple Kontaktaufnahme oder Kooperationsbörsen, greifen oftmals nicht.

Die Ingenieurkammer Baden-Württemberg hat deshalb im Jahr 2007 einen Vorstoß gewagt, Planungsbüros der verschiedensten Größen und Fachbereiche zu bündeln, um unter einem Namen auf ausländischen Märkten einen leichteren Markteintritt zu bekommen. Auf Initiative von Ingenieurkammer und Wirtschaftsministerium Baden-Württemberg gründete sich ein Jahr später das Konsortium „bw-engineers“. Das Netzwerk mit 22 Mitgliedsunternehmen und über 800 Planern und Ingenieuren ist eines der größten Ingenieurnetzwerke in Deutschland.

„Seit vergangenem Jahr sind wir als Cluster-Initiative des Landes Baden-Württemberg anerkannt und in die Clusterdatenbank aufgenommen worden“, erklärt Dr. Thomas Ertel, der Geschäftsführer der bw-engineers GmbH. Das Netzwerk stellt ein wichtiges Instrument zur Internationalisierung mittelständischer Ingenieurfirmen dar. Das Konsortium möchte im Zusammenspiel von Ingenieurfirmen, Hochschulen und Institutionen baden-württembergischem Ingenieur-Know-how und Innovationen den Weg in Auslandsmärkte ebnen sowie dort das gemeinschaftliche Erbringen von generalplanerischen Leistungen in den Feldern Hochbau, Infrastruktur und Umweltschutz fördern.

In den Produktfeldern Projektsteuerung, Vermessung/Geoinformatik, Geotechnik, Stadt-, Regional- und Verkehrsplanung, Wasser-, Abwasser- und Abfallwirtschaft, Technische Gebäudeplanung, Konstruktiver Ingenieurbau und Architekturleistungen verfügt bw-engineers über profunde Kenntnisse und langjährige internationale Erfahrung. Als kompetenter Partner für komplexe Projekte erstellt bw-engineers Studien und Masterpläne, entwickelt Simulationen und setzt Großprojekte in enger Kooperation mit internationalen Auftraggebern auf qualitativ hohem Niveau um.

Joint Venture in Riad

Seit knapp einem Jahr hat bw-engineers ein dauerhaftes Standbein in der Golfregion: Seit Juli 2014 ist das Joint Venture mit einem saudischen Partner als bw-engineers mit Sitz in Riad ins Firmenregister eingetragen. Mohammed Al Guwaihes war über 30 Jahre als Ingenieur und Abteilungsleiter in den Ministerien für Wasser und später Gesundheit tätig, anschließend zwölf Jahre Mitglied des saudischen Parlaments. Seit vier Jahren betreibt er sein eigenes Ingenieurbüro im Bereich Projektmanagement im Hochbau. Er akquiriert Aufträge für bw-engineers und koordiniert die lokalen Aktivitäten. Damit locken interessante Aufgaben in Riad, Jeddah und Medina.

„Think big“

Das Ingenieur-Netzwerk, in dem Firmen aus nahezu allen Regionen Baden-Württembergs vertreten sind, bearbeitet zahlreiche Projekte in Kooperation mit saudischen Partnern. „Beispiele sind die Generalplanung für die Regenwasserableitung im Großraum Riad und die Entwicklung und Umsetzung des Masterplans für den ÖPNV in Mekka“, erläutert Ertel. Weitere kleine Projekte betreffen Straßenbau, Kläranlagen und Deponiebau sowie allgemeine Hochbaumaßnahmen. Sehr gut entwickelt sich auch der Gesundheitssektor. Hier konnten Projekte mit der Planung von Krankenhäusern gewonnen werden.

„In Saudi-Arabien ist das sogenannte Prototype Planning Standard“, sagt Ertel. „Dies bedeutet, dass ein Objekt geplant wird, auf dessen Basis alle weiteren modifiziert werden.“

Überhaupt würden, so der Geschäftsführer von bw-engineers, in Saudi-Arabien andere Maßstäbe gelten. „Die Saudis denken in größeren Dimensionen“, so Ertel, „allein Riad zählt 6 Millionen Einwohner“. „Die Scheichs haben zwar viel Geld, aber keinen Cent übrig“, ergänzt Joachim Gass, einer der beiden Inhaber der Horber Ingenieurgesellschaft Reck+Gass sowie Mitglied des Lenkungsausschusses und Leiter des Bereichs structural engineering bei bw-engineers. „Als Araber wollen sie immer auch ein Stück weit handeln, wie auf dem Basar.“

Die Konkurrenz für die deutsche Ingenieurskunst in den Golf-Staaten kommt vor allem aus Ägypten und aus dem angelsächsischen Raum. „Zum einen wird beispielsweise Saudi-Arabien überschwemmt von ägyptischen Ingenieuren“, konstatiert Ertel. „Zum anderen gibt es dort viele britische und amerikanische Konsortien, die es gewöhnt sind, Arbeiter aus Billiglohnländer anzuheuern. Das beste Beispiel dafür ist die aktuelle Diskussion um Katar.“

Die Zeichen stehen auf Wachstum für bw-engineers in der Golfregion. „In Staaten wie Saudi-Arabien, in denen strategische Instrumente wie Masterpläne eine so bedeutende Rolle spielen, wird deutsche Ingenieurskunst immer nachgefragt werden“, ist Gass überzeugt. Das bestehende Netzwerk von derzeit 22 Ingenieurfirmen sucht auf alle Fälle dringend Verstärkung durch weitere leistungsfähige Mitgliedsfirmen in allen Produktfeldern.

Wasser in der Wüste
Ob es um die InternationaleSadarah Schule in Riad (3D-Visualisierung: Gerber Architekten international GmbH,Rendering: moka-studio, Hamburg)

Wasser in der Wüste

Saudi-Arabien ist die größte Volkswirtschaft im arabischen Raum und weltgrößter Erdölproduzent. Der Investitionsboom in Saudi-Arabien hält dank starker Wirtschaftskraft und unter dem Klima der politischen Veränderungen ungebrochen an. Die Regierenden reagieren damit unter anderem auf den Druck, den Bedürfnissen ihrer Bevölkerung entgegenkommen zu müssen. Ein aktueller Entwicklungsplan der saudischen Regierung sieht umfangreiche Investitionen in den Bereichen Bau und Infrastruktur, Gesundheit, Transport, Bildung und Energie vor. Insgesamt sollen 385 Milliarden US-Dollar in diese Projekte fließen. Daran werden – auch dank bw-engineers – verstärkt baden-württembergische Ingenieurdienstleister partizipieren.

Sie möchten diesen Artikel weiter nutzen? Dann beachten Sie bitte unsere Hinweise zur Lizenzierung von Artikeln.

22.05.2015, 12:00 Uhr

Sie müssen angemeldet sein, um einen Leserbeitrag zu erstellen.
Anmelden
Sie müssen angemeldet sein, um einen Kommentar zu verfassen.
Anmelden
 

 

 
Video-News: Aus Land und Welt
Heute meistgelesenNeueste Artikel
Wirtschaft im Profil
Wirtschaft im Profil

Die aktuelle Ausgabe unseres Business-Magazins Wirtschaft im Profil
Bildergalerien
Videos
Single des Tages
date-click
Video-News: Fußball