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23.11.2015

Backstage gelten eigene Gesetze. Man kennt das schon von Jimi Hendrix, Janis Joplin und Kurt Cobain. Ian Curtis, charismatischer Frontmann von Joy Division, war 23 Jahre alt, als er sich erhängte. Vielleicht hat Anton Corbijn deshalb schwarz-weiß gewählt, um sich dem Alltag hinter einer der erotischsten Stimmen des Postpunk anzunähern. Auch waren die 70er Jahre, medial gesehen, noch nicht so bunt durchdesignt wie die Gegenwart. Vielleicht wäre Farbe den Ausweglosigkeiten, denen Curtis ausgesetzt war, einfach unangemessen. Dennoch wirken Corbijns Ansichten der englischen Provinz manchmal, als wären sie irgendwo in den 50er Jahren steckengeblieben. „Control“ ist das Kinodebüt des Fotografen, der als junger Mann die Ikonographie der Band Joy Division mitprägte.

Ian Curtis (Sam Riley) fällt schon als Teen auf. In seinem Jugendzimmer in einem tristen Wohnblock hört er nicht bloß Roxy Music und David Bowie, er zitiert auch den englischen Romantiker Wordsworth. Ein verkannter Dandy, am falschen Ort, in der falschen Zeit. Um irgendwie high zu werden, klaut er Pillen aus den Arzneischränkchen alter Damen.

Ian und die ungefähr gleichaltrige Debbie (Samantha Morton) verlieben sich. Er drängt sie zur Heirat. Er möchte ein Baby. Daraus werden nur neue Anforderungen, die er nicht erfüllen kann. Als bei seinem Job im Arbeitsamt eine seiner Klientinnen vor ihm einen epileptischen Anfall hat, ahnt er nicht, dass er sieht, was ihm selbst bevorsteht. Wie sich gleichzeitig die Band formiert und schließlich von Erfolg zu Erfolg eilt, wird bei diesem Versuch, sich auf die harten „Realitäten“ zu konzentrieren, nicht ganz so deutlich. Etwa, wenn Ian auf der Fahrt zum ersten Londoner Auftritt einen Anfall hat. Mit der Krankheit ebenso allein gelassen wie mit dem gnadenlosen Druck des Musikbusiness, das nach immer neuen Stars giert, driftet Ian in eine immer endgültigere Isolation. „Als würde das alles jemand passieren, der genauso aussieht wie ich.“

Man sieht eine bedrückend scheiternde Coming of Age-Geschichte in der englischen Provinz. Doch gelingt es dem Film letztlich nicht, das melancholische Charisma von Ian Curtis zu ergründen. Wenn die Journalistin Annik (Alexandra Maria Lara) Ian einmal sagt, „dass ich eigentlich nichts über dich weiߓ, gilt das am Ende auch für den Kinobesucher. Weil Corbijn sich so bewusst auf den unglamourösen Alltag konzentriert, fällt für Fans auch nicht eben viel Musik ab.

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23.11.2015, 12:00 Uhr | geändert: 07.08.2009, 12:00 Uhr

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