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„Wechsel der Perspektive“
Spielt in „Der weiße Äthiopier“ den Bankräuber Frank Michalka: Jürgen Vogel. Foto: Quelle: DPA
Interview mit Jürgen Vogel

„Wechsel der Perspektive“

Jürgen Vogel spricht über seinen neuen Film, Dreharbeiten in Afrika und was er an Deutschland gut findet.

21.12.2016
  • MARTIN WEBER

Berlin. Unlängst begeisterte der Gerichtsfilm „Terror“ die Zuschauer, jetzt kommt eine weitere Verfilmung nach einer Geschichte des Schriftstellers und Strafverteidigers Ferdinand von Schirach ins Fernsehen: Im TV-Drama „Der weiße Äthiopier“ spielt Jürgen Vogel den Bankräuber Frank Michalka. Der straffällige Sonderling lässt sich nach einem Überfall willenlos festnehmen. Im Gefängnis erfährt eine junge Juristin seine traurige Geschichte. Die handelt von einem verpfuschten Leben in Deutschland und einem Neuanfang in Äthiopien, wo Michalka für ein ganzes Dorf zum Hoffnungsträger wurde.

Herr Vogel, in Ihrem neuen Film spielen Sie einen Underdog, der in Afrika einen Neuanfang versucht. Wie waren die Dreharbeiten in Äthiopien?

Jürgen Vogel: Großartig. Ich war ja fast sechs Wochen da und eigentlich auf alles Mögliche vorbereitet, weil ich zum Beispiel dachte, dass es mit der Versorgung schwierig werden könnte. Äthiopien ist schließlich eines der ärmsten Länder der Welt. Aber das lief alles gut, es gab überhaupt keine Probleme. Das Essen dort schmeckt hervorragend und ist super gesund, es gibt wahnsinnig viel Gemüse. Und auch die Zusammenarbeit mit den Einheimischen ging ganz reibungslos über die Bühne – die Menschen dort sind ausgesprochen nett.

Waren Sie vorher schon mal in Afrika?

Vor den Dreharbeiten noch nicht, Äthiopien war meine erste Erfahrung mit dem Kontinent. Aber danach bin ich noch nach Südafrika gereist. Ich will auch unbedingt nochmals nach Äthiopien und habe auch einen ganz guten Draht zu Sayat Demissie, die ja im Film meine äthiopische Frau spielt. Wir mailen uns öfter mal.

Haben Sie in einem richtigen äthiopischen Dorf gedreht oder wurde das nachgebaut?

Im Vorfeld wurde viel darüber nachgedacht, was das Richtige für den Film ist. Die Produktion und der Regisseur haben sich dann entschieden, ein Dorf zu bauen. Wir haben also in einer Gegend, in der normalerweise kein Dorf ist, eins aufgebaut, und zwar genauso, wie die Dörfer dort aussehen. Das war im Gebirge, so etwa zwei Stunden weg von der Hauptstadt Addis Abeba. Der Vorteil an dieser Lösung: Wir haben niemandem das Dorf weggenommen. Wir haben uns überlegt, wir können doch da nicht so mir nichts dir nichts ein Dorf besetzen.

Was können wir Deutsche von den Äthiopiern lernen?

Vor allem Gastfreundschaft, glaube ich. Die Äthiopier sind unheimlich gastfreundlich und bereit, auch noch das Letzte, das sie haben, mit anderen zu teilen. Sie sind aber auch ein stolzes Volk. Ich bin ganz begeistert, das waren mit die nettesten Menschen, die ich je getroffen habe.

Und was können die Äthiopier von uns lernen?

Struktur. Ich glaube, dass wir ihnen vor allem beim Aufbau von Dingen wie einem funktionierenden Schul- oder Steuersystem helfen könnten. Das Wichtigste ist, dass wir Länder wie Äthiopien nicht ausgrenzen dürfen, wir müssen ihnen auch wirtschaftlich helfen, damit sie mit ihren Waren auf dem Weltmarkt bestehen können.

Im Film flüchtet Michalka von Deutschland nach Afrika und findet dort sein Glück . . . 

Stimmt, und ich fand es gut, eine Flüchtlingsgeschichte mal andersrum zu erzählen. Normalerweise fliehen die Menschen ja aus Afrika zu uns nach Deutschland. Hier ist es anders, und diesen Wechsel der Perspektive finde ich ganz reizvoll.

Info „Der weiße Äthiopier“ heute, 20.15 Uhr in der ARD.

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21.12.2016, 06:00 Uhr

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