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Tübingens Innenstadt steht nicht still

Wechsel und Neuzugänge: Ein Rundgang erweckt den Eindruck, als ob der Handel männlicher würde

Lange Jahre war an diesem Ort in der Collegiumsgasse der Mexikoladen. Dann folgten im Staccato Kindermoden, danach ein Tattoo- und Piercing-Studio, und jetzt breitet sich ein Nachbar in dem großen zweigeschossigen Ladenlokal aus.

22.11.2016
  • Ulla Steuernagel

Das Schmuck- und Lederwarengeschäft „Tintin“ hat den Sprung von der ehemaligen Merkh’schen Leihbücherei ein paar Häuser weiter Richtung Marktplatz gemacht. Inhaber Tsadok Golan sagt zwar, dass es nicht ganz freiwillig war, denn den alten Laden musste er räumen. Aber wenn sein Blick über die Auslagen schweift, ist er sehr zufrieden mit dem neuen Zustand. Der Israeli lebte lange in Berlin, war auch dort schon als Einzel- und Großhändler tätig, bis er dann 2002 mit seiner Frau nach Tübingen zog. Vor neun Jahren eröffnete er „Tintin“, später dann auch „Larimar“ in der Kornhausstraße, ebenfalls mit Schmucksortiment.

In dieser Branche kann Golan hervorragend seiner großen Leidenschaft nachgehen: dem Reisen. „Ich bin mindestens sechs Monate im Jahr unterwegs“, sagt er und nennt gute Gründe dafür. Denn überall auf der Welt kauft er Schmuck und Accessoires ein. „Vieles davon ist Handarbeit“, sagt er, und vieles wird nach seinem Auftrag gefertigt. Im Kellergeschoss hat er nun sein Angebot um Dekoartikel, Küchenutensilien und kleines Mobiliar erweitert. „Das gefällt meiner Frau besonders“, sagt Golan. Sie entstammt einer syrisch-deutschen Familie. Sie war Muslimin, er Jude. „Jetzt sind wir beide Buddhisten“, erklärt Golan lachend. In seinen ehemaligen Laden wird wohl ebenfalls ein Schmuckgeschäft einziehen, so wurde Golan gesagt und er quittiert es achselzuckend.

Einer der prominentesten Leerstände der Stadt liegt derzeit gleich an ihrem Eingangstor: der Neckargasse. Seit der Telekom-Laden nach schräg gegenüber wechselte, ist ein Teil der hinterlassenen Leere mit ein paar Bildern der „Galerie Wenke“ gefüllt. „Das ist allerdings nur vorübergehend“, sagt Margit Wenke. Sie habe nicht vor, in die Neckargasse umzuziehen.

Hier wird, wenn der Textilladen „Taifun“ seinen Räumungsverkauf beendet hat, wohl ein größerer Umbau anstehen. Denn die Ladenfläche ist mit ihren vielen Treppen und Geschossen nicht ganz leicht zu bewirtschaften. Eigentümer des Hauses ist die Versorgungsanstalt der Ärzte. Über die Umbaupläne konnte uns hier gestern niemand Auskunft geben.

Friseurgeschäfte gibt es nicht wenige in der Stadt. Dennoch wagte der 23-jährige Marco San Filippo den Sprung in die Selbstständigkeit. Der Friseurmeister empfängt und frisiert seine Kunden in „Da Marco“ am Nadelöhr zur Froschgasse in einer, wie er sagt, „Wohnzimmeratmosphäre“. Seine Kunden sitzen auf einer umgebauten Vespa, den Stuhl hat er im sizilianischen Catania anfertigen lassen.

Katzenkaffee zum Probieren

Zwanzig Jahre verkauft Gabriele Tress an einem etwas versteckten Ort, am Aufstieg zwischen Marktplatz und Neckarhalde, ihre Strickwaren. Seit neuestem verteilt sie sich und die Ware auf zwei Läden. Das heißt, von 10 bis 13 Uhr ist ihr „Pulloverladen“ in der Hirschgasse“, von 13 bis 16 Uhr hinterm Markt und ab 16 Uhr wieder in der Hirschgasse geöffnet. Nun will sie erst mal abwarten, wie die Vorteile des einen Ladens (Platz) sich mit denen des anderen Ladens (Laufkundschaft) austarieren und danach sehen, welcher Laden die Zerreißprobe gewinnt oder ob sie am Ende beide bestehen bleiben.

In der Kronenstraße 6 steht Ugur Bekgec in der türkischen Bäckerei und wartet auf Kundschaft. Eröffnet hatte die Filiale der türkischen Bäckerei in Reutlingen im April, dann war im Sommer ein paar Wochen geschlossen, vor kurzem startete der Betrieb wieder neu. Er hat von 7 bis 19 Uhr geöffnet (samstags bis 18) und bietet orientalische Spezialitäten von Börek über Acma bis Baklava an. Der Tee wird hier, so Bekgec, mit frischem Lorbeerblatt und Limette serviert.

Im „Café Katesch“ in der Langen Gasse gibt es im Dezember eine Kaffee-Rarität zu probieren. „Katzenkaffee“, so verrät der neue Chef Hamudi Chlon, der viele Angebote seines Vorgängers übernommen und zusätzliche Sitzplätze gewonnen hat. Der Katzenkaffee wird aus den Kaffeebohnen gemacht, die eine indonesische Katzenrasse, die Kopi Luwak, erst frisst und dann ausscheidet. Die Bohnen werden geröstet und für sehr viel Geld (380 Euro pro Kilo) verkauft. Chlon wird den Katzenkaffee als Espresso ausschenken. Wie er schmeckt? „Relativ süß, mild und im Abgang schokoladig.“ Außerdem gibt es bei ihm, auch mittlerweile selten geworden, echten Filterkaffee. Die Lange Gasse wird mehr und mehr zur Feinkostmeile. Demnächst eröffnet in der Nummer 22 „Salam“ mit mediterranen Spezialitäten.

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22.11.2016, 01:00 Uhr

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