Anstieg erwartet

Wechseloption Doping für die Wahlbeteiligung

Seit 1972 nimmt die Beteiligung an Landtagswahlen in Baden-Württemberg stetig ab. Am Sonntag könnte es aber einen Anstieg geben.

26.03.2011

Von RAIMUND WEIBLE

Stuttgart In Emeringen im Alb-Donau-Kreis ist der CDU-Stimmenanteil hoch, das Auszählen geht schnell - und die Wahlbeteiligung ist auch immer gut. Bei der Landtagswahl 2006 kam der 140-Einwohner-Ort auf 79,4 Prozent. Nur Betzweiler-Wälde im Kreis Freudenstadt war besser, dort wurde an jenem Sonntag aber auch über den Anschluss an Loßburg abgestimmt. Emeringens Ex-Bürgermeister Hermann Branz erklärt sich die traditionell hohe Beteiligung mit dem engen Kontakt der Bürger zum Rathaus und zu den Kandidaten. Der Bürgersinn in einer solch kleinen Einheit sei zudem sehr, sehr hoch.

In ganz Baden-Württemberg steht es um den Bürgersinn nicht so gut: 53,4 Prozent Beteiligung an der Landtagswahl 2006 bedeuteten den Tiefpunkt seit der Landesgründung. 1972 waren noch 80 Prozent zur Wahl gegangen. Allerdings, sagt Monika Hin vom Statistischen Landesamt, ist die niedrige Wahlbeteiligung bei Landtagswahlen kein spezifisches Südwest-Phänomen. Auch in anderen Bundesländern sind viele nicht interessiert.

Referatsleiterin Hin macht regionale Besonderheiten aus: In Wahlkreisen mit hoher Kaufkraft war die Wahlbeteiligung überdurchschnittlich hoch, etwa in Stuttgart II mit 62,6 Prozent. Mannheim I mit seiner hohen Arbeitslosigkeit rangiert mit 40,8 Prozent am anderen Ende. Auch die Konfession zählt: In Wahlkreisen mit hoher Protestantendichte liegt die Beteiligung höher als in katholischen Gegenden. Auch Alter und Geschlecht wirken sich aus. Junge Leute wählen weniger als Ältere, Männer mehr als Frauen.

Steigt die Wahlbeteiligung am kommenden Sonntag? Das kräftige Plus bei den Briefwahlanträgen deutet darauf hin. Karl-Ulrich Templ von der Landeszentrale für politische Bildung rechnet mit Zuwachs durch die starke Politisierung mit Stuttgart 21 und der Atomkraftdebatte. Außerdem übe die Möglichkeit eines Regierungswechsels einen Reiz zum Wählen aus. Templ: "Die Machtoption mobilisiert und motiviert." Ein höheres Interesse an der Landtagswahl lässt sich auch an der Nachfrage bei der Landeszentrale ablesen. Im Vergleich zu 2006 wurden doppelt so viele Infobroschüren geordert, der Wahlomat verzeichnete mehr als 400 000 Zugriffe, 2001 waren es nur 140 000.

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Erstellt:
26. März 2011, 12:00 Uhr
Aktualisiert:
26. März 2011, 12:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 26. März 2011, 12:00 Uhr

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