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Weihbischof feiert mit Häftlingen
Johannes Kreidler kam nach Stammheim. Foto: Thumi
Heiligabend

Weihbischof feiert mit Häftlingen

Johannes Kreidler spricht Stammheimer Insassen Mut zu: „Irrwege können uns weiterbringen.“

27.12.2016
  • ANDREAS STRAUB

Stuttgart. Auf dem Boden eine kleine Krippe, in der Mitte ein festlich leuchtender Weihnachtsbaum: Auch im Gefängnis von Stuttgart-Stammheim kam am 24. Dezember ein wenig festliche Stimmung auf. 80 Insassen kamen in den frühen Morgenstunden im Versammlungsraum zusammen, um einem ökumenischen Gottesdienst unter der Leitung von Weihbischof Johannes Kreidler von der Diözese Rottenburg-Stuttgart zu feiern. Inhaftiert sind tatsächlich weitaus mehr Straftäter, doch nur noch ein kleiner Teil der Häftlinge ist christlichen Glaubens.

Den Anwesenden riet der Gefängnisleiter Matthias Nagel: „Stützen Sie sich gegenseitig, damit sie gesund an Körper und Geist in Freiheit kommen.“ Die Zeit hinter Gittern empfinden viele gerade an Weihnachten als hart. „Ich vermisse in diesen Tagen besonders meine Kinder“, sagte ein Gefangener. Ein anderer ergänzte: „Ohne die Familie ist es schwer, glücklich zu sein.“

Gefangener spielt „Halleluja“

Die Weihnachtsgeschichte wurde auf Deutsch, Englisch und Französisch vorgelesen. Sänger des „Chor & Band St. Georg“ von der katholischen Kirchengemeinde Stuttgart-Nord lieferten dazu Lieder wie „Shine, Jesus Shine“ und „Tochter Zion“. Seit 1969 kommt das Ensemble ins Gefängnis. Für einen Gänsehautmoment sorgte ein Gefangener, der mit seiner Gitarre Leonard Cohens „Halleluja“ anstimmte. In den Refrain stimmten Chor und alle Gefangenen ein.

Weihbischof Kreidler rief den Gefangenen in seiner Predigt zu: „Irrwege können uns weiterbringen.“ Er könne sich nicht vorstellen, wie sich das Hochfest des Herrn ohne Familie und einer ungewissen Zukunft anfühle. „Gott will unser Schicksal ungeachtet von Schuld teilen“, sagte Kreidler. Der Herr sei immer bei den Menschen. „Wenn sie sind, wie sie sind, nicht nur, wenn sie sich ändern oder besser werden.“ Weihnachten gebe Hoffnung und die sei unbezwingbar – auch im Gefängnis, wo sie es schwer habe. Zum Abschluss des Gottesdienstes sangen die Häflinge „O du fröhliche“, und jeder erhielt eine Rose – als Zellenschmuck in der Weihnachtszeit. Andreas Straub

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27.12.2016, 06:00 Uhr

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