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Fichten, von licht bis dicht

Weihnachtsbaumschlagen im Ofterdinger Wald

Hoch her ging es am Samstag im Ofterdinger Forst: Hunderte streiften auf der Suche nach dem passenden Christbaum durch den Wald. Fündig wurden Familien, Paare und auch einsam Stöbernde: Denn Bäume zum Selberschlagen waren wieder reichlich im Angebot.

22.12.2014
  • AMANCAY KAPPELLER

Jedes Jahr strömen kurz vor Heiligabend Hunderte Familien in den Forst beim Ofterdinger Hardtsee, um sich für die Feiertage einen Baum oder ein Bäumchen zu besorgen. Entlang der Waldwege bilden sich stets Kolonnen aus parkenden Autos, die schier endlos zu sein scheinen. Mit rund 700 Fahrzeugen rechnete Jugendleiter Nico Belser von der Freiwilligen Feuerwehr Ofterdingen am frühen Samstagmorgen. „Es werden jedes Jahr mehr“, sagt Belser. 2013 gingen am eiskalten Samstag vor Weihnachten zwischen 500 und 700 Bäume weg. Ein Parkplatzproblem gibt es trotzdem nicht, schließlich sind die Waldwege lang genug. „Das kriegen wir schon hin“, zeigte sich Belser auch dieses Mal zuversichtlich.

So richtig winterlich war’s im Wald nicht – trotz Temperaturen, die nicht weit über dem Gefrierpunkt lagen: Schnee Fehlanzeige, kleine und größere Kinder machten Quatsch im Matsch am Wegesrand. Bäume durften ab der Stelle, wo die Blasmusik spielte, geschlagen werden: Lukas Stempin und Lukas Stange, Studenten der Forsthochschule, schickten harmonische Töne durch den Tann. Revierförster Reinhold Gerster erläuterte den Schlagwilligen gemeinsam mit den Studenten die Spielregeln. „Vorher gut angucken, wenn er liegt, dann liegt er“, mahnte Stempin.

Abgesägt werden durften die Fichten und Weißtannen nur ganz unten am Boden. Um größere Lücken zu vermeiden, musste der Weihnachtsbaum der Wahl Nachbarbäume im Abstand von zwei bis drei Metern haben. Das Abholzen trägt zur Waldpflege bei: Auf der Fläche, die vor 15 Jahren von Orkan Lothar gebeutelt wurde, durfte nur Nadelgehölz gekappt werden, das demnächst sowieso weichen muss. „Das ist doch toll, den Wald darf man nutzen und es fördert ihn noch“, freute sich Gerster. In Ofterdingen, so war auf Schildern zu lesen, bekomme man „frische klimaneutrale 100-Prozent Ökobaume der kurzen Wege“.

Die einen schnappten sich den erstbesten Baum, die anderen durchkämmten den Wald fast schon systematisch nach dem perfekten nadeligen Gefährten für die festlichen Tage. Mit der Säge ging es diesem dann an den harzigen Stamm. „Den kannsch glei wieder anklebe“, beschwerte sich eine Frau bei ihrem Gatten über dessen „Hauruck-Säge-Aktion“. Nach erfolgreichem Kappen wurden die Bäume vielfach auf der Schulter transportiert, Fuchsschwanz in der Hosentasche. Fabian Flad, 18, half gemeinsam mit anderen Jugendlichen beim Einnetzen. Das Jugendhaus – diesem kommt wie in den vergangenen Jahren der Erlös des Weihnachtsbaumschlagens zugute – verkaufte Rote Wurst, die am Lagerfeuer gebraten werden konnte, außerdem Glühwein und Kinderpunsch. Kleine Waldbesucher wie Silas rösteten Stockbrot knusprig braun. „Da trifft man viele Bekannte“, freute sich eine Seniorin. Zeit für ein Schwätzle blieb allenthalben.

Dieter Walter aus Hemmendorf rückte mit seinen beiden Söhnen und dem Enkel an. Zum allerersten Mal komme er zur Schlagaktion nach Ofterdingen, sagte Walter. Während die Söhne abseits des Wegs auf Weihnachtsbaumsuche gingen, passte der Opa auf den einjährigen Kieselsteinsammler auf. Auch Franz und Gretel Bentele hatten ihre Enkel im Schlepptau. Christbäume schlagen die Nehrener in Ofterdingen selber, seit die Aktion vor ein paar Jahren ins Leben gerufen wurde. „Das war immer schon ganz nett“, findet das Paar. Die Enkel Fabius, 9, und Emilia, 6, wohnen in Ofterdingen und haben jedes Mal besonderen Spaß beim Aussuchen des passenden Weihnachtsbaums.

Riesige und winzige, buschige und spärlich benadelte Christbaum-Exemplare wanderten in oder auf Autos. „Selber geschlagene duften gleich doppelt“, bemerkte ein älterer Herr freudig, einen stattlichen Baum unter dem Arm: „Das ist wie Wald im Wohnzimmer.“

Weihnachtsbaumschlagen im Ofterdinger Wald
Hochbetrieb im Ofterdinger Wald: Hunderte Familien schlugen am Samstag selbst ihren Weihnachtsbaum.Bild: Kappeller

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22.12.2014, 12:00 Uhr

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