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Weihnachtsmarkt unter Polizeischutz
Auf dem Reutlinger Weihnachtsmarkt sind seit am Dienstag – einen Tag nach dem Anschlag in Berlin – mehr Polizisten unterwegs als bisher. Bild: Franke
Sicherheit in der Adventszeit

Weihnachtsmarkt unter Polizeischutz

In Reutlingen sind zusätzliche Einsatzkräfte unterwegs – in Tübingen rät Landrat Walter zu Besonnenheit. Und in Rottenburg beten Mitarbeiter der Diözese für alle Betroffenen.

21.12.2016
  • ele/frm/hoy/job/vor

Die Polizei hat ihre Präsenz auf dem Reutlinger Weihnachtsmarkt seit Dienstag deutlich erhöht: „Dort gehen zusätzliche Einsatzkräfte Streife“, erklärte Polizeisprecher Josef Hönes. Sie seien auch mit Maschinenpistolen ausgerüstet. Es gebe derzeit keine Hinweise auf konkrete Gefahren. „Es ist eine abstrakt höhere Gefährdungslage. Die Verunsicherung in der Bevölkerung ist aber sehr groß.“ Auch deshalb stehen nun während der Öffnungszeiten des Weihnachtsmarktes mit weiteren Polizisten besetzte Streifenwagen an direkten Zugängen, also am oberen Ende der Reutlinger Fußgängerzone und an der Marienkirche. Bei ihnen solle man auch auffällige Personen oder verdächtige Gegenstände melden: „Wir gehen jedem Hinweis nach“, verspricht Hönes.

Als „einfach entsetzlich“ beschreiben Regine Vohrer und Norbert Brendle von der „Marktwerkstadt“ die Tat in Berlin. Sie veranstalten den Reutlinger Weihnachtsmarkt. Natürlich könne man einen derartigen Anschlag auch hier nicht grundsätzlich ausschließen, sagt Brendle. In den diesjährigen Gesprächen mit der Stadt und der Polizei sei es auch um das Thema Terror gegangen, allerdings hätten sich die Veranstalter bewusst gegen ein spezielles Sicherheitskonzept entschieden. Zwar gibt es einen Sicherheitsdienst, der nachts Diebe abschrecken soll, und die Polizei hatte im Vorfeld erhöhte Präsenz angekündigt, aber „schlussendlich kann man so etwas nicht verhindern“, so Brendle. Der Reutlinger Markt läuft noch bis Donnerstag, mit Auswirkungen wegen Berlin rechnen die Organisatoren nicht. Auch fürs nächste Jahr sind vorerst keine weiteren Maßnahmen geplant. „Wir können aus dem Weihnachtsmarkt keine Festung machen“, erklärt Brendle.

Der Tübinger Landrat Joachim Walter hat einen Sohn, der in Berlin lebt. Doch als dort der Lkw in den Weihnachtsmarkt raste, war Walters Sohn zuhause in Balingen. „Ich habe mitbekommen, dass er sich mit seinen Freunden aus Berlin ausgetauscht hat“ – in der Hoffnung, dass zur Zeit des Unglücks niemand von ihnen am Breitscheidplatz war, berichtete Walter. „Mein Mitgefühl gilt zuerst den Opfern und deren Angehörigen sowie den Schwerverletzten.“

Er rät jedoch „zur Besonnenheit statt jetzt wieder allgemeine Schuldzuweisungen gegenüber Flüchtlingen auszusprechen“. Sollte es sich in Berlin tatsächlich um einen terroristischen Anschlag mit islamistischem Hintergrund gehandelt haben, ist es aus seiner Sicht besonders wichtig, „unsere freiheitlich demokratischen Werte dagegenzuhalten“. Verbote und Restriktionen würden „die Intention der Täter nur verstärken“. Die polizeiliche Präsenz zu verstärken, sei durchaus sinnvoll. Aber: „Es gibt keine absolute Sicherheit.“ Er hält es angesichts aktueller Gewaltverbrechen für „absolut notwendig, geflüchtete Menschen in Deutschland zu integrieren“. Flüchtlinge müssten mit Konsequenzen rechnen, wenn sie bei Gesetzesverstößen möglicherweise abgeschoben werden würden. Der Christdemokrat Walter kritisiert außerdem, dass es im Bundesrat keine Mehrheit für eine Verschärfung des Asylgesetzes gab: „Das ist verheerend.“ Wenn es um Gesetzesverstöße von Geflüchteten gehe, dürfe es keine Tabus geben.

Im Rottenburger Dom kamen am Dienstag um die Mittagszeit rund 150 Mitarbeiter der Diözese zusammen, um mit Bischof Gebhard Fürst der Opfer des Anschlags in Berlin zu gedenken. „Wir wollen beten, dass unsere humane Kultur keinen Schaden nimmt“, sagte der Bischof und betete auch für die Angehörigen, für die Sicherheitskräfte und für alle, die von diesem Anschlag verunsichert sind. Als Zeichen der Hoffnung entzündete er eine Kerze.

Der Katastrophenplan des Tübinger Uniklinikums

Zuständig für den Katastrophenschutz ist das Landratsamt. In Abstimmung mit der Behörde und den anderen Akteuren vom Roten Kreuz, dem Technischen Hilfswerk, von Polizei und Feuerwehr versucht auch das Uniklinikum Tübingen (UKT), sich bestmöglich auf „Katastrophenlagen“ vorzubereiten. „Im Ernstfall muss jeder seine Aufgaben kennen und wissen, was zu tun ist“, sagt UKT-Chef Michael Bamberg.

Beim UKT greift der „externe Katastrophenplan“ mit seinen rund 50 speziellen Einsatzplänen zum Beispiel bei einer Masseneinlieferung von Verletzen oder bei Ausbruch einer Seuche. Im Routinebetrieb ist das Klinikum nicht auf die gleichzeitige Notversorgung von vielen Schwerverletzten ausgelegt. Ärzte und Pflegepersonal arbeiten im Schichtbetrieb. Werden etwa nach einem schweren Unfall viele Verletzte eingeliefert, werden zusätzliche Kräfte gebraucht. Innerhalb von zehn Minuten können mit dem Alarmserver 700 Telefonnummern angewählt werden. Parallel auf 90 Kanälen werden Mitarbeiter mit einer Bandansage verständigt.

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21.12.2016, 01:00 Uhr

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