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Weil Aufgaben aus einem bundesweiten Pool kommen, sind die Abitur-Prüfungen in diesem Jahr sehr spät
Für viele Schüler der schlimmste Teil der Reifeprüfung: Dieses Jahr legen die Abiturienten am 3. Mai die schriftliche Mathe-Prüfung ab. Archivbild: Privat
Für die Bewerbung könnte es nach dem Abi knapp werden

Weil Aufgaben aus einem bundesweiten Pool kommen, sind die Abitur-Prüfungen in diesem Jahr sehr spät

In diesem Jahr haben die Abiturienten der beruflichen Gymnasien keinen eigenen Termin für ihr schriftliches Deutschabitur. Sondern schreiben es gemeinsam mit den allgemeinbildenden Gymnasien als letztes – am 25. April.

06.04.2017
  • Lorenzo Zimmer

Dort beginnt an diesem Tag die Phase der Abiprüfungen gerade erst und geht bis zum 23. Mai. Beide Termine sind im Vergleich zu den Vorjahren spät. Dadurch verschieben sich auch die mündlichen Prüfungen nach hinten – am Ende könnte es für die Bewerbungsfristen an Universitäten und Hochschulen knapp werden. Das ist die Folge eines bundesweiten Projekts: dem Deutschlandabitur.

Begonnen hat das Abitur an den beruflichen Gymnasien bereits vergangene Woche. Die Schüler legten zuerst eine schriftliche Prüfung in ihrem sechsstündigen Profilfach ab – je nach schulischer Ausrichtung war das etwa im Fach Biotechnologie, Wirtschaft oder Ernährungswissenschaften. Die Deutschprüfung am 25. April markiert das Ende des schriftlichen Abiturs für die 397 Berufs- und Berufsoberschüler in Tübingen und Rottenburg, die dieses Jahr Abitur machen. Auch das ist vergleichsweise spät.

Dass sie ihre Prüfungen in den Profilfächern im Vergleich zu den Klausuren an allgemeinbildenden Gymnasien früher ablegen, ist schon länger üblich. Je nach Schülerzahlen entsteht für die beruflichen Schulen durch die besonderen Fächer, etwa Biochemie, Ernährungswissenschaften oder Informatik, ein höherer Korrekturaufwand. Oft kommen noch praktische Prüfungen hinzu, für die die beruflichen Gymnasien eine längere Prüfungsphase benötigen.

Die Deutschprüfung, die an den beruflichen Gymnasien das Ende der Prüfungszeit bedeutet, läutet an den allgemeinbildenden Gymnasien das schriftliche Abitur gerade erst ein. Für die 1015 angemeldeten Abiturienten an den privaten und staatlichen, allgemeinbildenden Gymnasien in Tübingen, Rottenburg und Mössingen geht die Reifeprüfung an diesem Tag mit den Sternchenthemen zu Georg Büchners „Dantons Tod“, Max Frischs „Homo faber“ und Peter Stamms „Agnes“ im Fach Deutsch erst los. Ausgenommen diejenigen, die bereits einen Tag zuvor ihr Hebraicum ablegen.

Auch das ist gemessen an den Vorjahren sehr spät und bringt Probleme mit sich: Die Korrekturen der Deutschprüfungen zählen erfahrungsgemäß zu den aufwendigsten – und werden lange dauern. Dadurch verschieben sich auch die mündlichen Prüfungen nach hinten. Zwischen dem 7. und 14. Juli schwitzen die Abiturientinnen und Abiturienten in Kolloquien und Präsentationen.

Wieso ist man an beruflichen und an allgemeinbildenden Gymnasien in diesen Jahr so spät dran mit dem Abitur? Der Grund für die späten Termine in beiden Fällen: das so genannte Deutschlandabitur. Es sieht einen gemeinsamen Aufgabenpool für die Abiturienten aller Bundesländer vor. Auch die beruflichen Gymnasien machen dabei mit, allerdings nur im Fach Deutsch. Schon alleine die Teilnahme am Deutschlandabitur in diesem einen Fach führt dazu, dass sich ihre schriftlichen Prüfungen über einen Monat erstrecken.

„Der 25. April war der einzige Termin, der für alle Bundesländer zu machen war“, sagt Stefan Meißner, Pressesprecher für Schule und Bildung am Regierungspräsidium Tübingen (RP). Er hält den Aufgabenpool für einen richtigen Schritt: „Es geht darum, die Bildungsergebnisse über die Ländergrenzen hinaus vergleichbarer zu machen.“

Dass sich die Prüfungsphase der beruflichen Gymnasien deshalb über einen ganzen Monat erstreckt, stößt nicht überall auf Zustimmung: „Ich sehe an dieser Sache zwei Seiten“, sagt Bernhard Kandler, Schulleiter der Mathilde-Weber-Schule in Tübingen. Die Absicht sei keine schlechte, aber er fühle sich eher als Traditionalist: „Wie kann man nicht mit Deutsch anfangen? Das war immer so.“ Außerdem sei der Ablauf auch von den Korrekturen her nicht gerade glücklich: „Deutsch ist ein sehr korrekturaufwendiges Fach – wieso macht man das bei uns als letztes?“

Auf dieser Grundlage erscheint die Teilnahme der beruflichen Gymnasien am Deutschlandabitur ausgerechnet in diesem Fach als nicht gerade glücklich. Denn dadurch sind sie an den späten Termin gebunden. An allgemeinbildenden Gymnasien kommt der Pool auch in den Prüfungsfächern Mathematik, Französisch und Englisch zum Einsatz. In diesen drei Fächern unterscheiden sich die Lehrpläne der beruflichen Gymnasien jedoch zu sehr von denen der allgemeinbildenden. Deutsch war das einzige Fach, für das die Lehrpläne ähnlich genug sind. Den Pool beschloss eine Konferenz aller Kultusminister bereits im Jahr 2012.

Ist das Deutschlandabitur eine Herkulesaufgabe? „Schon ein bisschen“, räumt Meißner ein. Und doch hält er die Pläne für wichtig: „Die Kultusministerkonferenz arbeitet seit 2012 daran, das gesamte schulische Lernen im Bundesgebiet ein Stück weit anzugleichen.“ Aber eben nur da, wo es geht: „Das Ziel ist nicht die vollständige Einheitlichkeit, sondern eine bessere Vergleichbarkeit“, so Meißner.

Die Aufgaben, die an allgemeinbildenden und beruflichen Gymnasien im ganzen Land gestellt werden, müssen nicht aus dem Pool des Deutschlandabiturs stammen, können es aber. Auch landeseigene Aufgabenstellungen bleiben möglich. Ein bundesweiter Termin aller Abiturienten für die Deutschprüfung war trotzdem unumgänglich, damit niemand mögliche Prüfungsinhalte kennt, bevor sie an anderer Stelle gestellt werden.

Wird es für Uni-Bewerbungen zu spät?

Die Bewerbungsfrist für zulassungsbeschränkte Fächer wie Medizin oder Jura an der Uni Tübingen endet am 15. Juli. „Durch eine Bewerbung knapp vor diesem Termin entstehen den Abiturientinnen und Abiturienten keine Nachteile, so die Pressestelle der Uni. Den angehenden Studenten wird also geraten, die Bewerbung bereits vorher vorzubereiten und dann das vorläufige oder endgültige Zeugnis nach Erhalt hinzuzufügen. Die Zeiträume zu verschieben, war nicht möglich: „Nach der Frist stehen noch viele Arbeitsschritte bis zum nächsten Semester an“, so die Pressestelle. Darunter die Bearbeitung der Bewerbungen, die Vergabe der Plätze, die Berücksichtigung der Nachrücker und die Abwicklung der Einschreibungen.

Wer über die Stiftung zur Vergabe von Hochschulplätzen (ehemals ZVS) auf einen Studienplatz hofft, der über das bundesweite Auswahlverfahren vergeben wird, muss zwei Schritte durchlaufen. Der erste ist die Onlinebewerbung, deren Frist für Neuabiturienten ebenfalls am 15. Juli abläuft. Für sie ist zunächst kein Abiturzeugnis nötig. Es wird erst für den zweiten Schritt wichtig: den Versand der notwendigen Unterlagen. Für die Bewerberinnen und Bewerber, die erst 2017 ihr Abitur gemacht haben, endet diese Frist für das Einreichen der vollständigen Unterlagen zwei Wochen später am 31. Juli. Auch hier entstehen den Bewerbern keine Nachteile, wenn sie ihre Unterlagen kurz vor Ende der Frist einreichen.

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06.04.2017, 01:00 Uhr

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