Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden. OK Weitere Informationen

Die eingefrorene Google-Karte

Weil es Streit mit Datenschützern gibt, aktualisiert der US-Konzern Street View nicht

Vor fünf Jahren kochte in Deutschland die Stimmung gegen den Panorama-Dienst Google Street View hoch. 244 000 Haushalte ließen Gebäude verpixeln. Google lässt jetzt im Netz nur alte Bilder stehen.

19.11.2015

Von ANDREJ SOKOLOW, DPA

Berlin Städte verändern sich, Häuser werden abgetragen und neu gebaut, die Straßenführung umgeplant. Aber wer in Deutschland wissen will, wie seine Nachbarschaft vor fünf oder sieben Jahren aussah, hat eine aufwendig gestaltete Gedächtnisstütze: Google Street View. Denn anders als in anderen Teilen der Welt blieb hierzulande im digitalen Panorama-Dienst des Internet-Riesen die Zeit stehen. Seit dem Start für 20 große Städte in Deutschland gestern vor fünf Jahren ist Street View weder aktualisiert noch erweitert worden. Und die auf Antrag der Einwohner unkenntlich gemachten Gebäude bleiben auch bis auf weiteres verschwommen - denn unwiederbringlich verpixelt wurde in den Original-Aufnahmen.

Google macht deutlich, dass sich daran auch nichts ändern wird, solange die Einwohner weiterhin das von Datenschützern erkämpfte Recht haben, der Veröffentlichung von Abbildungen ihrer Wohnhäuser schon vorab zu widersprechen, bevor die Aufnahmen überhaupt online gehen. "Solange dieser Punkt besteht, wird es keine neuen Aufnahmen von deutschen Straßen geben", sagt eine Sprecherin.

Die Vorab-Verpixelung anhand gemeldeter Adressen habe nicht nur einen großen Aufwand bedeutet, sondern auch zu Fehlern geführt, die vermeidbar gewesen wären, argumentiert sie. Googles Kamerawagen seien zwar seitdem in Deutschland unterwegs gewesen - aber nur um herkömmlichen Stadtpläne zu aktualisieren, nicht Street View.

Die Debatte um Street View kochte schon lange vor dem Deutschland-Start des Dienstes hoch. "Ich kann mir anhand von solchen Diensten anschauen, wo und wie jemand lebt, welche privaten Vorlieben er oder sie hat, wie seine Haustür gesichert ist oder welche Vorhänge an den Fenstern sind - und das ist noch das Wenigste", warnte Anfang 2010 die damalige Verbraucherschutzministerin Ilse Aigner (CSU). "Damit wird das Private ohne Schutzmöglichkeiten an die globale Öffentlichkeit gezerrt."

Auch der Bundesdatenschutz-Beauftragter Peter Schaar witterte Einfluss für den Internet-Riesen. "Google kann die Fotos von den Häusern, Straßen und Menschen mit anderen Informationen verknüpfen", sagte er. "Wie und wo man wohnt, kann Rückschlüsse auf die Einkommensverhältnisse zulassen."

Zudem leistete sich Google auch noch einen gravierenden Fehltritt: Wie sich nach Nachforschungen des Hamburger Datenschützers Johannes Caspar herausstellte, war die Software der Kamerawagen so programmiert, dass sie Informationen aus ungeschützten Wlan-Netzen aufgriffen. Google sprach von einem Fehler eines einzelnen Mitarbeiters, doch international gab es massiven Ärger mit den Behörden bis hin zu Strafen auch in den USA.

Gestartet war Street View im Mai 2007 zunächst in den USA. Seit 2008 wurden Gesichter in den Aufnahmen automatisch unkenntlich gemacht. Vor Deutschland war der Dienst bereits unter anderem in Großbritannien verfügbar. Dort konnten Bürger ihre Häuser in den Ansichten nach der Veröffentlichung verfremden lassen.

In den vergangenen Jahren fuhren auch andere Firmen wie Nokia oder Microsoft deutsche Straßen mit Kamerawagen ab, starteten aber keinen Street-View-Konkurrenten. Aktuell schickt Apple seine Kamera-Autos nach Frankreich und Italien - für Deutschland gibt es bisher keine Ankündigungen.

Ein Kameraauto des Internetdienste-Anbieters Google bei eine Fahrt durch Berlin. Gestern war der 5. Jahrestag des Starts des Panorama-Dienstes. Foto: dpa

Zum Artikel

Erstellt:
19. November 2015, 12:00 Uhr
Aktualisiert:
19. November 2015, 12:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 19. November 2015, 12:00 Uhr

Artikel empfehlen

Artikel Aktionen