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Hand-Werk

Weinberg-Party

Baden-württembergische Weine genießen mittlerweile einen ganz exzellenten Ruf unter den Kennern. Der Tübinger „Weinbau Gugel“ jedenfalls setzt bei seiner Rebenproduktion auf einheimische Gewächse aus der „Sonnenhalde“, deren Hänge sich von Hirschau über Unterjesingen bis nach Tübingen erstrecken. Die gesamte Arbeit im Weinberg bis zum fertigen Produkt wird noch immer im Familienverbund erledigt.

22.05.2015
  • TEXT: Werner Bauknecht | FOTOS: Ulrich Metz / Erich Sommer

Wer von Tübingen aus Richtung Hagelloch fährt, dem nordwestlichen Stadtteil, kann zwei Mal im Jahr linker Hand, gleich nach Ortsausgang, einen Besen hängen sehen. Der weist dem Besucher den Weg zur Besenwirtschaft des Weinguts Gugel. Hier schenkt der Familienbetrieb jeweils im Frühjahr und im Herbst seine selbst angebauten und hergestellten Weine aus.

Der Weinbau Gugel ist ein Traditionsbetrieb der Branche. Begonnen hat es mit dem Weinberg der Oma auf dem Kreuzberg. Inzwischen bearbeitet Enkel Christian Gugel im Nebenerwerb drei Hektar Anbauflächen. Für die Region ist das viel. Lange hat sein Vater Hermann auf etwa 20 Ar angebaut, ehe immer mehr Flächen dazu kamen. Weinbau ist Knochenarbeit, und der Vater erledigte damals seine Aufgaben im „Wengert“ (Weinberg) parallel zu seinem Beruf des Feuerwehrmannes und einer Landwirtschaft nebenher.

Dabei wollte Sohn Christian nicht unbedingt in steilen Abhängen Trauben pflücken. Okay, eine gewisse Hingezogenheit zum Weinberg und allem was daraus resultiert, gab es schon. Immerhin war er in den Clan eingebunden und verbrachte viele Stunden seiner Jugend helfend im Wengert. Dennoch absolvierte er erst mal eine Schreinerlehre. Aber schließlich, man ahnt es, besuchte er doch die Meisterschule in Weinsberg. Zwei Winterhalbjahre dauerte die Ausbildung auf der „Staatlichen Lehr- und Versuchsanstalt für Wein- und Obstanbau“ bis zur Meisterprüfung.

Das Gelernte konnte er gleich zu Hause in die Praxis umsetzen. Er legte die Weinhänge anders an, damit sie einfacher zu bearbeiten sind. Der Newcomer achtete darauf, alle Weinstile abzudecken. Dazu bedurfte es der Expansion. Also pachteten sie weitere Wengert dazu, bis sie zur heutigen Anbaufläche von 3 Hektar kamen.

„Wenn man im Weingeschäft dauerhaft Erfolg haben will“, erklärt Gugel, „dann muss man selbst zur Marke werden. Da unterscheiden wir uns nicht von den größeren Weingütern in anderen Regionen.“ Schon durch das Styling eines eigenen Etiketts sorgte er für Corporate Identity. Er sorgte dafür, dass sie je Saison ständig drei Weiße, drei Rosé und mindestens drei Rote produzierten. In Zusammenarbeit mit dem Weinsberger Institut kommen dabei ständig neue Arten dazu. Dennoch sind nach wie vor die Klassiker aus Württemberg angesagt, also der Trollinger und der Riesling. „Deren Qualität ist gigantisch“, schwärmt Gugel. Der Hit zur Zeit ist der rote Muskateller. Und der Rivaner, der sich, der Name belegt es, aus Riesling und Sylvaner zusammensetzt. Gugels persönlicher Lieblingswein ist ein Sauvignon Blanc. „Um den kümmere ich mich persönlich, das ist so ein Art Hobby von mir.“

Eine der Neuzüchtungen im Hause Gugel, von Weinsberg 1970 vorgestellt, ist der Cabernet Mitos. Außerdem präsentieren sie Barrique-Weine. Dabei werden vorwiegend Rotweine in einem 225 Liter fassenden Eichenfass gelagert. Diese atmen durch das Holz und erhalten einen rauchigen, vanilligen Geschmack.

Bei den Gugels gibt es alles aus einer Hand. Vom Weinanbau über den gesamten Produktionsprozess bis zu Vermarktung und Vertrieb. Sie leben hauptsächlich vom Direktverkauf in der Region. Es gibt feste Zeiten, zu denen man im Laden auf dem Gut Weine kaufen kann. „Wir haben sehr viele Stammkunden.“ Und sie beliefern Weinhandlungen oder Läden, die Regionalprodukte im Angebot haben. Restaurants gehören eher nicht zu den Abnehmern. „Dazu müssten wir die Weine zu lange auf Vorrat halten. Die Gastronomen wollen ihre Getränkekarte ja nicht ständig dem Weinangebot anpassen.“

Möglich ist die Aufrechterhaltung des Betriebes nur dadurch, dass außer der Familie die Freunde Christians, aber auch die des Vaters im Weinberg mithelfen. Eigene Angestellte gibt es nicht. „Das hat schon was von einer Party, wenn wir da alle zusammen arbeiten“, sagt Christian Gugel lachend.

Höhepunkte jedes Jahres ist die Besenwirtschaft. Für private Feste oder Vereinsveranstaltungen kann man die Räumlichkeiten auch samt Catering buchen. Zum Kultereignis wurde das Weinfest im August. Der ganze Hof wird drei Tage zur Partymeile. „Alleine schon für diese Veranstaltung muss ich immer etliche Kartons Wein auf Vorrat halten, damit er uns nicht ausgeht.“

Weinberg-Party
Winzer Christian Gugel arbeitet schon viele Jahre in seinem Weinberg am Kreuzberg in Tübingen, wie das Archivbild oben zeigt. Die Produkte schmecken auch ihm selbst. Gugels Lieblingswein ist ein Sauvignon Blanc.

Weinberg-Party

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22.05.2015, 12:00 Uhr

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