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Wie gucken?

„Weiß nicht – ist halt cool!“

Fußball-Euphorie, fast privat: Stella Reinartz geht ins Musische Internat Martinihaus in Rottenburg: gepflegtes Kicken-Gucken, eher ohne Randale.

01.07.2014

Das USA-Spiel schaute ich mir „zuhause“ an – im Internat Martinihaus in Rottenburg, gemeinsam mit den anderen „Gecken“ – denn so nennt man uns Jugendliche, die im Internat wohnen und zur Schule gehen.

Ziemlich gemütlich machte ich es mir in unserem eigenen Kino-Saal, mit rund zwanzig Gecken und mit allem, was die Farben Schwarz, Rot und Gold an sich hat. Ohne Ausnahme hofften wir alle auf den Sieg der deutschen Mannschaft. Die Stimmung war gelassen – doch Leonie (13), die sich das Spiel bis zum Ende ansah, gab schon bekannt: Sie kriege immer einen Herzkasper, eigentlich könne sie sich Fußball gar nicht anschauen.

Neben den total Fußballbegeisterten saßen auch einige dabei, die einfach das gemeinsame Schauen und leichte Bibbern mit den Anderen genießen: In der ersten Hälfte, in der kein einziges Tor fiel, wurde sich auch über ganz Anderes unterhalten. Kam es jedoch zu einer Torchance für die eine oder andere Mannschaft wurde es sofort mucksmäuschenstill. Und nachdem die Chance mal wieder vermasselt war, gab es das deutliche Raunen:, „Uhhh...“ oder „Ohhh…“.

Josef Albrecht, der Chef unseres katholisch geprägten Internats, war sogar so mitgerissen, dass er mit Äußerungen wie „Herr Gott, O Mann!“ wiederholte Male leicht zu fluchen begann. Mir selbst erschien es nach einiger Zeit, dass für manche das Spiel selbst langweilig wurde: Jeder wollte den Ball endlich im Netz der USA zappeln sehen. Doch als jemand unbeabsichtigt vor der Leinwand stand, meldete sich Maria(13) lautstark: Sie könne etwas verpassen! Auf die Frage, was Maria mit „etwas“ meint, antwortete sie ganz überrascht: „Weiß nicht… dass halt ein Tor kommt, das will ich sehen.“

Warum in aller Welt bleibt man neunzig Minuten lang still sitzen – um einfach den Ball ins Tor fliegen zu sehen? Ähnlich wie Maria antwortete mir Luca (16): „Weiß nicht … Fußball ist halt cool“. Und trotzdem, meint er, erlebt er nirgendwo anders eine derart „große Begeisterung“. Ist es das, was so einen Fußballabend ausmacht? Natürlich! So konnte ich es in unserem kleinen Kino beobachten: Es ist schließlich das Große und Ganze, das dahinter steckt. David (19) glaubt, es sei sicher der Nationalstolz, der ihn und andere dazu bewegt.

Draußen in der Sonne saß während des Spiels Jennifer (14). Tatsächlich: Sie kann mit Fußball gar nichts anfangen. „Da rennen nur 22 Leute einem Ball hinterher“, sagt Jennifer. Doch auch für sie, wie für alle anderen Gecken, die das Spiel nicht verfolgt hatten, war das Jubeln der anderen nicht zu überhören, als die deutsche Nationalmannschaft gewonnen hatte. STELLA REINARTZ

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01.07.2014, 12:00 Uhr

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