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Ein Hochzeitsgast

Weitenburg grüßt Hohenzollern in Potsdam

Zwar wurde die Gästeliste der heutigen „Preußen-Hochzeit“ als Geheimnis gehütet, doch von mindestens einem Teilnehmer aus dem Kreis Tübingen hat die SÜDWEST PRESSE gestern erfahren: Max Richard Freiherr von Rassler, der Schlossherr der Weitenburg oberhalb von Sulzau, ist unter den mehr als 700 Geladenen, die heute in Potsdam in der Friedenskirche im Park von Schloss Sanssouci bei der Eheschließung zwischen Georg Friedrich von Preußen (dem derzeitigen Chef des Hauses Hohenzollern) und seiner „Sandkastenliebe“ Sophie von Isenburg persönlich zugegen sein dürfen. Bei der Hochzeit „unseres William und unserer Kate“, wie Adelsblätter mit melancholischem Konjunktiv seufzen. Wäre nämlich die Monarchie in Deutschland nicht schon vor fast einem Jahrhundert (1918) abgeschafft worden (und auch einiges andere nicht passiert), wäre der Bräutigam heute ein Kollege der Queen von England. Und dann wäre diese möglicherweise zum Royal Wedding ihres deutschen Urgroßneffen gekommen.

27.08.2011

Was sie so aber nicht für nötig hält, ebensowenig wie William und Kate.

Max Richard von Rassler hat zum Brautpaar keinerlei verwandtschaftliche Beziehung. Schon aus historischer Tradition: Die schwäbischen Ritter, von denen sich sein Adelsgeschlecht herleitet, unterstanden einst dem habsburgischen Kaiser in Wien. „Sie hatten keine Verbindung zu den Preußen?, sagt von Rassler. Doch über die einstige Feindschaft, die noch im 18. Jahrhundert in furchtbaren Schlachten ausgetragen wurde, ist längst das Gras der guten Nachbarschaft gewachsen: Als Schlossbesitzer und -bewirtschafter kooperieren die Herren der Weitenburg und der Hohenzollernburg freundschaftlich miteinander ? und auf Augenhöhe. Denn vor dem Motto des gestrigen Benefizkonzerts der „Prinzessin Kira von Preußen-Stiftung? im Berliner Konzerthaus am Gendarmenmarkt, „950 Jahre Hohenzollern?, braucht von Rassler sich nicht zu verstecken: Die erste Erwähnung der Weitenburg war 1062, nur ein Jahr nach der Zollernburg. Ein Wimpernschlag im Lauf von fast tausend Jahren. (Das Stiftungskonzert, das sonst in Hechingen stattfand, fällt dort in diesem Jahr aus.)

Das Heiraten spielt in der vor allem touristischen Kooperation zwischen Weiten- und Zollernburg übrigens ebenfalls eine Rolle. Die beiden Schlösser bieten japanischen Brautpaaren ein Hochzeitspaket: Übernachtung auf der Weitenburg, Friseur, Visagistin, Einkleidung in ein Nostalgie-Brautkleid, Fahrt in der Limousine auf den Hohenzollern, dort Trauzeremonie in der Burgkapelle, Burgführung und Empfang. Selbstverständlich wird alles auf Video dokumentiert.

Aufgrund von Erdbeben, Tsunami und Atomkatastrophe sei in diesem Jahr die Nachfrage etwas eingebrochen, sagt von Rassler. Aber in normalen Jahren kämen sie auf etwa 15 japanische Hochzeitspaare.

Neben zahlreichen europäischen (Hoch-)Adelsvertretern wird von Rassler in Potsdam auch ein paar bürgerliche Repräsentanten von der Alb treffen: Hechinger Rathaus-Vertreter und Anja Hoppe, die Verwalterin der Hohenzollernburg. Ihre Einladung zur Preußen-Hochzeit soll wohl auch die Enttäuschung darüber kompensieren, dass die „deutsche Hochzeit des Jahres? nicht in der schwäbischen Außenstelle der Hohenzollern stattfand.

Auch mit Hoppe arbeitet von Rassler zusammen: Beide sind Gründungsmitglieder der Arbeitsgemeinschaft „Schlösser, Burgen und Gärten in Baden-Württemberg?. Die beteiligten Touristenziele zählen zusammen sechs Millionen Besucher im Jahr. „Weit mehr als der Europapark Rust?, wie von Rassler betont. Am Adel zieht eben das Echte. Ulrike Pfeil

„Als Nachbar“ zur Preußen-Hochzeit in Potsdam geladen: Max Richard Freiherr von Rassler. Archivbild: Mozer

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Erstellt:
27. August 2011, 12:00 Uhr
Aktualisiert:
27. August 2011, 12:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 27. August 2011, 12:00 Uhr

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