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Nun auch Steuerhinterziehung?

Weitere Ermittlungen gegen VW - Audi gesteht Einsatz von Schummelsoftware

Gegen VW wird nun im Rahmen des Abgasskandals auch wegen des Verdachts auf Steuerhinterziehung ermittelt, teilt die Staatsanwaltschaft Braunschweig mit. Auch auf Audi und Porsche wächst der Druck.

25.11.2015
  • DPA

Volkswagen kommt einfach nicht zur Ruhe. Bereits seit einigen Wochen steht der Wolfsburger Autobauer im Fokus der Staatsanwaltschaft Braunschweig, die unter anderem wegen Betrugsverdachts ermittelt. Gestern hat sie ihre Ermittlungen ausgeweitet und prüft nun auch den Verdacht der Steuerhinterziehung.

Es sei deshalb ein zusätzliches Verfahren im Zusammenhang mit den falschen CO2-Angaben eröffnet worden, sagte Oberstaatsanwalt Klaus Ziehe gestern. "Es gibt derzeit fünf Beschuldigte, bei denen ein Anfangsverdacht auf Straftaten bejaht worden ist". Sie stammten "aus dem Bereich des VW-Konzerns", sagte Ziehe.

Der Vorwurf: VW habe durch die Manipulation der Kohlendioxid-Werte auch die Grundlage für die Berechnung der Kfz-Steuer verfälscht. Wenn hier zu geringe Werte angegeben werden, könne dem Staat ein entsprechender Schaden aus zu geringen Steuerzahlungen entstanden sein. Doch die Vorwürfe der Braunschweiger Staatsanwaltschaft sind nur eine von mehreren Hiobsbotschaften, die den Konzern gestern ereilten.

Denn in den USA erhärten sich weitere schwerwiegende Vorwürfe: Auch in größeren Dieselautos von VW und den Konzerntöchtern Audi und Porsche hat eine verbotene Software für niedrigere Abgaswerte gesorgt. Audi räumte bereits am Montagabend die Installation der Schummelsoftware in V6 TDI 3,0-Liter-Motoren ein. Bislang hatte der Konzern in den USA nur zugegeben, bei 2,0-Liter-Motoren gezielt getrickst zu haben.

Der Konzern bestreitet dennoch weiter eine vorsätzliche Täuschung. Ein Sprecher sagte, es handele sich bei dem strittigen Programm nicht um eine Manipulations-Software: "Dann müsste das System auf dem Prüfstand anders agieren als auf der Straße - das ist aber nicht der Fall. Das Fahrzeug erkennt nicht, wenn es auf dem Prüfstand steht."

Audi sei deshalb zunächst davon ausgegangen, dass die fraglichen Software-Komponenten nicht genehmigt werden müssten, erklärte der Sprecher. Für die US-Regulierer zählt aber, dass die Software in den USA illegal ist und der Hersteller sie über Jahre nicht vorschriftsgemäß angemeldet hat.

Trotz der verheerenden Nachrichten stellt sich Audi demonstrativ hinter Vorstandschef Rupert Stadler. "Herr Stadler treibt die Aufklärung mit hohem Nachdruck persönlich voran", erklärte ein Unternehmenssprecher in Ingolstadt. "Als klar wurde, dass unerlaubte Software-Bestandteile enthalten sind, hat Audi mit CEO Stadler an der Spitze unverzüglich gehandelt und die Software den US-Behörden offengelegt."

Audi hat nach eigenen Angaben mit den Umweltbehörden weitere Schritte der Zusammenarbeit vereinbart und volle Kooperation versprochen. Der Verkaufsstopp für die betroffenen Modelle sei bis auf weiteres verlängert worden. Das Unternehmen werde das Programm nun überarbeiten, detailliert dokumentieren und in den USA erneut zur Genehmigung vorlegen. Das Unternehmen schätzt den finanziellen Aufwand auf "einen mittleren zweistelligen Millionenbetrag".

VW hat derweil Vorwürfe zurückgewiesen, Anfang November die Öffentlichkeit bewusst falsch über Manipulationen bei Audi-Diesel-Motoren informiert zu haben. "Es bestand eine unterschiedliche Auffassung zur technischen Bewertung des Sachverhalts. Dies ist Gegenstand der aktuellen Diskussion mit den amerikanischen Behörden", sagte ein VW-Sprecher gestern in Hannover. Das Unternehmen hatte Anfang November noch kategorisch abgestritten, dass die Software genutzt wurde, "um die Abgaswerte in unzulässiger Weise zu verändern."

Der Diesel-Skandal bei Audi bringt auch Porsche zunehmend in Bedrängnis. Von den entsprechenden US-Ermittlungen seien nun etwa 13 000 Cayenne-Modelle betroffen, bisher sei man von 3000 ausgegangen, sagte ein Firmensprecher. Nun stehen auch Modelle ab 2013 und nicht erst - wie bisher bekannt - ab 2015 im Fokus. Die VW-Tochter Porsche bezieht ihre Diesel-Motoren von Audi.

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25.11.2015, 08:30 Uhr | geändert: 25.11.2015, 06:01 Uhr

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