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Griechenlands Großbanken im Stress

Weitere Finanzhilfen von bis zu 14,4 Milliarden Euro nötig - Dennoch erleichterte Reaktionen

Die vier größten Kreditinstitute Griechenlands brauchen weitere Milliarden. Ergebnis eines Stresstests: Im schlechtesten Fall benötigen sie nach Angaben der Europäischen Zentralbank bis zu 14,4 Mrd. Euro.

02.11.2015
  • GERD HÖHLER

Athen Aufatmen in den Chefetagen der griechischen Banken, im Athener Finanzministerium und bei der EU-Kommission: Der Kapitalbedarf der vier systemrelevanten griechischen Banken ist geringer als anfangs angenommen und durch die bereits vorgesehenen Hilfsgelder mehr als gedeckt. Die vier Institute Piraeus Bank, Eurobank, National Bank of Greece und Alpha Bank benötigen nach Einschätzung der Europäischen Bankenaufsicht im ungünstigsten Fall bis zu 14,4 Mrd. EUR.

Das ist das Resultat einer Überprüfung der Vermögenswerte und eines Stresstests der Banken. Die Europäische Zentralbank (EZB) veröffentlichte die Ergebnisse am Samstag in Frankfurt. Danach benötigen die Banken in einem so genannten Basisszenario 4,4 Mrd. EUR frisches Kapital, um die europäischen Regulierungsvorschriften zu erfüllen. Unter Annahme einer ungünstigen Wirtschaftsentwicklung steigt der Kapitalbedarf auf 14,4 Mrd. EUR.

Damit hätten die griechischen Banken "gute Kapitalpuffer, die ihre Bilanzen stärken und sie in die Lage versetzen, möglichen widrigen makroökonomischen Schocks standzuhalten", teilte die EZB mit. In früheren Schätzungen wurde der Kapitalbedarf auf bis zu 20 Mrd. EUR beziffert.

Der Stresstest zeige, dass die griechischen Institute auch in schwierigen Zeiten überleben können, hieß es in Bankenkreisen. Finanzminister Euklid Tsakalotos bezeichnete die Zahlen als zufriedenstellend. Das Ergebnis der Prüfung sei ermutigend, hieß es bei der EU. Größtes Problem der griechischen Banken sind die notleidenden Kredite. Aktuell werden mehr als 40 Prozent der ausgereichten Darlehen nicht mehr bedient. Die Kreditausfälle zehren an der Kapitaldecke.

Für die Rekapitalisierung der griechischen Banken sind im dritten Griechenland-Rettungspaket, das im vergangenen Sommer geschnürt wurde, 25 Mrd. EUR vorgesehen. Die zur Bankenrettung bereitgestellten Gelder muss Griechenland in den nächsten Jahren aus Privatisierungserlösen zurückzahlen. Die griechischen Banken müssen nun bis zum 6. November der EZB ihre Pläne für eine Rekapitalisierung vorlegen. Dabei kommen zunächst private Investoren zum Zug. Die verbleibende Lücke soll mit Geldern aus dem Rettungspaket geschlossen werden. Die öffentlichen Finanzspritzen werden über den griechischen Bankenrettungsfonds HFSF verabreicht.

Die Zeit drängt: Die Rekapitalisierung soll bis zum Jahresende abgeschlossen sein, sonst müssen nach einer neuen europäischen Richtlinie auch Bankkunden mit Einlagen von mehr als 100 000 EUR zur Kasse gebeten werden, bevor Steuergelder in die Bankenrettung fließen.

Die vier großen Athener Banken hatten beim Schuldenschnitt vom Februar 2012 einen Großteil ihres Eigenkapitals verloren. Sie erhielten in der Folge 37 Mrd. EUR an Finanzhilfen. 2014 waren sie, wie die griechische Wirtschaft, auf einem guten Weg. Das änderte sich mit dem Wahlsieg des radikalen Linksbündnisses Syriza im Januar 2015. Aus Angst vor einer Rückkehr zur Drachme zogen Firmen und Privatkunden massiv Einlagen ab. Mit seiner Ankündigung einer Volksabstimmung über das Sparprogramm löste Premierminister Alexis Tsipras Ende Juni einen landesweiten Ansturm auf die Geldautomaten aus. Um einen drohenden Zusammenbruch des Bankensystems abzuwenden, ließ die Regierung die Geldinstitute für drei Wochen schließen und führte Kapitalkontrollen ein.

Weitere Finanzhilfen von bis zu 14,4 Milliarden Euro nötig - Dennoch erleichterte Reaktionen
Viele Griechen hoben massenhaft Geld ab, weil sie Angst vor der Rückkehr zur Drachme hatten. Das vergrößerte die Probleme der Banken. Foto: afp

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02.11.2015, 12:00 Uhr

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