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Eine Frau mit Sinn und Geld für Musik

Weiterer Vorschlag für Straßennamen: Christiane Bauder wäre ebenfalls eine geeignete Namenspatronin

Der SÜDWEST PRESSE-Artikel über bislang fehlende Frauen als Vorbilder bei der Vergabe von Straßennamen (29. August) hat viele Leser zum Nachdenken angeregt. Dem Aufruf, weitere Vorschläge zu machen, ist Ursula Eggenweiler prompt gefolgt – und hat Christiane Bauder ins Spiel gebracht.

02.09.2015
  • cristina priotto

Sulz. 350 Straßen gibt es in Sulz und den Stadtteilen insgesamt, davon huldigen 41 Straßen und Wege berühmten Männern. Lediglich eine einzige Straße – die Lina-Hähnle-Straße – erinnert bislang an eine weibliche Persönlichkeit. Da besteht Nachholbedarf, fand die SÜDWEST PRESSE, und hat am vergangenen Samstag nicht nur auf diesen Missstand hingewiesen, sondern gleich auch einige Vorschläge gemacht: Die selbstverständlich beliebig verlängerbare Liste enthielt Namen wie Hildegard (Ehefrau Karls des Großen, die ihren späteren Gatten auf der Burg Wehrstein in Fischingen kennenlernte), Amélie Mathilde Pauline Brandecker-Pfäfflin (Leiterin des „Unterhaltungsblatts“ und des Zeitungsverlags des „Amts- und Intelligenzblatts für den Oberamtsbezirk Sulz“), Helene Müller (Schriftstellerin aus Hopfau), Susanne Lorenzsonn (Gründerin und erste Leiterin des Altenheims „Katharinenstift“), Ursula Muskalla (Gründerin und Leiterin des Kinderheims im „Haus Friedensborn“), Evelyne Marie France Neff (SPD-Politikerin und Trägerin des Bundesverdienstkreuzes) sowie Else Plocher (Bäuerin, die im Zweiten Weltkrieg auf ihrem Hof flüchtige Kriegsgefangene versteckte).

Leserin Ursula Eggenweiler ist auf den Artikel hin eine weitere Frau eingefallen, die ebenfalls Verdienstvolles geleistet hat und an die mit einem Straßennamen erinnert werden könnte: Christiane Gottliebin Bauder (1777 bis 1834). Als 18-Jährige erlebte die jüngste Tochter des Dekans Johann Georg Bauder im Jahr 1794 den verheerenden Stadtbrand und die daraus folgende Not und Verzweiflung der Sulzer Bürger. Beeindruckt war die junge Frau, deren Vater eine vielbeachtete „Brandpredigt“ zum Trost der Bürger hielt, allerdings auch vom Engagement zum Wiederaufbau. Aus Verbundenheit zu ihrer Stadt und deren Menschen wollte Christiane Bauder etwas Bleibendes schaffen und gründete im Jahr 1817 im Alter von 40 Jahren mit Mitteln aus dem Nachlass ihres Vaters mit 2000 Gulden eine Stiftung „zur Beförderung des religiösen Gesangs“, die „Bauder‘sche Gesangsanstalt“. Heute trägt der evangelische Chor den Namen „Bauder-Kantorei“ und ist als ältester Kirchenchor Württembergs noch aktiv. Die Satzungsziele von damals – die Aufführung anspruchsvoller mehrstimmiger Kirchenmusik bei Gottesdiensten, Hochzeiten und Beerdigungen – gelten nach wie vor, was ein Blick in den Aufführungskalender der Bauder-Kantorei verdeutlicht.

Obwohl die Stiftung Christiane Gottliebin Bauders vor fast 200 Jahren den Grundstein zu einem kulturellen Aushängeschild der Stadt gelegt hat, wird die großzügige Mäzenin bislang nicht in Form einer nach ihr benannten Straße gewürdigt. Auf dem alten Friedhof erinnert indes ein Epitaph oder Grabdenkmal in einer freistehenden Dreier-Gruppe an die wohltätige Spenderin: Links neben dem Epitaph des Dekans steht das der Gründerin der Bauder-Kantorei, rechts neben dem des Vaters ist das von Ehefrau Maria Agnes Bauder platziert worden. Angefertigt hat die Denkmale ein Bildhauer aus Renfrizhauser Schilfsandstein. Auffallend ist, dass das Epitpath für die Bauder-Tochter recht aufwendig gestaltet ist – während das ihrer Mutter wesentlich bescheidener ausfällt. Die Inschrift lautet „Der Herr, der Ihr Schirm und Schild war im Leben, Sei nun auch ihr großer Lohn im Himmel“.

Sollte in Sulz eine Straße nach Christiane Bauder benannt werden, erhielte die Gründerin der Bauder-Kantorei posthum ein weiteres Schild im Leben heutiger Bürger als irdischen Lohn.

Weiterer Vorschlag für Straßennamen: Christiane Bauder wäre ebenfalls eine geeignete

Die SÜDWEST PRESSE hat ein paar Vorschläge zusammengetragen, welche Frauen wegen ihres Engagements als Namenspatinnen für neue Straßen in Sulz in Frage kommen könnten.
Wenn Ihnen weitere Frauen mit lokalem Bezug zu Sulz einfallen, die Verdienstvolles geleistet haben, aber in Vergessenheit geraten sind, schreiben Sie uns: Per Post an SÜDWEST PRESSE, Redaktion Neckar-Chronik, Schillerstraße 22, 72160 Horb oder per E-Mail an nc@neckar-chronik.de.

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02.09.2015, 12:00 Uhr

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