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Keine leichte Arbeit

Welche Hürden große Firmen nehmen müssen, um Flüchtlinge zu beschäftigen

Fehlende Ausbildungsnachweise und Deutschkenntnisse, strenge Vorschriften bei der Einstellung, unsichere Bleibechancen - es ist nicht einfach, Flüchtlinge einzustellen. Konzerne bemühen sich trotzdem.

18.11.2015
  • ANNIKA GRAF, DPA

Stuttgart Die BASF-Sprecherin ist ehrlich: "Natürlich ist das nur ein Tropfen auf den heißen Stein." Verschiedene deutsche Konzerne bemühen sich, Flüchtlinge zu beschäftigen oder auszubilden. Dabei geht es vor allem um Praktika und Qualifizierungsmaßnahmen für Flüchtlinge, die sich nicht einfach bei den Firmen im Rahmen normaler Stellenausschreibungen bewerben.

Die Zahlen sind meist niedrig - wenn überhaupt schon Initiativen ergriffen wurden. Denn auch die großen Unternehmen lernen erst, mit der Situation umzugehen. Einige Beispiele: BASF (Ludwigshafen, rund 50 000 Mitarbeiter in Deutschland) hat im Oktober begonnen, 50 Flüchtlinge für den Einstieg ins Berufsleben vorzubereiten. Grundlage ist ein Programm, mit dessen Hilfe BASF normalerweise Jugendlichen mit schlechten Aussichten auf dem Arbeitsmarkt hilft. Das sei auf die Bedürfnisse von Flüchtlingen übertragen worden, sagte eine Sprecherin. Ziel ist es, dass die Flüchtlinge in einem Jahr eine Ausbildung beginnen oder einen Job annehmen können. Zunächst wird der Qualifizierungsgrad festgestellt, um die Flüchtlinge dann mit Sprachkursen und Qualifizierungsmaßnahmen fit für einen Einstieg ins Berufsleben zu machen. Ähnliche Pläne verfolgt der Sportwagenbauer Porsche, der Flüchtlingen kommendes Jahr ein so genanntes Förderjahr ermöglichen will.

Auch Siemens (München, rund 115 000 Mitarbeiter in Deutschland) will im kommenden Jahr bis zu 100 Flüchtlingen Praktika bieten, die sich noch im Asylverfahren befinden. Bislang läuft das Programm in Erlangen mit 10 Plätzen, es soll auf andere Standorte ausgeweitet werden. Hinzu kommen vier Förderklassen für jeweils 16 Flüchtlinge. Siemens hatte 2012 ein Ausbildungsprogramm für junge Menschen aus Europa aufgelegt. Diese Erfahrungen würden nun genutzt.

In der vergangenen Woche haben bei dem Autobauer Daimler 40 Flüchtlinge ein so genanntes Brückenpraktikum in Zusammenarbeit mit der Bundesagentur für Arbeit begonnen. Es dauert nur 14 Wochen, die Teilnehmer wurden von der Bundesagentur ausgewählt. Ziel ist es, die Flüchtlinge soweit zu bringen, dass sie sich bei anderen Unternehmen, Zeitarbeitsfirmen oder für eine Ausbildung bewerben können. Sie erlernen einfache Arbeiten in der Produktion wie eine Maschine bestücken oder Bauteile sortieren. Finanziert werden die ersten sechs Wochen von der Bundesagentur, danach zahlt Daimler den Mindestlohn und übernimmt die Deutschkurse. Daimler (170 000 Mitarbeiter in Deutschland) will so künftig mehreren hundert Flüchtlinge an mehreren Standorten helfen.

Die Deutsche Telekom (Bonn, rund 120 000 Mitarbeiter in Deutschland) hat eine Informationsplattform für Flüchtlinge aufgebaut. Außerdem werden seit Anfang September mehr als 70 Praktika auf der Internetplattform "workeer.de" angeboten, die Jobangebote speziell für Flüchtlinge zusammenträgt. Bezahlt werde entweder ein Pauschalbetrag oder der Mindestlohn, so ein Sprecher. Das hänge von der Länge des Praktikums ab. Vom kommenden Herbst an will die Telekom außerdem 100 zusätzliche Ausbildungsplätze für junge Flüchtlinge stellen. "Es ist ein bisschen aufwändiger, aber verlangt kein Übermaß an Anstrengung", sagt ein Sprecher. Er sieht ein anderes Problem: Teilweise seien die Angebote unter Flüchtlingen nicht bekannt.

Die Deutsche Bahn (Berlin, rund 196 000 Mitarbeiter in Deutschland) bietet eine konkrete Umschulung an. 15 berufserfahrene Flüchtlinge mit Erfahrung im Bereich Elektrotechnik werden zu Elektronikern im Betriebsdienst ausgebildet, 9 weitere sollen demnächst hinzukommen. Das Programm dauert 28 Monate, normalerweise braucht die Ausbildung 42 Monate. Die Länge hängt mit der Förderfähigkeit der Bundesagentur zusammen. Können Vorbildungen teilanerkannt werden, gibt es individuelle Ausbildungspläne. Die ersten vier Monate machen die Flüchtlinge einen Sprachkurs.

18 Monate dauerte es, bis das Programm überhaupt mit der Bundesagentur für Arbeit der Stadt München und den zuständigen IHKs entwickelt wurde. "Das ist eine Premiere, ein Lernfeld, es gab so etwas bisher noch nicht", sagt eine Sprecherin. Nachdem die Partner gefunden waren, nahmen die Auswahlverfahren viel Zeit in Anspruch.

Dafür haben die Flüchtlinge eine reale Chance auf einen Job: "Wir wollen alle gern übernehmen", so eine Sprecherin.

Beim Softwarekonzern SAP (Walldorf, rund 18 000 Mitarbeiter in Deutschland) müssen Flüchtlinge einen Hochschulabschluss oder eine vergleichbare Qualifizierung mitbringen. "Konkret werden wir in den kommenden 12 Monaten mindestens 100 Flüchtlingen, die über ein technisches Grundwissen verfügen, einen Praktikumsplatz in unserem Unternehmen vermitteln", erklärt eine Sprecherin. Die 155 Stellen seien schnell identifiziert worden. Rechtliche und organisatorische Rahmenbedingungen verzögerten den Einstellungsprozess. "Wir benötigen mindestens 4 Wochen Vorlauf vor Einstellung, vorgelagert ist die Prüfung der Aufenthaltsgenehmigung durch die Ausländerbehörde." Bislang seien 20 Bewerbungen eingegangen.

Über die Praktikumsplätze hinaus will SAP 10 Plätze für ein duales Studium im Bereich Wirtschaftsinformatik schaffen, die von 2016 an besetzt werden können.

Welche Hürden große Firmen nehmen müssen, um Flüchtlinge zu beschäftigen
Ein Mitarbeiter (rechts) des Autoherstellers Mercedes erklärt im Mercedes-Benz Werk Untertürkheim einem Flüchtling im Rahmen eines Brückenpraktikums, Montage-Arbeitsschritte. Foto: Daimler AG/dpa

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18.11.2015, 12:00 Uhr

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