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Leitartikel zum Tourismus in globalisierten Zeiten

Welt, Heimat, Urlaub

Die Globalisierung hat spätestens seit der weltweiten Finanzkrise links wie rechts keinen besonders guten Ruf. Doch nicht nur mehr oder weniger verantwortungsvolle Manager sehen ihr Agieren häufig in einem weltweiten Zusammenhang, globales Denken herrscht auch bei den Arbeitnehmern – zumindest in den „schönsten Wochen des Jahres“.

07.03.2018

Von Hajo Zenker

Berlin. So freudig umschrieben wird ja der Urlaub, also die Abwesenheit vom Arbeitsplatz – verbunden mit einer Reise. Der internationale Wettbewerb um diesen Trip wird schärfer und hilft auch den gelegentlich etwas verschlafenen touristischen Zielen in Deutschland auf die Sprünge.

Die Urlaubsreise wird inzwischen von vielen geplant wie von einem Manager, der Absatzmärkte oder Zulieferer sucht. Nordsee-Urlaub ist wegen hoher Personalkosten im Hotel und den gesalzenen Restaurantkosten zu teuer? Kein Problem, da fliegt man einfach in die Dominikanische Republik, wo es für weniger Geld nicht nur wärmer ist, sondern „all inclusive“ Essen und Trinken bis zum Abwinken gibt. Die Globalisierung macht's möglich. Denn immer mehr Regionen aus aller Welt konkurrieren um die Kunden aus Industrie- und Schwellenländern. Was für die einen Erholung bedeutet, ist für die anderen knallhartes Geschäft. Der Tourismus gilt neben der Informationstechnologie als die Wachstumsbranche dieses Jahrhunderts.

Reiseveranstalter, Hotels, Fluggesellschaften gibt es wie Sand am Meer. Wovon die Internationale Tourismus-Börse (ITB) in Berlin, die weltweit größte Veranstaltung ihrer Art, Zeugnis ablegt. Immerhin mehr als 10?000 Anbieter buhlen um die urlaubshungrigen Bürger, die in Zeiten guter Konjunktur und Niedrigzinsen ihr Geld besonders gern ausgeben und so häufig verreisen wollen wie seit zehn Jahren nicht mehr. Und um die Fachbesucher, denn in Berlin wird nicht nur Appetit gemacht, hier werden Geschäfte getätigt. Die Messe ist mit mehr als 180 vertretenen Ländern so international wie selten. Aber auch die deutschen Aussteller sind überaus aktiv.

Kein Wunder, müssen doch selbst seit Jahrzehnten beliebte Ferienregionen, die auf steten Erfolg programmiert schienen, mittlerweile um Besucher kämpfen. Denn einerseits ist Deutschlandtourismus zwar weiterhin angesagt. Andererseits führen jedoch mehr als zwei Drittel der Urlaube der Bundesbürger ins Ausland. Und das hat nicht nur mit Fernweh und verlockenden Preisen zu tun.

Der global agierende Urlauber lernt anderswo Tugenden kennen, die so mancher noch immer zu Hause vermisst: Gastfreundschaft, guten Service, moderne Infrastruktur. Zu häufig treffen hierzulande Touristen noch auf Muffeligkeit, alte Hotelmöbel, verbraucherunfreundliche Öffnungszeiten, ungenügende Familienfreundlichkeit, fehlendes WLAN. Viele deutsche Urlaubsorte haben allerdings inzwischen diesen Wettbewerbsnachteil erkannt und reagieren darauf. Insofern kann die gern gescholtene Globalisierung durchaus auch einmal eine heilsame Wirkung im eigenen Land entfalten.

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Erstellt:
7. März 2018, 06:00 Uhr
Aktualisiert:
7. März 2018, 06:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 7. März 2018, 06:00 Uhr

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