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Leichtathlet David Rudisha

Weltrekordler will weiter in Tübingen trainieren

Wenn die LAV-Jugend dieser Tage mit großen Augen an der blauen Bahn im Tübinger SV 03-Stadion steht und staunt, kann das eigentlich nur eins bedeuten: David Lekuta Rudisha, der neue Weltrekordhalter über 800 Meter (1:41,01 Minuten), ist hier im Training.

02.09.2010
  • Marike Schneck

Tübingen. Dass der Tübinger Nachwuchs zu ihm aufschaut, macht David Rudisha stolz. Zu gut weiß er noch, wie er selbst als kleiner Bub am Rande der Aschenbahn stand und davon träumte, einmal schneller zu laufen als alle anderen. Größtes Vorbild war hier natürlich der Vater, Daniel Rudisha, der bei den Olympischen Spielen 1968 in Mexiko mit der kenianischen 4 x 400-Meter-Staffel Silber holte. „Für mich“, sagt David Rudisha, „war es das Größte, diese Medaille in den Händen zu halten und über die Prägung zu streichen. Ich wusste: So eine will ich auch mal.“ 2012 in London soll es – so alles glatt geht – endlich soweit sein.

Weltrekordler will weiter in Tübingen trainieren
Jung und charismatisch, vor allem aber unheimlich schnell: Weltrekordler David Luketa Rudisha beim Lauftraining auf dem Tübinger Sand. Bild: Wenk

David Rudisha, 21 Jahre alt, und vom Stamme der Massai, beeindruckt vor allem durch die große Ruhe und Zufriedenheit, die er ausstrahlt. Für jemanden, der innerhalb von nur zwölf Tagen einen 13 Jahre alten Weltrekord erst gebrochen und dann selbst nochmal unterboten hat, ist er überraschend gelassen. Typisch für den „Kenyan Way of Life“, sagt Rudishas Manager James Templeton. Auch sein alter Trainer und Mentor, der Ordensbruder Colm O’ Connell, in dessen Athleten-Camp David Rudisha in Kenia während der High-School-Zeit gefördert wurde, ließ sich am Sonntag nicht zu Jubelstürmen hinreißen. Als sein Schützling beim Leichtathletik-Meeting im italienischen Rieti den eigenen Weltrekord von 1:41,09 nochmal auf 1:41,01 Minuten verbesserte, sagte der Bruder nur: „Nicht schlecht.“ Stolz war er dennoch.

Rudisha laufen zu sehen, das sei wie eine Offenbarung, sagen die Fachleute. Er wirkt leichtfüßig, fast schon verspielt, und strahlt dennoch die Sicherheit eines Siegers aus. Wer den jungen Athleten in Tübingen bewundern will, muss allerdings früh aufstehen. Meist gehen die kenianischen Athleten um Manager Templeton, die den Sommer über in der Derendinger Mallestraße leben, schon gegen 6 Uhr zum Laufen entlang der Steinlach-Allee. Abends geht’s dann am liebsten zum Joggen in den Wald. Und so hat auch der viele Regen der vergangenen Wochen was für sich. Rudisha: „Dadurch ist der Boden schön weich.“ Das schont die Gelände und steigert den Trainingseffekt.

David Rudisha genießt es deshalb, wenn Stadtlauf-Organisator Frieder Wenk ihn und seine Mitbewohner hin und wieder zum Stadtlauf-Training auf den Tübinger Sand einlädt. Für ihn und die anderen Athleten der „Weltklasse-WG“ in der Mallestraße sei Wenk inzwischen zu einem richtig guten Freund geworden. „Er hat uns hier in Tübingen nicht nur herzlich aufgenommen, sondern kümmert sich auch um uns.“

Inzwischen, sagt Rudisha und grinst, finde er sich in Tübingen sogar allein zurecht. „Als ich hier ankam, habe ich mich kaum alleine in die Stadt getraut“, erzählt er. All die vielen kleinen Straßen, sagt er, hätten ihn einfach zu sehr verwirrt.

Zuhause im 2300 Meter hoch gelegenen kenianischen Trans-Mara-Bezirk trainiert der Athlet vor allem die Ausdauer. Dafür sei die Höhe dort oben, am Rande der Masai-Mara, im Grenzland zu Tansania genau richtig. „Hier in Tübingen“, sagt Rudisha, „kann ich endlich mal richtig Tempo machen“. Beim Training im Tübinger SV 03-Stadion gehen die Top-Athleten oft bis an die absolute Leistungsgrenze und kombinieren 200 Meter Vollsprint mit 50 Metern Trab-Pause, um dann nochmal 150 Meter richtig Vollgas zu geben.

Auch deshalb freut sich Rudisha nun erstmal auf eine Pause. Die Saison, und damit auch sein Aufenthalt in Tübingen, neigen sich langsam aber sicher dem Ende zu. Mitte September wird David Rudisha noch einmal beim Meeting im kroatischen Split antreten. Eine neue Bestzeit, ulkt er, sei dort aber nicht zu erwarten. Danach geht’s ab in den Flieger nach Hause. Und wer gehofft hatte, den neuen Weltrekordhalter beim Tübinger Stadtlaufs beobachten zu können, wird enttäuscht sein.

Wenn am Zinser-Dreieck die Läufer an den Start gehen, wird David Rudisha in seiner kenianischen Heimat kräftig feiern. 50 Rinder, wie ein Internet-Portal vorgestern voreilig vermeldete, werden dafür nicht geschlachtet. Eine große Party aber wird es sicher geben. Nicht nur die Familie und die Freunde wollen mit ihm den Erfolg feiern. Auch die Massai seien mächtig stolz. Im kommenden Sommer aber, verspricht Rudisha, werde er sicher gerne wieder ins schöne Tübingen kommen.


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