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Weltverbesserungsmaßnahmen

Überdehneter Studentenulk auf Muxmäuschenstills Spuren, an dem viele Kritiker einen Narren gefressen haben.

Überdehneter Studentenulk auf Muxmäuschenstills Spuren, an dem viele Kritiker einen Narren gefressen haben.

WELTVERBESSERUNGSMASSNAHMEN
Deutschland

Regie: Jakob Hüfner, Jörn Hintzer
Mit: Andreas Nickl, Peer Martiny

- ab 12 Jahren

Tagblatt-Wertung

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24.11.2015
  • Dorothee Hermann

Die besten Gefängnisse sind die, von denen die Insassen nichts ahnen, weil es ein Draußen angeblich gar nicht gibt. So wie in diesem futuristischen, aus Hotel, Klinik und Kaserne zusammendesignten Wohnkomplex der nahen Zukunft. Hier fristen Tausende weiß uniformierter Menschen mit merkwürdigen Namen wie Lincoln Six-Echo (Ewan MacGregor) oder Jordan Two-Delta (Scarlett Johansson) ein Leben mit Rundumversorgung – eintönig aber angstfrei. Die Erde, erzählt man ihnen, ist seit einer Umweltkatastrophe unbewohnbar. Letztes Refugium des Altirdischen ist eine mysteriöse Insel, auf die von Zeit zu Zeit einige per Los ermittelte Glückspilze auswandern dürfen.

Doch dieses Szenario entpuppt sich bald als ein gigantischer Schwindel. Alle Bewohner dieser Hightech-Festung sind in Wirklichkeit Klone, die sich reiche Leute als lebende Ersatzteillager halten. Und die „Insel“ ist ein Synonym fürs buchstäbliche Ausschlachten der Doppelgänger. Um einem solchen Schicksal zu entgehen, wagen Lincoln und Jordan eine halsbrecherische Flucht aus der bösen neuen Welt.

Seit 1997 das Schaf Dolly aus dem Erbgut seiner Mutter geklont wurde, zweifelt kaum noch jemand daran, dass dies grundsätzlich auch beim Menschen möglich ist. Die daher rührenden Ängste und Hoffnungen macht sich Regisseur Michael Bay für seinen Gentechnik-Thriller clever zunutze. Da ist einmal der Traum, sämtliche Krankheiten heilen und das Leben in Richtung Ewigkeit verlängern zu können. Die Seite der Skeptiker bestärkt der Film mit der düsteren Vision einer neuen Klasse rechtlosen Menschenmaterials in der Verfügungsgewalt von moralfreien Konzernen und deren gleichgültiger Kundschaft.

Mehr sozialkritische Vertiefung sollte man von der „Insel“ allerdings nicht erwarten. Was auch daran liegt, dass der Film zur Rettung seiner Story bei grobem wissenschaftlichem Unfug Zuflucht sucht (oder sind Träume neuerdings vererbbar?). Den Unterhaltungswert mindert das freilich kaum. Teil eins besticht als einfallsreich gestyltes Update großer Negativ-Utopien der Filmgeschichte wie „Soylent Green“ oder „THX 1138“. Den keimfreien, uniformen Sicherheitstrakt darf man wohl auch als Seitenhieb auf jene Gentech-Verfechter verstehen, aus deren Weltbild alles Nicht-Perfekte und Unwägbare eliminiert ist. Die zweite Hälfte dekliniert dann routiniert das Auf-der-Flucht-Genre durch, wobei Bay elegant die Balance hält zwischen ruhig knisternder Spannung und krachender (aber virtuos inszenierter) Action, die der Regisseur von „Pearl Harbor“ und „Bad Boys 2“ als sein Markenzeichen kultiviert.

Ob der Macher dieser erzreaktionären Vaterlands-Vergötterungen jetzt aber zu den Guten gehört, ist fraglich. Mit seiner Klon-Krittelei liegt er vielmehr wieder einmal ganz auf der Linie von George W. Bush.

Spielplan

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24.11.2015, 12:00 Uhr | geändert: 07.08.2009, 12:00 Uhr

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