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Börsenchef Michael Völter sieht Rückkehr zur Aktie als Reaktion auf die Niedrigzinsphase

"Wende hin zu Wertpapieren"

Keine Zinsen für Sparguthaben, aber relativ gute Verhältnisse an den Aktienmärkten: Entsprechend wächst die Bereitschaft zum Einstieg in Wertpapiere, sagt Michael Völter, der Chef der Stuttgarter Börse.

08.04.2016
  • KAREN EMLER

Wer sein Geld auf dem Konto lässt, bekommt zurzeit keine Zinsen dafür. Das müsste doch im Umkehrschluss die Sparer an die Börse treiben. Spüren Sie einen Aktienboom?

MICHAEL VÖLTER: Die Niedrigzinsphase ist das eine Thema am Markt, das andere ist die Volatilität im Aktienbereich, also das Auf und Ab der Kurse. Zu Jahresbeginn sind die Aktienkurse sehr stark in den Keller gerutscht, der Dax fing an mit rund 10 300 Punkten und rutschte dann am 11. Februar auf 8750 Punkte. Das hat zu Beginn des Jahres die Anleger zunächst verschreckt.

Aber der Dax hat sich erholt.

VÖLTER: Ja, und die Anleger sind am Markt zurück. An der Börse Stuttgart wurden seit Jahresbeginn durchschnittlich rund 336 Mio. Euro pro Tag umgesetzt. Der Dax hat auch zeitweise wieder die Marke von 10 000 Punkten erreicht. Ich halte das schon für eine Reaktion auf die Niedrigzinsphase.

Die Aktie gewinnt an Vertrauen?

VÖLTER: Die Menschen werden vielleicht ein Stück weit in Wertpapiere gedrängt. Die Europäische Zentralbank kauft jede Art von Papier auf, selbst Unternehmensanleihen, und das sage ich jetzt völlig wertfrei. Deshalb sehen wir eine Wende hin zu Wertpapieren, die eine bessere Rendite versprechen. Wer Geld auf der hohen Kante hat, muss sich jetzt nach anderen Anlagemöglichkeiten umschauen. Dazu zählen Aktien, Zertifikate und natürlich ETFs, also Indexfonds, die an der Börse gehandelt werden und Indizes wie etwa den Dax abbilden. Aber ich zähle auch Investitionen in Sachwerte wie Immobilien dazu.

Erhoffen Sie sich deshalb auch ein großes Echo auf die Anlegermesse Invest demnächst in Stuttgart?

VÖLTER: Im vergangenen Jahr waren es rund 11 000 Besucher, dieses Jahr sind 140 Aussteller da, das sind etwa 20 mehr als 2015. Wir gehen davon aus, dass dieses Jahr noch mehr Besucher kommen.

Was erwartet Anleger auf der Messe?

VÖLTER: Im Schwerpunkt werden Anlagen vorgestellt, die in die beschriebene Richtung gehen. Es geht also um Aktien und Zertifikate und alle Anlageprodukte dieser Art, vielleicht auch Gold. Das Edelmetall ist nicht nur ein Sachwert, sondern auch häufig Inhalt von Fonds.

Man lernt aber auch etwas über Tradingmodelle, also über Strategien?

VÖLTER: Genau, es geht dabei um die Frage, wie lege ich mein Geld am besten an den Märkten an? Man erfährt auch, in welchen Anlegerclubs und -vereinigungen man sich mit dem Thema vertraut machen kann. Das ist vielleicht einer der größten Vorteile der Invest. Wer hingeht, bekommt alles angeboten, was zurzeit als Anlagealternative in Frage kommt.

Wie bereitet man sich als Besucher am besten auf die Messe vor?

VÖLTER: Grundsätzlich sollte man vorher die wichtigsten Fragen in Bezug zu einer Geldanlage klären. Wie viel will ich wie lange anlegen? Geht es um einen großen Einmalbetrag oder eher um monatliche und dann vielleicht kleinere Beträge? Wie risikobereit bin ich? Nehme ich in Kauf die eingesetzten 10 000 Euro zu verlieren oder möchte ich davon 9999 Euro wiedersehen? Danach richtet sich die Anlageklasse. Man kann sich auch einfach eine bestimmte Aktie oder eine Anlageklasse wie beispielsweise Zertifikate rauspicken - und dann von Stand zu Stand gehen und nach Angeboten fragen.

Was raten Sie Neulingen?

VÖLTER: Es gibt Vorträge, die ganz allgemein Geldanlage, Börse und die derzeitige Marktsituation behandeln. Die empfehlen sich dann für diejenigen, die noch kein Depot haben. Auf der ARD-Bühne gibt es zum Beispiel am Freitag um 10 Uhr den Vortrag "Meine erste Aktie. Vorsorgen oder Drauf-Los-Leben". Ein Vortrag, der sich ganz klar an Neulinge bei der Geldanlage richtet. Ansonsten sind Besucher mit wenigen Vorkenntnissen natürlich immer gut am Stand der Stuttgarter Börse aufgehoben, denn unsere Kundenbetreuung ist ebenfalls vor Ort.

Was finden Sie dieses Jahr besonders spannend im Programm?

VÖLTER: Dieses Jahr wird auf der Invest über "grünes Geld" gesprochen. Mir als Nachhaltigkeitsfan ist das besonders wichtig. Interessant sind aber auch die Fintechs.

Fintechs - das sind die jungen Finanztechnologie-Unternehmen?

VÖLTER: Genau, diese Branche präsentiert sich auch auf der Invest.

Mit Geldanlage an sich haben diese doch weniger zu tun?

VÖLTER: Aber man kann sich vorstellen, dass die Ideen, die diese Unternehmen haben, in fünf Jahren in unserem Alltag eine große Rolle spielen werden. Wer diese Vorträge besucht, bekommt eine Vorstellung davon, wie sich die Finanzbranche weiter entwickeln könnte. Vor fünf Jahren hat sich auch noch kaum einer vorgestellt, dass man einfach bargeldlos mit dem eigenen Handy bezahlen kann. So wird das mit den Fintechs laufen. Das wird alle Bereiche betreffen, Geldanlage ebenso wie Geldtransfer. Deshalb kann es nicht schaden, sich schon jetzt mit den Themen vertraut zu machen.

Von Vorträgen bis zur Jobbörse

Zur Person Michael Völter ist seit März 2015 der "Vorsitzende des Vorstands der Vereinigung Baden-Württembergische Wertpapierbörse e.V." in Stuttgart. Völter hat nach dem Abitur bei der Landesgirokasse in Stuttgart Bankkaufmann gelernt und dann in Tübingen Jura studiert. Vor seinem Job an der Börse war er von 1994 an bei der SV Sparkassenversicherung tätig, zuletzt als Finanzvorstand. Der 52-jährige gebürtige Stuttgarter und Vater von vier Kindern geht gerne in die Berge. Als Börsenchef ist Völter verantwortlich für rund 300 Mitarbeiter. Das Handelsvolumen betrug 2015 über 954 Mrd. Euro. Das Unternehmen hat eine lange Tradition, es wurde 1860 als Stuttgarter Industriebörsenverein gegründet.

Zur Messe Die "Invest, Leitmesse und Kongress für Finanzen und Geldanlage" findet auf dem Stuttgarter Messegelände am 15./16. April statt. Sie ist eine Veranstaltung der Börse Stuttgart und der Messe Stuttgart. Neben Informationsständen wird ein umfangreiches Rahmenprogramm mit Vorträgen geboten. Mit dabei sind Experten von Banken und der Aufsichtsbehörde Bafin , aber auch ARD-Moderator Markus Gürne von "boerse vor acht"auf der ARD-Bühne und der vor allem bei jungen Leuten bekannte Youtuber Kolja Barghoorn. Die Titel der Vorträge reichen von "Meine erste Aktie - vorsorgen oder drauf los leben?"über "Ethik und das liebe Geld, wie passt das zusammen" oder "Nervenschonend investieren in schwankungsreichen Börsenzeiten" bis "Nachhaltige Geldanlage". Es gibt sogar eine Jobbörse.

Das Programm Das vollständige Programm zur Messe gibt es im Internet unter: http://www.invest-messe. Geöffnet hat sie von 9 bis 18 Uhr. Die Tageskarte für Erwachsene (inklusive VVS) kostet online 25 Euro, an der Kasse 30 Euro, ermäßigte Karten für 14 Euro online, 19 Euro an der Kasse. ker

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08.04.2016, 06:00 Uhr

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