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Weniger Stolperfallen für Häuslebauer
Gute Nachrichten für Häuslebauer: Für junge Familien und Senioren soll es wieder einfacher werden, einen Kredit für ein Eigenheim zu bekommen. Foto: Bildquelle
Wohnungsfinanzierung

Weniger Stolperfallen für Häuslebauer

Für junge Familien und Senioren soll es wieder einfacher werden, einen Immobilienkredit zu bekommen. Doch es gibt immer noch Kritik.

22.12.2016
  • DIETER KELLER

Berlin. Als eine „gute Nachricht für alle Häuslebauer“, begrüßte der Präsident des Deutschen Sparkassen- und Giroverbandes, Georg Fahrenschon, die geplanten Änderungen an der Umsetzung der Wohnimmobilienrichtlinie, die am gestrigen Mittwoch vom Bundeskabinett auf den parlamentarischen Weg gebracht wurden. „Damit wird der Weg freigemacht, um sowohl jungen Familien als auch älteren Mitbürgern den Weg in die eigenen vier Wände oder die Sanierung ihrer Immobilie wieder zu erleichtern“, so Fahrenschon.

Nach den derzeitigen Regeln, die im März in Kraft getreten waren, darf der Wert der Immobilie bei der Prüfung der Kreditwürdigkeit nicht berücksichtigt werden. Zudem ist Voraussetzung für ein Darlehen, dass die laufenden Einnahmen des Kunden reichen, um zu Lebzeiten das Geld zurückzuzahlen. Ziel war, Verbraucher vor überhöhter Kreditaufnahme und damit Überschuldung zu schützen.

Beide Regeln wurden als weltfremd kritisiert. Sie sorgten dafür, dass sich die Banken bei der Kreditvergabe insbesondere an junge Familien und an Senioren deutlich zurückhielten. So sagten die Sparkassen in Baden-Württemberg im zweiten Quartal 20 Prozent weniger Wohnungsbaukredite zu als im gleichen Zeitraum 2015. Im dritten Quartal betrug das Minus 12 Prozent.

Jetzt soll klargestellt werden, dass nicht nur der Wert einer Immobilie berücksichtigt werden kann, sondern auch eine Wertsteigerung durch Baumaßnahmen oder Renovierungen. Fahrenschon kritisierte allerdings, dass bei einer Anschlussfinanzierung die Kreditwürdigkeit wieder völlig neu untersucht werden soll. „Diese Prüfung steht aus gutem Grund am Anfang einer Kreditbeziehung und muss unserer Überzeugung nach für die gesamte Laufzeit gelten“, betonte der Sparkassen-Präsident. In diesem Fall müsse der Verbraucher nicht vor einer Überschuldung, sondern vor einer zwangsweisen Verwertung seiner Immobilie geschützt werden.

Klargestellt wird, dass für „Immobilienverzehrkredite“ nicht die Regeln für Verbraucherdarlehen gelten. Bei dieser Art von Krediten werden Zins und Tilgung nicht laufend gezahlt, sondern über die Laufzeit aufaddiert und zum Schluss in einem Betrag getilgt, oder der Kreditgeber übernimmt die Immobilie. Solche Verträge gibt es bisher kaum. Doch heißt es bei den baden-württembergischen Sparkassen, dies mache den Weg für Produktinnovationen frei.

Zustimmung findet auch, dass Finanz- und Justizministerium die Möglichkeit erhalten, mit einer gemeinsamen Rechtsverordnung Leitlinien zur Kreditwürdigkeitsprüfung festzulegen. Der Bundestag soll das Gesetz noch in dieser Legislaturperiode beschließen; mit dem Inkrafttreten wird im Sommer gerechnet.

Der Bundesverband der Verbraucherzentralen (VZBV) hält zwar Leitlinien für Banken zur Kreditwürdigkeitsprüfung für richtig. Er kritisierte aber, dass es weiter keine Klarheit bei der Berechnung von Vorfälligkeitsentschädigungen gebe. Sie fallen an, wenn Kredite vorzeitig gekündigt werden. Es bleibe die Gefahr, dass sie unzulässig hoch ausfielen.

Regeln gegen Immobilienblasen

Im gleichen Gesetz will die Bundesregierung „auf Vorrat“ Regeln zur Verhinderung von Immobilienblasen festlegen. Die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (Bafin) soll die Möglichkeit erhalten, Vorgaben für die Vergabe von Wohnimmobiliendarlehen zu machen. „Sie dürften nur im Bedarfsfall aktiviert werden“, betonte der Parlamentarische Staatssekretär im Finanzministerium, Michael Meister. Möglich sein soll beispielsweise eine Obergrenze für das Verhältnis von Darlehenshöhe und Immobilienwert. So könnte etwa eine Finanzierung ohne oder mit nur sehr wenig eigenem Kapital verboten werden.

Die Regeln gelten nur für Kredite für Bau und Erwerb von Immobilien, nicht aber für Umbau und Renovierung. Ausgenommen sind zudem Anschlussfinanzierungen, Kleindarlehen und Maßnahmen des sozialen Wohnungsbaus. Zudem muss die Bafin unter anderem die Kreditwirtschaft anhören.

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22.12.2016, 06:00 Uhr

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