Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden. OK Weitere Informationen
Gefährliches Job-Angebot per Mail

Wenn Gier zu Geldwäsche wird

In drei Stunden 1600 Euro verdienen – wer würde das nicht gern? Dabei ist die Arbeit nicht mal schwer, man muss auch nicht studiert haben. Nur einen Computer sollte man besitzen, und ein Online-Konto. Was dann passiert, wird in einer derzeit massenhaft verschickten E-Mail so beschrieben: „Wir überweisen auf Dein Konto in der Bank 2000 bis 8000 Euro; sobald das Geld auf Dein Konto eingegangen ist, hebst Du es ab."

18.07.2012
  • Volker Rekittke

20 Prozent darf man behalten, der Rest soll auf ein anderes Konto überwiesen werden. Das ganze sei, na klar, „absolut legal und verletzt keine Gesetze der EU und Deutschlands“. Klingt wie ein Märchen? Ist auch eins. Aber ein kriminelles.

„Da werden Geldwäscher angeworben“, sagt Reinhold Scheufele. Der Tübinger Kriminalhauptkommissar kennt solche Fälle zur genüge. Mehrere Anzeigen im Monat laufen allein bei der Tübinger Kripo auf: „Erstaunlich viele fallen auf die Masche rein“, wundert sich Scheufele. Obwohl solche Mails schon seit Jahren verschickt werden, ließ sich erst kürzlich wieder ein Tübinger Student als „Finanzagent“ anwerben. Er hat jetzt eine Anzeige wegen Geldwäsche am Hals, die Höchststrafe beträgt fünf Jahre Gefängnis, außerdem ein Zivilverfahren, in dem es um einige Tausend Euro geht.

Die Täter im Hintergrund sind für die deutsche Polizei so gut wie nie greifbar. Sie gehen häufig von osteuropäischen Ländern aus auf ihren Cyber-Raubzug und räumen weltweit Online-Konten mittels Trojaner-Spähprogramm („Phishing“) leer.

Das bloße Versenden der Werbe-Mails ist übrigens nicht verboten. Es handele sich um eine „straflose Vorbereitungshandlung“, sagt Tobias Freudenberg von der Tübinger Staatsanwaltschaft – und warnt zugleich alle Empfänger der E-Mails: „Auf keinen Fall sensible Daten wie Kontoverbindung, Namen und Adresse preisgeben!“ Und schon gar kein Geld weiterleiten.

Deutsche Gerichte urteilten bereits mehrfach, dass Unbedarftheit in diesem Fall nicht vor Strafe schützt: „Der normal intelligente Mitteleuropäer muss das mittlerweile wissen“, fasst Kommissar Scheufele die Rechtsprechung zusammen. Überhaupt vermutet er, dass meist nicht so sehr ein schlichtes Gemüt dahinter steckt, wenn sich jemand auf das märchenhafte Angebot einlässt. Sondern die reine Gier. „Wenn ich durch Nichtstun einen Haufen Geld verdienen kann, sollten doch eigentlich alle Alarmglocken läuten.“

Sie möchten diesen Artikel weiter nutzen? Dann beachten Sie bitte unsere Hinweise zur Lizenzierung von Artikeln.

18.07.2012, 12:00 Uhr

Sie müssen angemeldet sein, um einen Leserbeitrag zu erstellen.
Anmelden
Sie müssen angemeldet sein, um einen Kommentar zu verfassen.
Anmelden
 

 

 
Video-News: Aus Land und Welt
Heute meistgelesenNeueste Artikel
Wirtschaft im Profil
Wirtschaft im Profil

Die aktuelle Ausgabe unseres Business-Magazins Wirtschaft im Profil
Bildergalerien
Videos
Single des Tages
date-click
Video-News: Fußball