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Wenn Hamlet in Somalia leidet
Galt schon als Kind als ein Meister der Sprache: Nuruddin Farah. Foto: dpa
Schon lange im Gespräch für den Literaturnobelpreis: Der Schriftsteller Nuruddin Farah wird heute 70

Wenn Hamlet in Somalia leidet

Nuruddin Farah begleitet die blutige Geschichte Somalias seit Jahrzehnten aus dem Exil. Damit will der Autor seine Heimat "am Leben erhalten".

24.11.2015
  • SILVIA VOGT, EPD

. Als Nuruddin Farah vor fast 40 Jahren zum Literatur-Festival nach Berlin kam, ging ein Raunen durch die Zuschauermenge. "Da waren viele ganz verdutzt, vor allem Frauen", berichtet Farahs deutscher Wegbegleiter, der Literaturexperte Peter Ripken. "Sie hatten geglaubt, dass sich hinter dem Namen eine Autorin verbarg - weil sie nicht erwartet hatten, dass ein Mann die weiblichen Romanfiguren so einfühlsam und tiefgründig porträtiert." Ein paar Jahrzehnte und viele Werke später ist der Somalier weit bekannt. Heute feiert er seinen 70. Geburtstag.

Farah, 1945 als viertes von zehn Kindern im damals italienisch verwalteten Baidoa geboren, soll schon als Kind ein Meister der Sprache gewesen sein. Dicht- und Erzählkunst wurden dem Kaufmannssohn praktisch in die Wiege gelegt: Die Mutter war Geschichtenerzählerin, ebenso wie zwei seiner Ahnen. Auf der Koranschule brillierte der kleine Nuruddin, in sehr jungem Alter verdiente er bereits als Briefeschreiber für Analphabeten Geld. Nach Abschluss seiner Schulausbildung arbeitete er kurze Zeit für das Bildungsministerium, verfasste aber auch mit 20 Jahren seine erste öffentlich erschienene längere Geschichte.

Zu Beginn seiner Schriftstellerlaufbahn bediente sich Farah noch zeitweilig der somalischen Sprache. Alle großen Werke aber entstanden in Englisch. Spätestens mit der ersten Roman-Trilogie "Variationen über das Thema der afrikanischen Diktatur", die zwischen 1979 und 1983 erschien, betrat Farah die literarische Weltbühne. In den Büchern setzte er sich mit dem diktatorischen Regime seiner Heimat, mit Aufbegehren, aber auch mit innerer Zerrissenheit seiner Akteure und familiären Verflechtungen auseinander.

Entwicklung und Gesellschaft Somalias ist Farahs Thema seit Beginn seines Schaffens. Allerdings muss er sich von außen nähern: Seit den 1970er Jahren lebt er im Exil und wagte sich lange nicht einmal zurück, nachdem er vom Militärregime in Abwesenheit zum Tode verurteilt worden war.

Erst das Exil habe ihm die Arbeit aber möglich gemacht, resümierte Farah vor einigen Jahren. "Um ein wahrhaft inspiriertes fiktionales Werk über Somalia schreiben zu können, musste ich das Land verlassen", sagte er. "Denn hätte ich das nicht getan, hätte ich vielleicht viele Jahre in Internierungslagern zubringen müssen, das Gefängnis wäre mir zum Exil geworden", sagt der Autor.

Die Heimat jedoch bleibt immer präsent. Farah wolle Somalia mit seinem Schreiben nach eigenen Worten "am Leben erhalten", erklärt Peter Ripken, der langjährige Geschäftsführer der Gesellschaft zur Förderung der Literatur aus Afrika Asien und Lateinamerika Litprom.

Welche Projekte Nuruddin Farah derzeit am Laufen hat, weiß Weggefährte Ripken nicht. Leerlauf gebe es bei dem 70-jährigen Somalier aber sicher nicht: "Er arbeitet immer."

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24.11.2015, 08:30 Uhr | geändert: 24.11.2015, 06:01 Uhr

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