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Prozess

Wenn Helfer zu Tätern werden

Erneut steht ein Feuerwehrmann wegen Brandstiftung vor Gericht. Die Wehren sind für solche Fälle sensibilisiert – im Vorfeld erkennbar sind sie kaum.

03.03.2018
  • HANS GEORG FRANK

Mosbach. Als das Vereinsheim der „Barbarians“ am 24. Oktober 2017 in Flammen stand, half ein Mitglied der freiwilligen Feuerwehr besonders fleißig beim Löschen. Der Mann gestand wenige Tage später, dass er im Gebäude in Aglasterhausen (Neckar-Odenwald-Kreis) gezündelt hat. Am Montag muss er sich vor dem Landgericht Mosbach nicht nur wegen besonders schwerer Brandstiftung verantworten. Er ist auch wegen versuchten Mordes in neun Fällen angeklagt. Denn in dem Haus wohnten neun Personen.

Der Angeklagte (26) ist auch Mitglied bei den „Barbarians“, einem Kraftsportverein, der bei „Highland Games“ seine Stärke unter Beweis stellt. Wo sonst Gewichte gestemmt werden, wollte sich der junge Mann angeblich das Leben nehmen. Mit flüssigem Grillanzünder setzte er deshalb einen Tintenstrahldrucker in Brand. Doch er beließ es beim Selbstmordversuch, verließ das Haus und kümmerte sich nicht mehr um das Feuer. Damit habe er in Kauf genommen, dass die „bereits schlafenden Bewohner sterben könnten“, erklärte die Staatsanwaltschaft.

Dieser Fall gehört zur Serie von brandstiftenden Feuerwehrleuten, die die Öffentlichkeit beunruhigt und eigene Kameraden in schlechtes Licht rückt. Dabei sei die Zahl der Täter aus den eigenen Reihen „verschwindend klein“, sagt der Brandexperte Frank J. Stolt der SÜDWEST PRESSE. In Deutschland gebe es rund 1,3 Millionen Feuerwehrangehörige, von ihnen fielen jährlich 40 bis 50 als Brandstifter auf: „Das ist wirklich nicht viel.“

„Sie wollen Helden sein“

Als Motiv sieht der Sachverständige aus Mannheim zumeist „den Drang nach sozialer Anerkennung“, womit ein besonders intensiver Einsatz beim Löschen verbunden sei: „Sie wollen Helden sein.“ Die schwarzen Schafe wollten sich mit enormem Engagement profilieren: „Die gehen auch mit zwei Schläuchen die Leiter hoch.“ Durch die veränderten Tätigkeiten der Feuerwehr bekämen sie jedoch immer weniger zu tun. Nur noch 20 Prozent der Einsätze entfielen auf Löschangriffe, der große Rest gehöre zum technischen Bereich. „Wenn es keine Brände gibt, werden sie eben selber geschaffen“, sagte Stolt.

Den typischen Täter beschreibt er so: „Anfang bis Mitte 20, männlich, kein Migrationshintergrund, mittlere bis unterdurchschnittliche schulische und berufliche Leistungen, Probleme mit der Akzeptanz durch andere.“ Kurzum: „Eine graue Maus, die in der Masse mitschwimmt.“

Für die Feuerwehr sei ein Brandstifter „der schlimmste Fall überhaupt“, sagt Markus Kramer, stellvertretender Geschäftsführer des Landesfeuerwehrverbands. „So etwas schadet ganz massiv dem Zusammenhalt“, erklärte er, der selbst Gruppenführer ist. Ein Frühwarnsystem könne es nicht geben, „weil jeder Fall komplex und individuell ist“. Die Motive hätten „oft mit der Feuerwehr nichts zu tun“. Zwar seien Kommandanten sensibilisiert, „aber man sieht dem Kameraden ja nicht in den Kopf hinein“.

Bei der Landesfeuerwehrschule in Bruchsal gibt es bei jährlich 2500 Lehrgängen mit 7000 Teilnehmern keine Extra-Schulung zum frühen Erkennen potenzieller Brandstifter in der eigenen Abteilung. „Das ist kein Thema, das wir intensiv behandeln“, sagte Leiter Thomas Egelhaaf, zumal es keine Erkennungsmerkmale gebe. Aber Führungskräfte müssten darauf achten, „ob sich jemand außerhalb der Norm bewegt“. Auch wenn es sich um Einzelfälle handle, seien Brandstifter eine Schande für die Feuerwehr – „das geht gar nicht“. Auf dem Papier gibt es eine einfache Lösung. Das Gesetz erlaubt nur Personen eine Mitgliedschaft in der Feuerwehr, „die nicht wegen Brandstiftung verurteilt wurden“.

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03.03.2018, 06:00 Uhr

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