Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden. OK Weitere Informationen
Wenn Oma zahlen soll
Beim so genannten Enkeltrick gaukeln die Betrüger ihren meist betagten Opfern am Telefon vor, ein naher Verwandter etwa ein Enkel zu sein. Foto: dpa
Telefonbetrug

Wenn Oma zahlen soll

Der Enkeltrick stirbt nicht aus. Jedoch sind Senioren inzwischen häufiger gewappnet, wenn ein vermeintlicher Verwandter Geld verlangt.

17.12.2016
  • DPA

Köln. Das Telefon klingelt, der Anrufer gibt sich als Verwandter aus und bittet um Geld. Der so genannte Enkeltrick funktioniert – leider noch immer. Zwar trage die Präventionsarbeit Früchte. „Dennoch fallen immer wieder ältere Menschen auf diese Tricks herein“, sagt Heidi Conzen, Sprecherin des Landeskriminalamtes (LKA) Nordrhein-Westfalen. Die Masche ist immer die gleiche. Die Anrufer suchen im Telefonbuch nach Vornamen, die am ehesten älteren Menschen zuzuordnen sind und melden sie sich mit Sätzen wie: „Hallo Oma, ich bin's.“ So wird das Opfer dazu gebracht, den Namen des vermeintlichen Enkels oder Neffen zuerst zu nennen, etwa: „Tim, bist du das?“ Hier knüpft der Anrufer an und äußert, dass er dringend Geld benötige. „Die Betrüger üben auf perfide Weise massiven Druck aus“, erläutert Conzen. Sie riefen manchmal mehrmals an, bis die Senioren die gewünschte Summe vom Konto abheben. Dann kommt ein Bekannter des angeblichen Enkels vorbei, um das Geld abzuholen.

Auf diese Weise ergaunern die Telefon-Betrüger oft mehrere Tausend Euro. So auch im Fall eines Angeklagten, dem vor dem Kölner Landgericht der Prozess gemacht wird. Er soll zu einer Bande gehören, die mit dem Enkeltrick rund 20 Opfer um insgesamt mehr als 100 000 Euro geprellt hat.

Besonders anfällig für den Enkeltrick seien ältere Menschen, die zurückgezogen lebten und vereinsamt seien, sagt Ursula Lenz, Sprecherin der Bundesarbeitsgemeinschaft der Senioren-Organisationen (BAGSO) in Bonn. 2015 registrierte das LKA im Bundesland Nordrhein-Westfalen 254 Enkeltrick-Fälle, bei denen Betrüger eine Gesamtbeute von rund 4 Millionen Euro machten. Insgesamt seien 4116 Fälle angezeigt worden, in denen Betrüger erfolglos blieben. 2014 waren es 216 vollendete Fälle mit 2,35 Millionen Euro Schaden und 2855 Versuche.

Aus Scham meldeten sich Opfer teils nicht bei der Polizei, sagt Bianca Biwer, Bundesgeschäftsführerin der Opferschutz-Organisation Weißer Ring. Dabei seien die Betroffenen „weder dumm noch dement“, aber sie würden unter Druck gesetzt – „man sollte sich unbedingt rückversichern, indem man selbst bei seinen Verwandten anruft“, rät LKA-Sprecherin Conzen. Wem ein Anruf verdächtig vorkomme, der solle den Hörer auflegen und sich bei der Polizei melden. dpa

Sie möchten diesen Artikel weiter nutzen? Dann beachten Sie bitte unsere Hinweise zur Lizenzierung von Artikeln.

17.12.2016, 06:00 Uhr

Sie müssen angemeldet sein, um einen Leserbeitrag zu erstellen.
Anmelden
Sie müssen angemeldet sein, um einen Kommentar zu verfassen.
Anmelden
 

 

 
Video-News: Aus Land und Welt
Heute meistgelesenNeueste Artikel
Wirtschaft im Profil
Bildergalerien
Videos
Single des Tages
date-click
Video-News: Fußball