Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden. OK Weitere Informationen
Wenn das Geld für Futter fehlt
Dieser Hund wartet vor der Kölner Tiertafel. Foto: dpa
Gesellschaft

Wenn das Geld für Futter fehlt

Tiertafeln helfen Haltern, die sich ihr Haustier nicht mehr leisten können. Der Andrang ist groß.

22.04.2017
  • PETRA ALBERS, DPA

Köln. Immer wenn die Tiertafel in Köln ihre Ausgabestelle öffnet, steht schon eine lange Schlange von Wartenden vor dem Pavillon. Bedürftige Tierhalter, teils mit Hunden an der Leine, holen sich dort alle zwei Wochen eine Futterration für ihre Lieblinge ab. „Ich bin froh, dass es das gibt“, sagt der 52-jährige Jochen Esser und streichelt seinen Boxer-Bernhardiner-Mischling Molli. „Ich beziehe Hartz IV, da ist das Geld natürlich knapp.“

Vor einem Jahr haben Ehrenamtliche die Tiertafel Köln-Höhenhaus gegründet. Zu den Ausgabeterminen kämen im Durchschnitt rund 100 Menschen, von denen manche auch zwei oder drei Tiere hätten, sagt der Vorsitzende Klaus Trippner. „Die Nachfrage ist groß.“ Bei vielen „Kunden“ reiche die Rente nicht, andere seien Sozialhilfeempfänger oder obdachlos. Um ihre Bedürftigkeit nachzuweisen, müssen die Besitzer Bescheide vorlegen. Manchmal ist bei den Ausgabeterminen auch ein Tierarzt dabei.

Finanziert wird die Tafel überwiegend mit Geld- oder Futterspenden. „Aber es ist schwer, genug zusammenzubekommen“, sagt Trippner. Deshalb müssen die Kunden bei der Ausgabe einen Beitrag von zwei Euro pro Tier zahlen. Dafür erhalten sie Futter für mehrere Tage: Für einen kleinen Hund oder eine Katze zum Beispiel sechs Dosen Nassfutter, eine Packung Trockenfutter und ein paar Leckerlis. Ein großer Hund bekommt entsprechend mehr.

Auch in anderen Städten gibt es solche Tiertafen: „Der Bedarf ist riesig“, sagt Wolfgang Lemke, Geschäftsführer der Tiertafel Düsseldorf. „Ohne die Tafeln könnten viele Besitzer ihre Tiere wahrscheinlich gar nicht behalten.“ Bis zu 150 Kunden kämen zweimal im Monat zur Futterausgabe. „Am Anfang des Monats kommen weniger, zum Ende hin werden es mehr“, hat Dagmar Oetken von der Tiertafel Rhein-Erft in Bergheim beobachtet, die einmal pro Woche geöffnet hat. „Vor allem für Alleinstehende sind Tiere meist der wichtigste Bezugspartner, ihr Kummerkasten oder sogar der einzige Grund, morgens aufzustehen.“

Auch Lea Schmitz, Sprecherin des Deutschen Tierschutzbundes, meint: „Tiere sind für ältere Menschen und für bedürftige Personen oft die letzte Brücke in die Gesellschaft.“ Wenn jemand unverschuldet in finanzielle Not gerate, sollten die Tiere nicht darunter leiden müssen. dpa

Sie möchten diesen Artikel weiter nutzen? Dann beachten Sie bitte unsere Hinweise zur Lizenzierung von Artikeln.

22.04.2017, 06:00 Uhr

Sie müssen angemeldet sein, um einen Leserbeitrag zu erstellen.
Anmelden
Sie müssen angemeldet sein, um einen Kommentar zu verfassen.
Anmelden
 

 

 
Video-News: Aus Land und Welt
Heute meistgelesenNeueste Artikel
Wirtschaft im Profil
Wirtschaft im Profil

Die aktuelle Ausgabe unseres Business-Magazins Wirtschaft im Profil
Bildergalerien
Videos
Single des Tages
date-click
Video-News: Fußball