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Wenn das Wetter zum Sparen zwingt

Die Lausitz könnte noch in diesem Sommer auf dem Trockenen sitzen, wenn es weiter wenig regnet. Auch in anderen Teilen der Republik wird Wasser knapper. Der Blick in andere Länder zeigt: Ein Umdenken ist nötig.

09.07.2019

Von DPA

Hier war einmal Wasser: Ein Brückenbogen der Dresdner Augustusbrücke überspannt das ausgetrocknete Flussbett der Elbe vor der Kulisse der Altstadt. Foto: Sebastian Kahnert/dpa

Berlin. Wasserhahn aufdrehen – und es kommt nichts raus? In Deutschland kennen die meisten Bundesbürger das bisher nur von Rohrbrüchen oder Reparaturarbeiten. Doch im zweiten trockenen Sommer und nach Hitzerekorden wie zuletzt im Juni stehen Regionen wie die Lausitz vor einem Problem: Wenn es weiter so wenig regnet, könnten Wasservorräte knapp werden. Für Deutschland ist das völlig neu.

„Bisher war Wasserstress bei uns kein relevantes Thema“, sagt Jörg Rechenberg, Wasserexperte beim Umweltbundesamt (UBA). „Die auffallend lang anhaltende Trockenheit im Sommer 2018 macht aber nicht nur Wissenschaftlern und Behörden, sondern auch einer breiten Bevölkerung bewusst: Wasserknappheit ist ein Problem oder kann zumindest eines werden.“ Verteilungsstreits, zum Beispiel zwischen Wasserversorgern und Landwirtschaft, sind bereits absehbar.

Elbe und Oder führen schon vor Beginn des Hochsommers so wenig Wasser, dass Sandbänke und Felsen freiliegen. In Magdeburg konnten Anfang Juli keine Schiffe mehr festmachen, in Dresden war Güterverkehr auf dem Wasser nicht mehr möglich. In der Lausitz fassen die Speicher normalerweise 88 Millionen Kubikmeter Wasserreserven. Nun sind nur noch 58 Millionen vorhanden. In Cottbus dürfen Landwirte und Gartenbesitzer darum seit Sonntag zwischen 6 bis 21 Uhr kein Wasser mehr aus Flüssen, Seen oder Gräben pumpen.

Damit ist die Lausitz nicht mehr so weit entfernt von Kalifornien. Der US-Bundesstaat wird immer wieder von Trockenperioden heimgesucht. Die Behörden reagieren mit Aufrufen zum Wassersparen, aber auch mit Auflagen und Strafen. In einigen Bezirken durften Anwohner nur zwei Mal pro Woche für 15 Minuten ihre Gärten bewässern. Der Effekt: Vielerorts verschwinden Rasenflächen. Gepflanzt wird nun, was weniger Wasser braucht.

Von flächendeckendem Wasserstress will das Umweltbundesamt noch nicht sprechen. Die Bundesrepublik hat eine Süßwasserressource von 188 Milliarden Kubikmetern, sagt Experte Rechenberg. Deutschland entnehme diesem Vorrat bisher auch nur rund 13 Prozent pro Jahr. Von Knappheit wäre erst bei mehr als 20 Prozent Entnahme die Rede.

Regional kann das aber anders aussehen. So machen sich die Wasserversorger mancherorts Sorgen um Trinkwasser-Reserven. Rasensprenger verbrauchten bis zu 800 Liter Wasser in der Stunde, sagt Karsten Specht, Vizepräsident des Verbands Kommunaler Unternehmen. Das ist rund siebenmal soviel wie jeder Bundesbürger pro Tag für sich selbst aus dem Wasserhahn zapft.

Jörg Rechenberg denkt schon über mögliche Sparszenarien nach. „Wir wollen keine Abstriche bei der Hygiene machen“, betont er. Duschen sei aber schon mal besser als ein Vollbad. „Die meisten Leute haben ohnehin schon Spararmaturen installiert, zum Beispiel bei der Toilettenspülung.“ Doch etwa in Gärten lasse sich noch Wasser sparen – durch Gießzeiten am frühen Morgen oder späten Abend zum Beispiel. Dann verdunste nicht so viel.

In Asien ist Wasserknappheit schon lange ein Problem. In China leben heute rund 20 Prozent der Weltbevölkerung, doch hat es nur sieben Prozent der Frischwasservorräte. Vor allem die ungleiche Verteilung ist problematisch: Im Süden des Landes fallen deutlich mehr Niederschläge als im Norden. Um das Defizit auszugleichen, wurden gewaltige Kanäle angelegt. In Indien müssen Anwohner in privaten Wohnanlagen bei zu hohem Wasserverbrauch mit Strafgebühren rechnen. Im schlimmsten Fall stellen die Behörden das Wasser stunden- oder gar tageweise ab.

Mit Trinkwasser-Knappheit rechnet in Deutschland heute noch kaum jemand. Doch bei langer Dürre könnte die Landwirtschaft umdenken müssen. „Um nicht nur auf Oberflächengewässer und Grundwasser zurückzugreifen, wird Wiederaufbereitung von Brauchwasser für die Landwirtschaft zu überlegen sein“, sagt UBA-Experte Rechenberg. In Spanien, einem der trockensten Länder Europas, wird das seit vielen Jahren praktiziert.

Ulrike von Leszczynski

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Erstellt:
9. Juli 2019, 06:00 Uhr
Aktualisiert:
9. Juli 2019, 06:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 9. Juli 2019, 06:00 Uhr

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