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Senta Berger spielt eine ihrer letzten Episoden der Reihe "Unter Verdacht"

Wenn die Justiz irrt

Wie ist es um die deutsche Rechtssprechung bestellt? Ist Justitia wirklich manchmal auf einem Auge blind? Die Krimireihe "Unter Verdacht" mit Senta Berger stellt diese Frage. Es ist einer ihrer letzten Fälle.

22.04.2016
  • BRITTA SCHULTEJANS, DPA

München. Als Gustl Mollath 2014 nach einem wahren Rechtsstreit-Marathon freigesprochen und aus der Psychiatrie entlassen wurde, hatte er eine große Debatte um die Unabhängigkeit und Objektivität deutscher Gerichte vom Zaun gebrochen. Die ZDF-Serie "Unter Verdacht" greift diese Debatte nun auf - wenn auch mit einem völlig anderen Fall.

Die Episode "Ein Richter" beginnt mit dem Angriff der unbescholtenen Angestellten Doris Kern (Anneke Kim Sarnau) auf Richter Rainer Koller (hervorragend: Martin Brambach) mitten in der Kantine des Justizzentrums. Bei den Ermittlungen kommt heraus, dass die Angreiferin einst Opfer häuslicher Gewalt und von ihrem Ehemann regelrecht gequält wurde. Doch Richter Koller sprach den Mann damals frei - auch wenn die Beweise gegen ihn erdrückend waren.

Und die Geschichte droht sich zu wiederholen: Denn auch Doris Schwester Carola (gespielt von Alexandra Finder) muss Koller im Gerichtssaal gegenübersitzen. Sie ist inzwischen mit dem Ex ihrer Schwester zusammen, wird ebenfalls von ihm misshandelt - und wusste sich eines Abends nur zu helfen, indem sie ihn mit einem Messer verletzte.

Der Kriminalrätin Eva Maria Prohacek (Senta Berger) kommt die ganze Sache seltsam vor - und so setzt sie sich als Prozessbeobachterin in den Zuschauerraum. Dabei erlebt sie, wie Richter Koller die angeklagte Carola offensichtlich verunsichert, manipuliert - und schließlich ein unglaublich hartes Urteil fällt. Prohacek ist fassungslos. Berichte von Mitarbeitern über sein cholerisches Wesen und dunkle Flecken in seiner Vergangenheit sorgen dafür, dass die Ermittlerin - trotz Gegenwinds von Seiten ihres Chefs Claus Reiter (Gerd Anthoff) - nicht locker lässt und unbedingt herausfinden will, was mit diesem trotz seiner willkürlichen Urteile innerhalb der Justizbehörden angesehenen Richter nicht stimmt.

"Wir haben zwei Themen aufgegriffen, die unsere Gesellschaft betreffen und bewegen", sagt Hauptdarstellerin Senta Berger. "Das eine sind die immer noch möglichen Misshandlungen von Frauen durch ihre Lebenspartner und ihre Wehrlosigkeit. Das andere Thema stellt die Frage: Was passiert eigentlich mit unseren neutralen, unvoreingenommenen, gerechten Richtern? Das war ja auch Thema im Fall Gustl Mollath." Ein harter Film ist es geworden, der vor allem dank Martin Brambach als unberechenbarem Richter außergewöhnlich wird.

Seit fast 15 Jahren steht Berger, die im Mai ihren 75. Geburtstag feiert, inzwischen schon als Eva Prohacek für die ZDF-Krimireihe vor der Kamera. "Ein Richter" ist allerdings einer ihrer letzten Fälle. Voraussichtlich noch drei Episoden sollen in diesem und im kommenden Jahr gedreht werden, dann ist Schluss. "Dann geht die Prohacek in Rente", sagte Berger. "Die Prohacek ist eine Beamtin, und eine Beamtin geht natürlich in Rente. Ich möchte nicht, dass mir das Publikum vorwirft, dass ich es noch nicht bin."

Info "Unter Verdacht - Ein Richter" am Samstag, 20.15 Uhr, im ZDF.

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22.04.2016, 06:00 Uhr

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