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Hochwasser

Wenn die Wiesaz wild wird

Der Gomaringer Bau- und Umweltausschuss ließ sich die Kosten-Nutzenanalyse für den Hochwasserschutz vorstellen.

09.12.2016
  • sum

Der Hochwasserschutz darf nicht teurer sein als der verhinderte Hochwasserschaden. Unter dieser Prämisse prüfte Markus Heberle vom Rottenburger Ingenieurbüro für Wasserwirtschaft und Siedlungsentwässerung in einer Flussgebietsuntersuchung alle möglichen Gefahren, die von einer überschwemmten Wiesaz ausgehen können. Sein umfangreiches und detailliertes Strategiekonzept stellte er am Dienstag dem Bau- und Umweltausschuss als Entscheidungsgrundlage vor.

Um das Schadenspotential bei verschieden schweren Hochwassern zu ermitteln, hatte Heberle sich nicht nur die Topografie der Wiesaz, die Brücken, Brüstungen, Verdolungen und Kanaleinflüsse in dem rund 20 Quadratkilometer großen Gomaringer Einzugsgebiet angeschaut. Er habe jedes Gebäude im Ort begangen, auf mögliche Wassereintrittsöffnungen überprüft und die Wasserstände protokolliert, berichtete er. Auf Gomaringens Gemarkung misst das Flüsschen 5,85 Kilometer, 2,5 Kilometer davon verlaufen im Ort. Das letzte Hochwasser, das in seiner Gefahrenklasse lediglich als „Zehnjähriges“ eingestuft wurde, fand 2013 statt. Damals waren sechs der elf Gomaringer Brücken und die Wehranlage eingestaut gewesen.

Bis zu 134 Gebäude bedroht

Zu den Hochwasserdefizitbereichen rechnete Heberle die Kirchstraße und die Gotthold-Kindler-Straße, die Fußgängerstege, die in der Lubbach-, Linsenhof-, Eugen-Bolz- und Mozartstraße über die Wiesaz führen, das verengte Flussbett in der Kirchstraße und den am Unterstrom gelegenen Reiterhof bei der Pulvermühle, wo zusätzlich der Spundgraben einfließt. Je nach Stärke eines künftigen Hochwassers seien 10 bis 134 Gebäude betroffen. Von herabstürzendem Hangwasser bedrohte Bereiche fand er entlang der Albert-Schweitzer-Straße und der Haydnstraße. Die Gesamthöhe aller potentiellen Schäden hatte er auf eine jährliche Schadenserwartung von rund 38000 Euro umgerechnet.

Als möglicher Standort für ein Rückhaltebecken mit Drosselabfluss sei – neben dem Bahndamm bei der Wiesaz und dem Gelände unterhalb des Eiselbachs – vor allem die Lage oberhalb der Schleifmühle geeignet. Dort könnten in einem Absperrbauwerk Wassermassen von bis zu 70000 Kubikmeter zurückgehalten werden. Mit einem Wall könne das Hochwasser zusätzlich gestaut und über eine „schadlose Ausuferung in die Aue“ entlassen werden.

Der Gewässerfachmann hatte verschiedene Wege des Hochwasserschutzes durchgerechnet. Bei der kostspieligsten Variante müsste die Brücke an der Kirchstraße ersetzt werden. Um ein ausgewogenes Kosten-Nutzen-Verhältnis zu erhalten, riet er stattdessen, das Bauwerk durch eine 65 Meter lange und 1,1 Meter hohe Hochwasserschutzwand zu sichern. Insgesamt müssten 170 Meter solcher bis zu 1,50 Meter hohen Schutzmauern entlang der Wiesaz gebaut werden. Bei allen Brückensanierungen sei zu prüfen, ob sich der Abflussquerschnitt vergrößern lasse. In der Dußlinger Straße könne der Wasserstand durch eine Aufweitung des Flussbetts gesenkt werden. An anderer Stelle fand Heberele Deichstrukturen mit einer Höhe von ungefähr 1,3 Metern sinnvoll. Aus Gründen der ökonomischen Effizienz empfahl er, sich für ein nur 37000 Kubikmeter fassendes Rückhaltebecken zu entscheiden.

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09.12.2016, 01:00 Uhr

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